Mimung aus Arunachal-Pradesh

Je höher man schwebt, desto tiefer fällt man – das ist nun
einmal so. Der Mensch hat zwei große Triebe: Der eine ist der
Selbsterhaltungstrieb, der andere ist der Arterhaltungstrieb.
Den Arterhaltungstrieb hatte ich mit Mimung voll ausgelebt.
Nun kam der Selbsterhaltungstrieb, der sich meldete, und das
war meine Arbeit. Man muss arbeiten, um sich zu ernähren,
sich einzukleiden und um viele schöne Dinge kaufen zu
können, eben um sich selbst zu erhalten. Mein Arbeitsvertrag
war nur für diese Periode des Lehrganges gemacht worden. Es
war nur ein Testlauf, der von privater Seite aus gemacht
wurde. Und man sagte mir, dass man weiter machen wollte,
aber erst musste im Ministerium darüber verhandelt werden,
wer für die Kosten aufkommen würde. Es sollte nicht nur den
Reichen, die es privat zahlen konnten, sondern auch der
Unterschicht ermöglicht werden. Es könnte aber sehr lange
dauern, bis eine Entscheidung kam.
Nicht nur meine Schüler haben etwas gelernt, auch ich
war ein Meister der indischen Küche geworden.
Meine Schüler bekamen ein richtiges Diplom, ich aber
musste mich mit einem Zeugnis vom Hotel begnügen.
Ich war wieder einmal ohne Job und das hieß, ohne
Einkommen.
Ich
sollte, solange ich noch Geld für ein Ticket hatte, meinen
Abschied einreichen und Delhi verlassen. Das hieß aber auch,
Mimung zu verlassen! Aber ich konnte es nicht, ich war total
in diese Frau verliebt!
Wir hatten uns so stark aneinander gebunden, dass eine
Trennung nicht infrage kam. Auch Mimung würde daran
zerbrechen, das sagte sie mir jeden Tag.
Sie bekam von Zuhause Druck, warum sie immer noch in
Delhi sei und nicht zurückkommen würde. Beide sollten wir
zu unseren Familien, doch wir taten genau das Gegenteil.
Ich konnte nicht von dieser Frau lassen. Sie war anders
als Chitra. Es wäre zu einfach nur eine Frau in ihr zu sehen. Es
war nicht die Frau, es war ihre Art, die den Unterschied
ausmachte, die Ehrlichkeit, die Offenheit, die Unschuld, die
sie noch hatte und auch den Respekt, den sie anderen
gegenüber bewies. Sie war noch nicht versaut, denn ich konnte
einen guten Menschen in ihr erkennen und sehen.
Ich vergötterte sie und nannte sie meine Maharani, was
wiederum sie als Anlass nahm, dass sie mich mit „Herr Hans“
ansprach. Sie dachte, dass der „Herr“ bei uns etwas ganz
Besonderes sei.
Unser Altersunterschied war für sie kein Problem. Für
mich kam es nicht infrage, dass ich sie mit nach Deutschland
nehmen würde.Sie war gerade einmal 23 und ich doch schon 35 der Unterschied war für mich zu groß.
Doch gerade dieses Unverdorbene, diese Unschuld, das
so Unkomplizierte machte sie so attraktiv für mich.
Lilian war das Gegenstück in europäisch gewesen, was
Mimung in asiatisch darstellte.
Das noch Unverdorbene, bis sie mich kennengelernt
hatten.
Das sollte ein Witz sein.
Mimung sprach so oft davon, dass ich doch mit nach
Arunachal Pradesh kommen sollte. Dort könnten wir beide das
Hotel von ihrem Vater führen. Es wäre nichts Großes, aber in
der ganzen Gegend sei ein noch so großes Potenzial an
Zuwachs vorhanden. Nicht nur das Hotel, die ganze Region sei
kurz davor, vom Tourismus entdeckt zu werden. Sie würde
später sowieso das Hotel erben, da sie keine Brüder hätte, nur
noch eine jüngere Schwester.

https://www.google.de/search?q=arunchal+pradesh&tbm=isch&ved=2ahUKEwiVkcjG6qPuAhWJlKQKHVl1BpcQ2-cCegQIABAA&oq=arunchal+pradesh&gs_lcp=CgNpbWcQDFAAWABg71JoAHAAeACAAQCIAQCSAQCYAQCqAQtnd3Mtd2l6LWltZw&sclient=img&ei=eKEEYJX1AompkgXZ6pm4CQ&bih=663&biw=1349&hl=de

Ich begann mich für diesen indischen Staat am Ende des
Himalajas und zur Grenze zu China zu interessieren. Noch nie
hatte ich davon gehört, außer von Mimung und ihrer Freundin.
Ich kannte es noch von den alten Karten, wo dieses Gebiet als
“North East Frontier Agency“ bezeichnet wurde. Für indische
Verhältnisse ein kleiner Staat. Trotzdem hatte er ca. 85
000 km² mit 470.000 Einwohnern. Es gab 20 größere
Stammesvölker und 100 Unterstämme. Und man trank
„Apong“, ein einheimisches, nichtalkoholisches Getränk. Das
würde mir wohl nicht schaden.
„Apong“ wird von der Geburt bis zum Tod von jedem,
immer und überall getrunken. Es soll ein Superstoff für das
Immunsystem sein. In der ganzen Region soll es keinen Krebs
geben, weil dieses Getränk die Erreger schon im Keim
ersticken würde. So sagte man.
Auch würden schon 700 Schulen für unseren Nachwuchs
bereitstehen, meinte Mimung. Sie dachte schon an
Nachwuchs, während ich noch nicht darüber im Klaren war,
ob ich mit ihr Kinder haben wollte. Doch mich hatte noch
keine Frau gefragt, ob ich mit ihr Kinder haben wollte.
Das war die Erste, die eine Bemerkung darüber machte.
Mimung sagte mir auch noch, was der Name ihres Staates
„Arunachal“ bedeutete: Land der aufgehenden Sonne.
Und außerdem sagte man auch noch, dass der
Sonnenuntergang die Berge küsst. „Unser Land ist zweimal so
groß wie die Schweiz und ist mit 70 % Waldfläche mindestens
so schön oder noch schöner. Dieser Teil von Indien war noch
so natürlich, weil die Engländer diesen Teil so isoliert hatten
wegen der Grenze nach China.
Es war schon immer ein wichtiges Grenzgebiet. Sogar die
Chinesen wollten es sich im Jahre 1962 einverleiben.
Nach fünf Wochen Krieg war alles vorbei, doch
deswegen bekam dieses Stück Erde eine so wichtige Rolle in
Indien.
Bis heute braucht man eine Spezialgenehmigung, wenn
man in dieses Gebiet reisen möchte und nicht von hier ist.
Aber Mimmung wusste, dass ich eine
Sondergenehmigung bekam, weil ich sie kannte und heirate
würde.
Schon wieder diese Anspielung auf das Heiraten!
Ihr plötzliches Gedränge gefiel mir gar nicht. Zuerst eine
Ceylonesin und nun eine Inderin. Ich wollte nicht heiraten.
Außerdem war ich doch noch verheiratet, zumindest auf einem
Papier, das irgendwo in einem verstaubten Aktenschrank in
Berlin schlummerte.
Mimmung hörte nicht auf zu schwärmen, wohl um mir
Lust auf das Land zu machen. Die Himalaja-Ausläufer
erreichen hier immer noch eine Höhe von 4000 bis 7000
Metern. Im Westen grenzt das Gebirge zu Butan und im Süden
die Hochebene von Assam.
Nur im Winter war es etwas kalt, ansonsten waren die
Temperaturen im Winter um die Null und im Sommer bis 38
Grad warm. In Itanagar, der Hauptstadt, war sie zu Hause.
Wir würden dann im Hotel wohnen. Itanagar wäre schon
etwas modern, für indische Begriffe- natürlich nicht für einen
Deutschen, meinte Mimung.
Sie stellte sich vor, den Tourismus anzukurbeln, wo noch
alles so jungfräulich war. Wir wären die Ersten, welche Trekking
Touren anbieten würden. Oder Großwildsafaris oder einfach
Jagdsafaris! Es gab wilde Elefanten, Tiger, Leoparden,
Moschusochsen, Rehe und Wildschweine in großen Rudeln.
Natürlich Affen, die Gibbons. Die seltensten Blumen und
Pflanzen gab es auch. Die Wasserfälle von Akash Ganga oder
die von Tawang mit 2000 bis 3300 Metern. Was man da alles
machen konnte! Sogar schon ein ayurvedisches Krankenhaus
gab es schon! Und ganz schnell hätten wir das größte Hotel in
Itanagar. Sie verstand nicht, warum ich da noch überlegte und
stellte meine Liebe zu ihr infrage. Sie drängelte schon
wieder!
Wer weiß schon, dass hinter Ostpakistan, also hinter
Bangladesch, Indien noch weiter geht? Und da sollte ich hin?
Zwischen Bangladesch, Burma – also Miramar, China, Butan
und Nepal- da wollte mich Mimung hin verschleppen?
Mich würde dort bestimmt niemand suchen und schon
lange nicht finden.
Unmöglich, da konnte ich mich gleich beerdigen!
Sollte ich einmal ein ganz großes Ding drehen, könnte ich
mich dorthin verstecken und mich würde niemand finden.
Da ihr Vater nicht nur Hotelbesitzer war, sondern auch
noch in der Politik, in der Regionsregierung, einen
Ministerposten hatte (ich glaube, Mimung sagte sogar
Innenminister), würde ich bestimmt keine Probleme haben,
eine Genehmigung zu bekommen.
Doch selbst wenn ich mit der schönsten Frau und einem
Hotel belohnt würde, ich konnte nicht am Ende der Welt
leben.
Ich wollte Mimung nicht zu sehr schockieren, deswegen
gab ich ihr zu verstehen, dass ich mir Gedanken machen
würde, wie man alles am besten anpacken könnte. Sie möge
mir etwas Zeit geben.
Ich brauchte nicht zu lügen und irgendwelche Märchen
erzählen, um zu erklären, dass ich gar nicht wollte. Da von
ihrer Familie ein Bote angekommen war, der sie zurück nach
Itanagar bringen sollte, hatte sie einen Begleitschutz und
konnte nicht länger in Delhi bleiben, sie musste zurückfliegen.
Für Mimung war das alles zu viel.
Sie wollte, dass ich sofort mitkam und ihre Familie
kennenlernte.
Sie solle zuerst mit ihrer Familie über mich sprechen,
dann könnte ich immer noch nachkommen oder sie könnte
mich abholen, war mein Vorschlag, den sie Gott sei Dank
annahm. Endlich konnte ich sie überreden eine liebe Tochter
zu sein und ohne mich zu ihren Eltern zu fliegen. Irgendwie
war ich erleichtert aber auch sehr traurig, dass sie nun weg
war. Es waren noch keine 24 Stunden vergangen und ich hatte
schon so eine Sehnsucht nach ihr, dass ich mich fast auf den
Weg nach Itanagar gemacht hätte.
Schon sehr viele Abschiede und Trennungen hatte ich
hinter mir, deshalb würde ich auch diese Trennung überleben.
Da fällt mir doch wieder ein weiser Satz von Konfuzius
(551-479 v. Chr.) ein: Wer ständig glücklich sein will, muss
sich oft verändern!
Vielleicht veränderte ich mich zu oft, was wohl das Glück
vertrieb.
Delhi war sehr öde ohne Mimung, meine neue Unterkunft
hatte ich wieder in einem kleineren Hotel.
Ich hoffte, dass Beinchen, also Heinz, aus Belgien zurück
war. Doch konnte ich ihn in keinem Hotel finden. Durch
Mimung und mein Engagement im Hotel hatte ich Beinchen
total vergessen. Vielleicht war er in Belgien geblieben?
Durch Zufall begegnete ich einem alten Freund, den ich
schon einige Jahre nur ab und zu traf. Er gehörte einer Hare
Krishna – Bewegung an und kam nur hin und wieder nach
Delhi. Die meiste Zeit war er in seinem Ashram in Poona. Er
selber nannte sich Ranja. Ich wusste aber, dass er Bill hieß und
Amerikaner war. Auch wusste ich, dass er sehr tief im
Rauschgifthandel tätig war.
Sein 250er Mercedes, mit der grünen iranischen
Zollnummer und den roten Ziffern 12345, also einer Serie, war
nicht zu übersehen. Diesem Ami in seiner orangenen Kluft saß
ich nun gegenüber und er erzählte mir, dass er Beinchen
kannte. Zwar nur unter dem Namen Heinz, aber wie viele
Deutsche mit nur einem Bein und dem Namen Heinz mochte
es wohl in Delhi geben?
Er wäre im Interconti Hotel und ihm würde es sehr gut
gehen, denn er sei vor ein paar Tagen von Australien
zurückgekommen. Heinz hatte er in Bombay getroffen und ihn
überzeugt, dass er einen Trip nach Sydney machen sollte.
Natürlich besuchte ich Beinchen und wir hatten uns sehr
viel zu erzählen.
Der Verrückte hatte einen Koffer mit 20 Kilo Hasch nach
Australien gebracht.
Heinz erzählte mir, dass er sehr viel Glück gehabt hatte.
Man gab ihm einen Koffer mit seinen Sachen und einen nicht
präparierten Koffer mit dieser Riesenmenge Haschisch!
In letzter Minute wollte er abspringen, seiner Meinung
nach war es zu viel und das Risiko zu hoch. Doch dann ritt ihn
der Teufel und er dachte sich, dass es egal sei, mit wie viel er
erwischt werden würde.
Im Flugzeug traf er einen Mitreisenden, mit dem er sich
sehr gut unterhalten hatte und natürlich seine Geschichte von
dem Offizier und der Judenrettung sowie dem verlorenen Bein
erzählte.
Dieser Mann war ein einflussreicher bekannter Bürger
von Sydney. Er sorgte dafür, dass für Beinchen ein Rollstuhl
bei der Ankunft bereit stand.
Man hatte auch sein Gepäck zusammen mit dem des
Australiers holen lassen. Natürlich ging es unkontrolliert als
VIP-Gepäck direkt ins Fahrzeug des neuen Bekannten, dessen
Fahrer Beinchen noch bis zu einem guten Hotel fuhr.
Im Hotel hatte Beinchen den Koffer aufgemacht.
Als Erstes kamen ihm Kakerlaken entgegen und dann erst
sah er diese Unmenge an Haschisch, nur in Plastiktüten und
Handtücher gewickelt, nichts weiter als gepresste Platten von
diesem Zeugs.
Wir wollten uns gar nicht vorstellen, was passiert wäre,
wenn man ihn kontrolliert hätte.
Beinchen hatte die Edelsteine aus Sri Lanka verkaufen
können und mir meinen Anteil gegeben. Nun war auch ich
wieder etwas besser drauf.
Mit Geld fühlt man sich einfach besser. Es heißt ja
immer, dass Geld nicht glücklich macht. Aber das mag für
Leute gelten, die immer welches haben. Ich sage aber, dass
man sich für Geld viele Dinge anschaffen kann, die einen
glücklich machen!
Heinz war froh darüber, dass er Schwein hatte und es
genießen konnte, das Glück. Von einer solchen Art Glück
wollte ich nichts wissen.
Da ich einen Dänen kennengelernt hatte, der mich mit
nach Katmandu nahm und mir einen neuen Weg des
Geldverdienens zeigte, trennten sich Beinchens und meine
Wege. Das neue Geschäft war seriös, ich korrigiere mich – fast
seriös. Es ging um Seidenhemden, von nepalesischen Frauen
in Handarbeit genäht und mit einem Etikett einer
renommierten Firma ausgezeichnet. Das Etikett wurde aus
Thailand importiert. Es war ein Plagiat.
Doch die Seidenhemden waren echt. Der Kostenfaktor
mit Seide und Nähen kam auf etwa zehn Dollar, und in Europa
bekamen wir leicht bis neunzig Dollar pro Stück.
Die Hemden wogen nicht viel, also entstanden wenige
Frachtkosten.
Es gab keinen Ausfuhrzoll und in Europa keinen
Einfuhrzoll, da es Ware aus einem Entwicklungsland und reine
Handarbeit war.
Bis zu hundert Hemden passten in einen Koffer. Bei zwei
Koffern lohnte sich die Reise. Es flog dann ganz offiziell eine
Person nach Dänemark.
Auch ich machte eine Reise und besuchte nach der
Abgabe der Koffer meine Eltern und Töchter.

Sabrina und ihre Geschichte

………..Da ich von Nepal kam, hatte ich auch schon einige von
diesen kaputten Möchtegern-Aussteigern, die es nicht
geschafft hatten und nun mit der billigsten Variante, dem Bus,
nach Hause wollten.
Sie hatten viel Zeit, aber kein Geld mehr für ein
Flugticket, nur noch das Geld für den Bus und für drei
Wochen insgesamt zehn Dollar für das Essen.
Manche waren schon bei der Botschaft vorstellig
gewesen, hatten Geld und Heimflugticket bekommen, aber das
Ticket – wie sollte es anders sein – verhökert.
Ein zweites Mal konnten sie nicht mehr zur Botschaft,
dafür war aber der Bus noch da.
Von solchen Leuten hatte ich schon eine Menge, aber
dieses Mal hatten sie bis Salzburg gebucht. Ein junges
Mädchen fragte mich schon das dritte Mal, wie viel freie Sitze
es noch gäbe. Ich sagte ihr, dass es noch zehn seien, aber sie
sollte sich beeilen, denn die Sitze könnten schnell weg sein
und in zwei Tagen würde ich fahren.
Dann hätte sie eben Pech, war die Antwort und sie
verschwand wieder.
Am Tag vor der Abfahrt kam sie noch einmal und fragte
nicht, wie viel Sitze noch frei wären, sondern sie fragte gerade
heraus, ob es eine Chance gäbe, dass sie ohne Geld mitfahren
könnte. Ich verwies sie an die Botschaft, doch sie war schon in
Nepal bei der Botschaft gewesen, hatte Geld und ein Ticket
bekommen, doch das Geld war jetzt alle. Das Ticket hatte sie
an eine andere Person verkauft, weil sie von meinem Bus
gehört hätte, der viel billiger sei und sie so etwas Geld übrig
hätte. Ich fragte sie, warum sie dann nicht ein günstiges
Busticket bei mir kaufen könne und wo das Problem wäre.
Auch wenn es ihr offensichtlich peinlich war, erzählte sie mir
dann ihre Geschichte.

Sabrina und ihre Geschichte
Ich hör eine Story, die ich so oder ähnlich schon des
Öfteren gehört hatte: Sie war mit ihrem Freund in einem VWBus von Bayreuth nach Katmandu gefahren. Alles war gut und
schön, bis der Freund eine andere gefunden hatte und ihr ganz
einfach sagte, sie solle verschwinden. Sie wollte so leicht nicht
aufgeben und kämpfte um ihre Position. Doch ihr Exfreund
hatte sie und ihre Sachen einfach aus dem Bus, in dem sie
zusammen gelebt hatten, hinausgeworfen und war mit der
gemeinsamen Reisekasse davongefahren.
Wohin er war, wusste sie nicht, sie nahm aber an, er wäre
mit der neuen Freundin nach Süd-Indien, wo auch sie
ursprünglich zusammen hinwollten.
Bei der Botschaft hatte sie Geld und Ticket bekommen,
doch sie hatte gehört, dass man mit dem Bus für 100 $ nach
Europa käme.
Also verkaufte sie das Ticket von der Botschaft und hatte
über 200 Dollar übrig. Damit wollte sie etwas länger in Indien
bleiben.
Sabrina wollte noch mehr Geld einsparen und war daher
mit einem nepalesischen Bus bis zur indischen Grenze
gefahren, von dort mit einem indischen weiter.
Kurz nach der Grenze war der indische Bus mit einem
Achsenschaden zusammengebrochen und die Fahrgäste
mussten sehen, wie sie weiterkamen.
Ein Lastwagenfahrer bot Sabrina an, sie bis zur nächsten
Stadt mitzunehmen, was ihr sehr gelegen kam.
Er blieb auf halber Strecke an einem Teehaus stehen und
hatte dort Freunde, mit denen er auf einem mitgebrachten Grill
einige Hähnchenteile zubereitete und dann gemeinsam
verzehrte, ihr gab man auch zu essen und zu trinken. Als es
schon dunkel war und der Fahrer etwas betrunken, wollte er
lieber nicht mehr weiter fahren. Sie hatte das Gefühl, dass sich
alles um sie herum drehte und schaukelte.
Dann merkte sie noch, wie einer der Kumpels sie aus dem
LKW zog, auf eine Pritsche warf und vergewaltigte. Doch
damit nicht genug, die anderen fielen auch noch über sie her,
wie viele es waren, wusste sie nicht mehr, da sie nicht ganz bei
Sinnen gewesen war, weil man ihr etwas in den Tee gegeben
hatte. Geschrei und Kampf brachten ihr nichts außer Schläge.
Sie schob als Beweis den Sarong, den sie anhatte, etwas
hoch und man sah die blauvioletten Blutergüsse noch sehr
deutlich. Verlegen hob sie auch die Bluse. Da waren dieselben
Merkmale der brutalen Gewalt, mit der sie ruhig gehalten
wurde.
Den Rest wollte ich nicht sehen, mir reichte es auch so
schon.
Können Männer, Menschen, einer Frau gegenüber so
brutal sein? Was sind das für Bestien?
Diese immer netten und höflichen Inder- waren die in der
Lage so etwas zu tun?
Aber hier waren es eben Inder, in einem anderen Land
sind es die dortigen Einwohner.
Ich bot ihr an, zur Polizei zu gehen, um eine Anzeige zu
machen, oder zur Botschaft.
Doch sie winkte nur ab, zur Botschaft können sie wegen
des Geldes und dem verhökertem Ticket nicht.
Und bei der Polizei war sie am Tage danach in jener Stadt
gewesen, doch die sagten nur, dass sie die Fahrer zu so einer
Tat ermutigt hätte. Wahrscheinlich wäre sie bekifft gewesen.
Inzwischen wusste sie auch, dass nicht alle indischen
Fahrer so waren, denn ein anderer Fahrer hatte sie im
Morgengrauen am Straßenrand in ihren zerrissenen Klamotten
gesehen, sie mitgenommen und ihr im nächsten Ort den
Sarong und die Bluse gekauft. Danach hatte er sie bis AltDelhi mitgenommen und ihr auch noch ein paar Rupien für die
Rikscha gegeben.
Die letzten zwei Tage hatte sie bei einem Mädchen in
einer kleinen Pension geschlafen. Dieses Mädchen hatte sie
vor der Pension getroffen, als sie erfolglos andere um einen
Schlafplatz angesprochen hatte.
Nun kam die Frage wieder, ob es möglich sei, ohne Geldmitzufahren. Wenn der Bus sowieso nicht voll wäre, könnte
sie doch einen der leeren Sitze haben, ohne dass mir Schaden
entstehen würde. Die unverblümte Logik von einem Mädchen,
das nichts mehr zu verlieren hatte. Natürlich war mir klar, dass
die Inder ihr kein Geld gelassen hatten. Sie konnte froh sein,
dass sie ihr Leben und den Pass noch hatte. Den Pass hatten
die Banditen in ihren leeren Rucksack gesteckt, nachdem sie
alles Brauchbare herausgenommen hatten. Ein indischer
Truckfahrer mit einem deutschen Rucksack, das wäre wohl
aufgefallen und womöglich hätte die Polizei was
unternommen. Doch die wollten ja mit der Sache nichts zu tun
haben.
Ich fasste ihre Situation zusammen: Sie steckte ganz
schön in der Scheiße.
Sie war ein Wrack, hatte einen zerschundenen Körper,
zitterte, hatte kein Geld, ihre Seele war kaputt, sie hatte keine
Freunde und wollte drei Wochen lang nichts essen oder
trinken, weil sie ja kein Geld hatte.
Aber sie wollte mit diesem Bus nach Bayreuth. Ich schlug
ihr noch mal vor, zur Botschaft zu gehen oder sich Geld von
Eltern oder Verwandten schicken zu lassen. Doch sie hatte
keinen Vater und die Mutter konnte ihr nichts schicken, weil
sie selber nichts hatte. Auch war ihre Mutter gegen diese Reise
gewesen, sie mochte den Ex-Freund überhaupt nicht und hatte
immer gesagt, dass er nichts taugen würde. Er wäre
charakterlos, und das hatte er a auch bewiesen. Verwandte gab
es auch keine.
Ich konnte dieses Häufchen Elend nicht länger quälen
und sagte ihr, dass sie in diesem Bus einen Sitz hätte, soweit
dieser Bus fahren würde.
Um das Essen müsse sie sich aber selber kümmern, sie
müsste die „Brothers und Sisters“ anbetteln und mich aus dem
Spiel lassen.
Das wäre meine Bedingung.
Was ich mit ihr vorhatte, sagte ich ihr aber noch nicht:
das war das Schreiben der Passagierliste, denn dafür gab es
Essen und Trinken.
Wir verabredeten uns für den nächsten Tag morgens um 7
und aus Spaß meinte ich noch, dass sie ihr Reisegepäck nicht
vergessen solle. Dieser Spaß kam aber gar nicht gut an.
Meine neue Bürokraft Sabrina war ein ganz nettes
Mädchen, das, warum auch immer, in ihrem jungen Leben
schon so viel Scheiße erleben musste.
Sie bemühte sich sehr, dass es nicht allzu auffällig war,
was sie in den letzten Tagen mitmachen musste.
Da ich ihre Geschichte kannte, sah ich aber wie gequält
und unglücklich sie war.
Hier gab es keinen Seelendoktor oder Psychotherapeuten,
der ihr helfen könnte. Hier war sie auf sich alleine gestellt.
Doch sie war tapfer, jammerte nicht und ging auch niemanden
auf den Nerv.
Alles sprach von „Flower Power“ und alle wollten als
„Brothers und Sisters“ angesehen werden. Selbst mich sprach
man als „Brother“ an, doch es waren nur Floskeln. Immer
wieder hatte ich feststellen müssen, dass es genauso schwache
Charaktere waren wie die, die sie nicht mochten: die
Straighten, die Akkuraten, die Spießer.
Auch Hippies hatten ihre Schwachstellen und das kam
besonders zum Vorschein, wenn es um das Mein und Dein
ging- so nach dem Motto: „Was Dein ist, ist auch Mein, doch
was Mein ist, geht dich einen Scheiß an“. Das ist so, wie die
Araber behaupten, dass sie alle Brüder sind. Nach deren
Motto: „Alle Araber sind Brüder und willst du nicht mein
Bruder sein, dann schlag ich dir den Schädel ein.“
Meine Passagiere hatten Sprüche drauf, die so klangen:
„Hast du Haschisch in den Taschen, hast du immer was zu
naschen.“
Oder, die ganz versauten:
“Hast du „H“ in der Blutbahn, kannst du fliegen wie ein
Truthahn“ oder „ A joint a day keep your worries away.”
Im Libanon war man noch so unschuldig, da sah man auf
riesigen Tafeln am Wegesrand: An apple a day keeps the
doctor away“
Doch hier in unserem Bus hatten wir ganz harte
Mitfahrer, die nur für sich da waren. Am zweiten Tag wurde
es mir zu blöde und ich musste etwas sagen.
Dieses „Brother und Sister“- Geschwafel ging mir auf die
Nerven.
Es war in Amritsar bei unserem Frühstücks-Stopp an
einem kleinen „Chaikahna“, so nannten die Inder diese TruckStopps. Obwohl ich bei der Abfahrt in Delhi am Tag vorher
ganz kurz auf Sabrina aufmerksam gemacht hatte und sagte,
dass sie sich über eine Tasse Tee oder einen Chapatti freuen
würde, da sie absolut kein Geld hätte, war bis jetzt niemand
auf die Idee gekommen, ihr etwa einen Tee anzubieten. Nun
waren schon 24 Stunden vergangen, wir hatten schon einige
Pinkel- und Teepausen. Doch bis jetzt hatte sie noch keinen
Tee bekommen. Ich war so sauer, dass ich bis Amritsar fuhr
und vor dem Hotel den Bus stehen ließ, Sabrina zum
Frühstück ins Hotel mitnahm mit der Bekanntgabe, dass ich
nicht genau wüsste, wann ich weiterfahren würde. Das käme
darauf an, wie viel Zeit sich Sabrina zum Frühstücken ließ.
Niemand sollte aus dem Bus steigen, denn wenn ich wieder
losführe, dann ohne Kontrolle, ob alle anwesend wären.
Nachdem Sabrina ihr Frühstück bekommen hatte, fuhren
wir weiter. Es fehlte niemand, doch bis zur Grenze war eine
Totenstille im Bus.
Sabrina bat ich, mir bei den Passagierlisten zu helfen, was
sie gern tat.
Von da an war Sabrina mein Gast und ich brauchte mich
nicht mehr um die Listen zu kümmern.
Da ich solo war und es auch bleiben wollte, teilte ich
zwar mit ihr das Zimmer, aber nicht das Bett. Was sie
durchgemacht hatte, musste unweigerlich zu einem totalen
Hass auf alles, was mit Sex und Männern zu tun hatte, führen.
Sie hatte genug mitgemacht und brauchte Abstand von solchen
Dingen. Sie brauchte einen Freund, aber ganz bestimmt keinen
Sex. Auch deshalb hielt ich mich zurück.
Wir verstanden uns sehr gut, wohl, weil ich sie so gut
verstand.
Wenn wir vor Teehäuser stoppten, leerte sie die
Aschenbecher und machte auch den Bus von innen sauber.
Auch zündete sie mir hin und wieder unaufgefordert eine
Zigarette an und schob sie mir in den Mund. Es freute mich zu
sehen, wie sie wieder Freude am Leben bekam, dieses
apathische Vor- sich- hin- Stieren hatte sie inzwischen
abgelegt und nahm an Gesprächen teil. Auch legte sie meine
Lieblings-Kassetten ein, und ich genoss meinen Neil
Diamond, Cat Stevens und Bob Dylan. Was meine Hippies
ärgerte, denn die wollten den ganzen Tag das GitarrenGejaule von Santana oder die Sitar Klänge von Ravi Shankar
hören.
Von Tag zu Tag wurde Sabrina selbstsicherer, und mir
fiel auf, dass sie auch schöner wurde. Ich verehrte sie, doch
ich bedrängte sie nicht, das gefiel ihr sehr und machte sie
glücklich.
In Kabul stiegen einige aus und einige kamen bis Istanbul
dazu.
In Istanbul erklärte ich noch einmal, dass ab sofort ein
absolutes Haschisch-Verbot wäre. Wer mit einem Joint
erwischt wird oder Schiet dabei hätte, wird rausgeworfen und
es gibt kein Geld zurück.
In Jugoslawien wurde es sehr kalt und ich musste die
Heizung anmachen. Der Bus hatte zwei verschiedene
Heizsysteme: einmal das heiße Wasser vom Motor und dann
noch einmal der separate, mit Diesel laufende, WebastoLüfter. Diese Heizer brummten ganz schön, wenn die Lüfter
an waren.
Ich hatte einen Jungen im Bus, der schon sehr
weggetreten war. Wohl einige Male zu viel des „Guten“
erwischt und somit hatte die Überdosis seinen Hirnkasten
etwas verbeult.
Den Jungen hatte ich von einer Botschaftsangehörigen
bekommen, die das Ticket bezahlt hatte und ich sollte etwas
besser auf ihn aufpassen, da er etwas krank sei. Ich hatte
verstanden.

Seit zwei Tagen ging mir der Bub auf die Nerven, einige
Male brüllte er durch den Bus, dass ich sofort stoppen sollte,
da wir ein Rad verlieren würden. Beim ersten Mal hielt ich an
und checkte meine Reifen, doch alles war in Ordnung. Später
ignorierte ich ihn mit seinem Gebrüll und die Passagiere hatten
wohl auch gemerkt, dass er nicht mehr sauber tickte.
In Spielfeld, an der österreichischen Grenze, war es
bitterkalt, doch alle mussten aussteigen und der Bus wurde
einer größeren Kontrolle unterzogen. Alle mussten mit ihrem
ganzen Gepäck aussteigen und in eine geheizte Halle zur
Kontrolle des Gepäcks. Mein Bus wurde von vier Beamten in
meinem Beisein kontrolliert. Sie verlangten von mir, dass ich
die Heizung ausbauen sollte. Warum diese ungewöhnliche
Schikane, fragte ich, und als Antwort bekam ich, dass ein
Fahrgast ihnen erzählt hätte, dass mit der Heizung etwas nicht
in Ordnung sei. Sie würde nicht heizen. Daraufhin hätten sie
den Verdacht, dass im System eventuell etwas versteckt sein
könnte.
Was konnte ich da noch sagen, doch ich fragte, wer das
wohl gewesen sein konnte und prompt kam die Antwort, dass
es der Junge war, der so kränklich aussehen würde.
Ich konnte die Zollbeamten davon überzeugen, dass er
wirklich krank sei und nur Müll erzählen würde. Die Heizung
wurde nicht ausgebaut. Doch dafür kam eine neue
Hiobsbotschaft:
Der Zoll hatte bei einem Ceylonesen mit deutscher
Freundin 2 kg Haschisch gefunden.
Nun war die Scheiße natürlich perfekt.
Ein Zollbeamter hatte den jungen Mann beobachtet, wie
er die Platte aus seinem Rucksack genommen hatte und sie
unter der Treppe zum Zollgebäude warf.
Nun musste ich gar nichts mehr machen, denn ein
Spezialteam kam und nahm den Bus auseinander. Nach einer
Zeit von 8 Stunden konnte ich meinen Bus wieder in Empfang
nehmen.
Das Perverse an der Sache mit dem Ceylonesen war, dass
ich ihn von Delhi aus umsonst mitgenommen hatte. Angeblich
hatte man ihn überfallen und sein Geld gestohlen. Aber Geld
zum Schiet kaufen hatte er wohl! Und als Dank hatte er mir
solchen Ärger eingebrockt! Es wurde im und am Bus kein
Rauschgift gefunden, doch ich konnte erst weiterfahren, wenn
ich zwei neue Vorderreifen gekauft und montiert hatte.
Wie sollte das gehen?
Es war inzwischen 22 Uhr und wo sollte ich noch Reifen
herbekommen?
Also war eine Nacht an der Grenze angesagt. Meine
Leute waren nicht begeistert, denn es waren -20 °C und im
Bus zu schlafen war nicht möglich. Das Gasthaus an der
Grenze war gut geheizt und wir begaben uns in das mollig
warme Gastzimmer.
Einige tranken nur etwas und andere bestellten Essen,
wozu auch meine kleine Listenschreiberin und ich gehörten.
Doch gegen Mitternacht wollte die Wirtin schließen. Das hieß
für uns, raus in die Kälte, was unmöglich war. Mit der Wirtin
konnte ich verhandeln und wir kamen zu der Vereinbarung,
dass ich die letzten drei Zimmer nehmen konnte und der Rest
durfte im Schankraum schlafen.
Meine Leute holten ihre Schlafsäcke und legten sich im
Schankraum wie die Heringe nebeneinander. Die zwei
Zimmer, die frei waren, wurden mit den restlichen etwas
besser Zahlenden belegt. Das letzte Zimmer war für mich und
Sabrina.
Doch mein bekloppter, kranker Junge wollte immerzu in
die Küche, dann wieder hat er die Wirtin angebrüllt, sie sei
eine Hure, und zum Schluss hat er in die Toilette neben den
Sitz gekackt. Das war der Wirtin zu viel und sie verlangte von
mir, dass ich ihn im Bus schlafen lassen sollte, oder alle
müssten raus. Ihr war es, egal wie kalt das werden würde. Mir
blieb nichts anderes übrig als den Idioten in den Bus zu lassen
und ihm auch noch meinen Schlafsack zu geben. Ich erklärte
ihm noch einmal, wie er die Tür aufmachen könnte und dass er
auf der Rückbank gut schlafen könnte. Ich nahm den Schlüssel
und ging wieder zurück in die warme Gaststätte.

Da ich doch sehr müde war, auch einige Grog und
Jagertee intus hatte, schlief ich wie ein Murmeltier, bis man
mich am nächsten Morgen mit einem unsanften Gerüttele
weckte. Sabrina war mit einigen Passagieren im Zimmer und
meinte, ich solle mir den Bus einmal ansehen. Ich ahnte Böses,
doch konnte ich mir nicht vorstellen, was der Zirkus sollte. So
begab ich mich in die Gaststube, wo schon alles aufgeräumt
war und ich zuerst einen Kaffee trank.
Sogar ein Zöllner kam nun und forderte mich auf zu dem
Bus zu gehen, was ich nach meinem Frühstück tat. Nichts
konnte so wichtig sein wie mein erstes europäisches Frühstück
nach so langer Zeit. Ein österreichisches Frühstück muss man
genießen. Ich ahnte mindestens zwei zerstochene Reifen, von
meinem verrückten Junkie in der Nacht vollbracht. Doch was
ich sah, das haute mich von den Socken!
Jetzt verstand ich meine nervösen Passagiere, die mich so
unsanft geweckt hatten.
Von außen sah ich, dass fast sämtliche Scheiben am Bus
zertrümmert waren. Bis auf die Hinteren und drei an der
rechten Seite waren alle kaputt.
Im Bus waren die ganzen Armaturen und das Radio sowie
die Lautsprecher an der Decke demoliert.
Wie konnte der Junge so etwas machen und niemand
hatte ihn gestoppt?
Die Beamten, die doch die ganze Nacht Dienst hatten,
mussten doch etwas gehört haben. In meiner Fahrertür hatte
ich immer einen Hammer zum Kontrollieren der inneren
Reifen. Mit dem Hammer klopfte ich die Reifen ab, um zu
sehen oder besser zu hören, ob der Luftdruck noch vorhanden
war.
Diesen Hammer hatte der Idiot benutzt, um alles zu
zerschlagen und keiner hatte oder wollte etwas gehört haben.
Mit Hilfe der Beamten telefonierten wir mit dem Vater des
Jungen und erzähltem ihm, was der Bub gemacht hatte. Der
Vater, ein Pfarrer aus der Bielefelder Gegend, war sehr
komisch und erklärte uns, dass er mit seinem Sohn schon
lange nichts mehr zu tun habe. Er sei ein verlorenes Schaf und
nicht mehr zu retten. Wir sollten sehen, wie wir mit ihm
klarkommen würden. Er, der Pfarrer, übernehme keine
Verantwortung für das, was sein Sohn angestellt hätte.
Da kann ich nur sagen: Halleluja!!
Ich konnte mit dem Bus nirgendwo hinfahren. Also
konnte ich mir die Reifen auch sparen. Neue Scheiben, die
ganze Armatur-Geschichte und die Reifen würden mehr
kosten, als der ganze Bus wert war. Also musste ich mir etwas
einfallen lassen. Ich könnte den Junkie umbringen, aber das
würde mir auch nicht weiterhelfen.
Eine andere Lösung musste her.
Gegen Mittag wusste ich, dass der Bus in Spielfeld
bleiben würde.
Was sollte mit meinen Passagieren passieren?
Es gab einige Möglichkeiten, mir ein Taxi bestellen und
abhauen, den Leuten das anteilige Geld zurückzuerstatten,
einen anderen Bus chartern und bezahlen, oder den Leuten ein
Zugticket zu kaufen.
Abhauen ging nicht, das war nicht mein Stil.
Geld zurückgeben ging auch nicht, denn wieso sollte ich
überhaupt etwas für die Leute tun? Durch sie war ich jetzt in
dieser Situation. Ich hatte Verluste genug: zuerst das
Haschisch und nun der kaputte Bus! Das Geld brauchte ich
selber, um mir einen anderen Bus zu kaufen.
Vor jeder Reise hatte ich meinen Spruch durchgesagt:
wenn ich wegen Rauschgift den Bus verlieren würde, wäre die
Reise zu Ende, ohne irgendwelche Rückzahlungen. Das war
hier der Fall. Also erklärte ich jetzt den Leuten, dass ich kein
Geld zurückzugeben kann, aber ich würde jeden LKWFahrer, der nach Westen fahren würde, bearbeiten, dass er
Leute mitnimmt. Das wäre alles, was ich bereit war zu tun.
Einige maulten, doch die meisten resignierten und
ergaben sich in ihr Schicksal.
Es gab Truckfahrer, die bis nach England fuhren. Auch
nach Frankreich und Deutschland fuhren welche.
Die Mädels waren zuerst weg.

Ich ließ mir durch die Beamten von den meisten Fahrern
den Ausweis zeigen. Auch schrieb ich mir die Autonummer
auf. Es dauerte fast drei Tage bis nur noch Sabrina und ich
überblieben.
Drei Tage Zirkus und auch hin und wieder einen Tee oder
ein paar belegte Brötchen hat mich das schon noch gekostet.
Meine „Brothers und Sisters“ waren nicht begeistert, dass
ich sie auf so eine Weise losgeworden bin.
Einige drohten mir mit Rechtsanwalt und Botschaft aber
ich ignorierte es einfach.
Ich hatte zwanzig afghanische Schafsfell-Mäntel zum
Verkauf im Bus. Wie sollte ich die nach Deutschland bringen?
Als kleinen Nebenverdienst brachte ich im Sommer TShirts aus Pakistan, mit eingenähten kleinen Spiegeln, zum
Verkauf mit nach Deutschland. Das war zu der Zeit ein
Renner. Im Winter dann brachte ich diese „Pustinger“, die
Fellmäntel, mit. Die musste ich nun loswerden. Für das Stück
hatte ich gerade einmal zwanzig Dollar bezahlt und in
Deutschland bekäme ich immerhin bis zu hundert Dollar
dafür. Selbstverständlich war alles ohne Zoll.
Nun war ich froh, wenn ich den Einkaufspreis dafür
bekommen würde. Ich hatte Glück und konnte alle Mäntel an
der Tankstelle vor der Grenze an den dortigen Pächter mit
zehn Dollar Gewinn pro Stück verkaufen.
Die Kälte war etwas weniger geworden und beim
Anlassen des Motors klang es sehr verdächtig nach einem
Motorschaden und so machte ich den Motor sofort wieder aus.
Dieses Geräusch kannte ich schon.
Warum machte ich nie Anti-Frost-Mittel in den Kühler?
Ich sagte dem Zöllner, dass die Batterie leer sei, und ob
der Bus so stehen bleiben könnte.
Er meinte, dass das in Ordnung ist, doch ich soll mich
beeilen und eine Werkstatt oder einen Abschleppdienst
beauftragen. Bis jetzt hatte also noch niemand das auslaufende
Wasser bemerkt und so sagte ich dem Zöllner, dass ich den
Bus verschrotten lassen und eine Schrottfirma beauftrag
würde ihn zu holen. Der ein Geschäft witternde Zöllner kam
auf eine Idee. Und genau das wollte ich!

Das Weihnacht – Menü

 Sie brauchen schon etwas Erfahrung-Zeit-Geduld-und LIEBE zur Kocherei!

                        Das ist die Speisen Karte für IHR 4 Personen Gala Menü.


                     „GALA-MENUE“
             
               Avocadomousse mit Nordseekrabben
                       **********
              Consommé „Julienne“ mit Markklößchen
                       **********
                    Filet „Wellington“
                     Soße Bearnaise
                        **********
                     Schneekartoffeln
                       **********
                   Parisienne Karotten
                    Brokkoliröschen
                       Champignon
                       **********
             Heißer Apfelstrudel mit Vanille Soße
                       **********
                   Mocca mit Minze Pralinen
                       **********


Diese extra Geräte brauchen sie dazu:
Parisienne Ausstecher, damit werden „Parisienne“ Kartoffeln, Karotten, etc. ausgestochen.(Ca. haselnussgroße Kügelchen)

Eine Kartoffelpresse oder ein grobes Passiersieb (Mehlsieb)
zum Durchstreichen (passieren) von Kartoffeln oder auch andere Gemüse/Obst Waren.
Schneebesen und Glas oder Metall Schüssel zum Herstellen der Soße-Bearnaise.

Für alles Andere genügen normale Haushalt-Geräte.

Hier noch ein Tipp: Sie können sich Arbeitszeit sparen, indem sie die Folgenden Artikel als „Fertigprodukt“ Einkaufen:
Blätterteig, Strudelteig, Parisienne Karotten, Brokkoli Röschen (als tiefkühl) Markklößchen, Soße-Bearnaise, Vanille-Soße, „After Eight“                    
                       
Dies sind die Zutaten, welche sie zuhause haben, oder Einkaufen müssen:
 Natürlich kaufen sie nicht Löffelweise ein! Deswegen ist der Einkauf auf Päckchen oder andere Einheiten zu berücksichtigen.

Die spätere Rezeptur ist genauestens angegeben.

Und nun wünsche ich ihnen viel Spaß und gutes Gelingen!



Die Einkaufsliste:

Vom Metzger:

 1000gr.Rinderfilet (aus der Mitte)
  300gr.Kalbfleisch (als Hack, durchgedreht)
   50gr.Schmalz (zum Anbraten des Filets.
   50gr.Rindermark (für die Markklößchen)

Von der Fischtheke:

  250gr. Nordseekrabben oder kleine Shrimp (küchenfertig geputzt)

Vom Gemüsestand:

    2 große Avocado
 1000 gr.Kartoffeln (mehlig kochend)
 1000 gr.Zwiebel
 1000 gr.Äpfel (säuerlich)
 1000 gr.Karotten
  500 gr. Champignon
  200 gr. Brokkoli Röschen
    1 kleiner Kohlrabi
    1 kleine Knolle Sellerie
    1 Petersilien Wurzel
    1 Stange Lauch
    3 Zitronen
    1 Bund Schnittlauch
    1 Bund Dill
    4 Bund Petersilie
    1 Bund Dill, etwas Estragon, Muskatnuss, frische Pfefferkörner.

Vom Supermarkt:

  500 gr.Milch
  500 gr.Sahne
   12 Eier
  75o gr.Butter
  250 gr.Zucker
  100 gr.Puderzucker
  500 gr.Cuverture
  100 gr.Rosinen
  100 gr.Haselnüsse
  100 gr.Paniermehl
   50 gr.Mondamin
   50 gr.Majonajse
    1 Altbacken Brötchen
    2 El. Estragon Essig
    1/8 Lit. Weißwein (Eine gute Flasche Wein kaufen!)
    1 Vanille Schote (oder 2 Päckchen Van. Zucker)
    1 Paket T.K. Blätterteig (für das Filet)
    1 Paket T.K. Blätterteig (für den Apfelstrudel?)
  Natürlich Mehl für den Teig auszurollen so wie Salz, Wasser etc.
  Von der Flasche Weißwein können sie ruhig „Naschen“,sie brauchen nur einen kleinen Teil!
  Denken Sie daran:
„In einer Küche darf die Schale Reiswein nie fehlen – aber auch nie ein guter Besen!“
Ein japanischer Spruch.
 

 Und nun den „Mis en Place“ machen! (Arbeit Vorbereitung)


Wir fangen beim Dessert an.
Schokominze Pralinen:
Die 500gr. Cuverture im Wärmebad unter Rühren auflösen.(Flüssigmachen)
Die Minzeplättchen auspacken und mit einem angewärmten Messer zwei Mal Halbieren (teilen). Nun haben sie pro Plättchen vier Teile,welche sie nun übereinanderlegen und mit warmer Schokolade zusammenkleben. Wenn alle Plättchen so bearbeitet sind, für eine halbe Stunde kaltstellen.
Nun die kleinen Pakete aus dem Kühlen holen und in die warme aufgelöste Cuverture tauchen, und auf Alufolie absetzen. Kühlstellen. Fertig.
Zuviel Aufwand? Geben sie ein Tellerchen Weihnachtsgebäck zu dem Mocca!

Nun bereiten wir die Consommé vor:
 Kohlrabi, Sellerie, ein-zwei Karotten und die Petersilien Wurzel waschen und schälen.
Nun versuchen sie, das Gemüse in feine Scheiben zu schneiden.
Diese Scheiben kürzen sie auf ca. Streichholz länge.
Nun schneiden sie das Gemüse in feine Streifen*(Julien) *es gibt auch ein Werkzeug dafür.
Genau so verfahren sie mit dem Lauch.
Bringen sie einen halben Liter Wasser zum Sieden, geben das in Streifen geschnittene Gemüse hinein, und lassen es ca. 7 Min. köcheln.
 Seihen sie das Gemüse ab und geben es in kaltes Wasser. Und Stellen es beiseite.
Dem Sud vom Gemüsekochen geben sie noch 750gr.Fertige Bouillon hinzu.

Markklößchen für die Suppe:

In der Zwischenzeit kochen sie 50gr.Rindermark(ca. 20 Min.) bis es glasig ist.

Lassen Sie es abkühlen. Dann passieren sie das Mark durch ein Sieb in eine Schüssel. Geben 40gr..…Butter,50gr. Paniermehl,2 Eier 3EL. Sahne,1Tel. Gehackte Petersilie, Salz und einen Hauch geriebene Muskatnuss hinzu. Nun vermengen sie alles zu einem Teig. Formen sie kleine (Haselnuss große) Bällchen von der Masse.
Erhitzen sie 1/4 der Bullion und lassen die Klößchen für 5 Min. leicht kochen.(nicht sprudeln sonst zerfallen die Klößchen!)Die Klößchen aus der Bullion nehmen und Beiseitestellen, Bullion wieder zurück geben.
Nun Würzen sie noch ihre Bullion und stellen den Topf beiseite.
Wenn die fertige Consommé serviert werden soll, brauchen sie sie nur noch zu erhitzen und die Gemüsejuljen und die Klößchen dazugeben.
Zuletzt den Schnittlauch in fein geschnittene Röllchen dazugeben.
Fertig ist Ihre „Consommé Julienne“ mit Markklößchen.

Nun die Gemüse Beilagen:
Putzen sie 250gr.Champignons,schälen die restlichen Karotten und stechen mit dem „Parisienne-Ausstecher“ Kügelchen aus und Kochen diese „Al-dente“.
Blanchieren die 200gr.Brokkoli Röschen.
Schneiden sie eine Zwiebel in feine Würfel und sautieren sie diese mit den Champignons( die Pilze in 1/4 schneiden)in 50gr. Butter leicht glasig.
 (Die Champignons, Karotten und den Brokkoli nicht zusammengeben, einzeln lassen.)
Nun ist auch Ihr Gemüsereigen fertig.


Weitergeht es mit Avokadomousse: 
 Die zwei Avocado halbieren und den Stein entfernen.
Das Fruchtfleisch mit einem Löffel vorsichtig aus der Schale heben und in eine Schüssel geben.
Die vier halben Schalen beiseite geben.(Nicht wegwerfen)
 Das Fruchtfleisch aus der Schüssel durch ein Sieb passieren und wieder in die Schüssel zurück geben.
 1Zwiebel reiben, oder ganz fein hacken! 50gr.Majonaise,den Saft   1Zitrone, die Hälfte des Dill hacken, und hinzu geben.
 Eine priese gemahlenem weißen Pfeffer und Salz hinzu geben.
Diese Zutaten gut durchmischen,mit Schneebesen gut verrühren.
Mit dem Elektro Handmixer die 300gr süße Sahne schlagen und unter die Avocado Masse unterheben.
Die geputzten,gekochten 250gr.Krabben /Shrimp(einige für die Dekoration obenauf zurück legen.) locker in die Fruchtmasse unterheben und in die vier Schalen einfüllen. Mit einer halben Zitronenscheibe,den Krabben und einem Zweig Dill garnieren. Kaltstellen!
Ihre Vorspeise ist fertig!

Nun ist das „Filet Wellington“ dran:
 300gr. Kalbfleisch (schon Hack?)
 250gr. Champignon
   1 Geschälte Zwiebel und ein Bund Petersilie durch den Fleischwolf drehen. Das eingeweichte Brötchen ausdrücken und zur Masse geben.
Mit Salz,Pfeffer und Muskat von der Reibe, Würzen.
In eine tiefe Pfanne die Hälfte vom Schmalz geben und die Hackmasse Sautieren. Wenn halb durch gebraten,vom Feuer und auskühlen lassen.
Inzwischen das restliche Schmalz in einen Bräter und das 1000gr.Filet darin von allen Seiten anbraten.(Steif machen so nennt der Profi das)
Mit Senf bestreichen und Beiseitestellen.
 Die 500gr.Blätterteig zu einem Rechteck, in der Größe so, dass das Filet darin eingewickelt werden kann, ausrollen.
 Die abgekühlte Hack-Champignon Masse gleichmäßig auf das Blätterteig Rechteck auftragen. Einen Rand von ca5cm.frei lassen.
Besondere Aufmerksamkeit ist auf die immer kühl gehaltene Arbeitsfläche zu achten!
Einen ca.2 cm. Streifen von den 5 cm. Abschneiden und beiseitelegen(für Dekor).
Ein Ei zerquirlen und mit einem Kuchenpinsel die drei cm Rand, einstreichen.
Nun das Filet mit dem ausgerollten Blätterteig umhüllen.(vorsichtig einrollen)und auf ein Backblech geben.
Die Rolle mit dem restlichen Ei einpinseln und die Streifen vom Blätterteig kreuzweise auf die Rolle auflegen.
Denken sie daran, dass sie das Filet ca 30 Minuten bei 220°im Backofen backen müssen.

Nun kommen wir zum Apfelstrudel:
 Die 1000gr. Äpfel schälen und vom Gehäuse befreien.
 Die Äpfel halbieren(vierteln)und in dünne Scheiben schneiden (Hobel?)
In eine Schüssel geben und die gerösteten,zerdrückten 100gr. Haselnüsse,die 100gr Rosinen/Korinthen dazu tun. Mit Zimt und 50gr. Zucker abschmecken. Nun 100gr,Butter erhitzen und zu der Apfelmasse tun.
Da sie bestimmt keinen „Ausgezogenen“ Strudel-Teig machen wollen, empfehle ich Blätterteig!Ist um vieles Einfacher und schneller!
 Den Blätterteig auf die Größe eines Geschirrtuches ausrollen.
Kühle Tischplatte ist gut, auch reichlich Mehl zum Rollen nehmen.
Nach dem Ausrollen die Teigplatte auf ein (eingemehltes sauberes, trockenes) Geschirrtuch legen.
Nun die Apfelmasse darauf verteilen.
Achten sie darauf, dass der Teig nicht reißt!
Mit Semmelbrösel bestreuen (hält die Feuchtigkeit zurück) und das Tuch an einer Seite anfassen und den Teig mit der Apfelmasse einrollen.
 Mit dem Tuch geht das Rollen wunderbar.
Weitere 250gr. Butter Erhitzen und den Strudel mit einem Pinsel reichlich einstreichen. Auch während des Backens den Strudel herausholen und einpinseln. Das Blech Beiseitestellen. Warten!
Das Backen dauert bei 200° etwa 50 Minuten.
Nach dem Backen mit Puderzucker besieben.
Ihr Strudel ist fertig!

Die Vanille Soße:

 1/2 Liter Milch.
 1/4 Liter Sahne.
  80 gr. Zucker
   1 Vanilleschote* halbieren und zur Milch/Sahne geben.
    *oder zwei Päckchen Vanillezucker.
  3 Eigelb,100gr.Milch (von der total Menge wegnehmen) und mit 3 EL. Maizena anrühren.
Die Milch/Sahne mit Vanille und Zucker zum Kochen bringen.
 Die angerührte Milch mit den Eigelb, Maizena bei langsamen Rühren in die kochende Milch einrühren. Einmal kurz einen Blubb erlauben.
Die Vanilleschote entfernen,und die Soße Kaltrühren.
 Wenn sie mögen, können sie die Eiweiß Schlagen, und unter die erkaltete Soße ziehen. Soße wird dadurch Sämiger.

Schneekartoffeln:
Die 1000gr Kartoffeln Schälen, vierteln und in Salzwasser kochen.
 Das Wasser abgießen und die Kartoffeln durch eine Kartoffelpresse auf eine Platte pressen. Auf der Platte locker liegen lassen.
200gr Butter erhitzen und über die gepressten Kartoffeln träufeln.
Portionsweise auf die Teller verteilen.


Die „Soße bernaise“ (hier heißt es aufpassen)
 2 El.Estragonessig,
 1/4 Liter Weißwein
 1 Zwiebel (Schalotte)fein gehackt,
10 Estragon Blättchen,
 7 Zerdrückte Pfefferkörner,
 alles auf ein Viertel einkochen.(Reduzieren)
Danach durch ein Sieb in eine Schüssel passieren und ca 3EL.Brühe dazugeben. Mit Salz und Pfeffer leicht würzen.
 250gr.Butter erhitzen, bis die Butter geklärt ist.(das Wasser hat sich abgesetzt,nicht verwenden)nur die reine Butter.
 3 Eigelb mit etwas Wasser(3 halbe Eierschalen) verrühren.
Nun die Eigelbe unter starkem Rühren mit einem Schneebesen in die Reduzierte Wein Estragon Flüssigkeit geben.
Nun im heißen Wasserbad(nicht kochend)die Masse mit dem Schneebesen so lange schlagen, bis sie schaumig ist.
Dann die geklärte Butter zuerst TRÖPFCHENWEISE dann im Strahl zufügen.
Immer gut Schlagen! Bis die Masse zu einer kompakten Soße wird.
Von dem restlichen Schnittlauch Miniröllchen schneiden und zur Soße geben. Ihre Soße Bearnaise ist fertig. Warm halten,da sie sich sonst zersetzt.
Ein Tipp, wenn die Soße anfängt, sich zu zersetzen:
Sofort aus dem Wasserbad und schnell 3EL. Kalte Sahne unterrühren.
Oder 2 Eiswürfel zutun und feste schlagen.
ODER von vorne mit 3 Eigelb anfangen und langsam die „Verunglückte“ Soße unterrühren. Viel Glück!

Wenn sie bis hier alles geschafft haben, sind sie schon ein PROFIE!

Zum Servieren gehen sie so vor:

1.) Das Filet in den Backofen, (das gibt ihnen 30 Min.Zeit)um:
2.) Die Kartoffeln kochen.
3.) Die Consommé und
4.) Das Gemüse heißmachen.
  Jetzt die Avocadomousse servieren.
    Vorspeisenteller abräumen.
5.) Die Soße bearnaise machen!(Warmhalten)
6.) jetzt die Suppe servieren.
7.) Das Filet aus dem Backofen.Suppenteller abräumen.

8.) Die gekochten Kartoffeln auf die vorgewärmten Teller drücken    pressen/passieren. Und mit der heißen Butter beträufeln!
9.) Das Filet so schneiden, dass es 4 gleiche? Teile werden.
10) Die Gemüsebeilagen zugeben.
11.)Die Soße bearnaise über das Fleisch geben.
         Den Strudel in den Backofen geben.(ca 45-50 Min.auf 200°)
 Jetzt haben auch SIE etwas Zeit zum Essen!

Den Strudel nach dem Backen mit Puderzucker bestreuen (sieben) und aufschneiden. Vanillensoße auf vorgewärmte Teller geben und den Strudel hinzu geben.
 Zum Schluss den Mocca und die Pralinen (Weihnacht Gebäck) servieren!
 Und wenn Sie all das gekocht und serviert haben, und nicht zu Müde sind, feiern sie ein:

              „FROHES WEIHNACHT FEST“  

Wenn Sie zu dieser Seite FRAGEN haben, können sie mich hier kontaktieren:

                                   www.jstollin.com

PS/ Auch schicke ich Ihnen dieses Rezept als E-Mail Anhang!

E Mail: jstollin@gmail.com

Ho..Ho..Ho..bald ist Weihnachten….

Ho..Ho..Ho..bald ist Weihnachten….

Nur noch wenige Tage bis Weihnachten.

https://webuhr.de/embed/timer/weihnachten/?

Schenke doch mal ein richtiges Abenteuer, natürlich in Form eines Buches…

Ein Buch ist in der heutigen Zeit wohl das persönlichste Geschenk,was du einem lieben Menschen machen kannst!

Und hier kannst du es zum Sonderpreis von 25,00€ inclusive Versand innerhalb Deutschlands beim Autor direkt bestellen.

https://jstollin.com/kontakt/

Ho..Ho..Ho.. it’s Christmas soon …

Only a few days until Christmas. Give a real adventure as a present, of course in the form of a book … a book is nowadays the most personal gift you can give a loved one!

This book is also in English available.

Der Count down zu Weihnachten

Der Pudding-Shop in Istanbul

Der Pudding-Shop in Istanbul

SAMY der „Schlepper“ am Puddingshop.

Ich saß im Pudding-Shop, wie immer und verzehrmeinen zweiten Reispudding. Ein Deutscher sprach mich an
und wollte wissen, ob ich derjenige sei, der Autos überführte.
Ich erklärte ihm, dass ich nur Fahrer sei und seit einigen
Tagen ohne Führerschein, also keine Überführungen mehr. Er
grinste nur und wollte wissen, ob ich, wenn ich einen
Führerschein hätte, bereit wäre einen Omnibus nach Indien zu
fahren.
Dazu bräuchte ich aber einen Lastwagen-Führerschein
und den hatte ich auch nicht.
Ob ich wollte?
Ja, war meine Antwort und schon schickte der Typ mich
zu einem Fotografen, um einige Passfotos machen zu lassen.
Auch musste ich ihm meine Personaldaten geben und sollte
am nächsten Morgen hier im Shop sein. Ich würde einen
Führerschein bekommen, mit dem ich berechtigt wäre, alles
außer Panzer zu fahren. Mann, der legte los – das war kein
Schwätzer, der nicht wusste, was er machte oder machen
wollte.
Dieser Typ gefiel mir und ich war am nächsten Morgen
schon sehr früh im Pudding-Shop. Doch bis Mittag musste ich
auf den Deutschen warten. Er entschuldigte sich und erklärte
mir, dass das Führerschein machen doch etwas länger gedauert
hatte. Er holte ein Kuvert hervor, entnahm ein Papier und
reichte es mir. Da stand tatsächlich ganz deutlich mein Name
und die Klasse der Berechtigung zum Führen eines
Motorrades, eines Busses, einer Limousine und eines
Lastwagens.
Ich war Deutscher, aber mit einem Wohnsitz in
Südafrika, in Kapstadt in der Werke Straat 123 und es war ein
südafrikanischer Führerschein. Nun stellte er sich vor und ich
erfuhr, dass er deutscher Jude sei und in Südafrika gelebt
hatte. Bis er seine indische Frau kennengelernt hatte, und dann
auswandern musste, weil die Apartheid es nicht erlaubte mit
einer „Farbigen“ verheiratet zu sein.
Sein Name war Martin und die hübsche Frau hieß Mala
und kam ursprünglich aus Neu-Delhi. Die letzten Jahre hatten
sie in Deutschland gelebt und seien nun auf dem Weg in eine
neue Zukunft. Die drei Busse, die er gekauft hatte und nun
nach Indien mussten, waren sein neues Gewerbe, was er in
Indien machen wolle.

Foto Copyrights by FREIE PRESSE.


Ein Busunternehmen wollte er aufbauen.
Ein Fahrer hatte hier keine Lust mehr gehabt, ist zurück
nach Deutschland und deswegen brauchte er einen neuen
Fahrer. Die Blanko-Führerscheine hatte er schon lange bei sich
und nun seien sie von Nutzen, was Martin sehr erfreute. Ich
konnte ihm erst jetzt erklären, dass ich noch nie einen so
langen und großen Bus gefahren hätte. Wenn ich es nicht
könnte, würde ich es eben lernen. Bis spätestens Ankara
könnte ich es oder er bräuchte einen neuen Bus und
höchstwahrscheinlich auch einen neuen Fahrer. Martin nahm
alles sehr locker. Er war ein schlauer Fuchs. Er hatte Tickets
an Hippies verkauft, die nach Indien wollten. Schon zwei
Busse waren mit Hippies belegt. Doch mein zu fahrender Bus
blieb ohne Fahrgäste, was mir recht war. So brauchte ich mich
nicht zu blamieren, wenn es beim Schalten krachte. Normal
fuhren die Hippies mit dem „Magic- Bus“ oder sie nahmen
lokale Busse von Stadt zu Stadt und auch von Land zu Land.
Das Trampen als Mitfahrer war ab hier, im Orient, fast
unmöglich.
Doch die Mitfahrt in diesen Bussen war eine Gelegenheit,
die viele nutzten. Hier hatte man die Möglichkeit von Istanbul
bis Delhi auf demselben Platz zu sitzen und mit denselben
Leuten zu reisen. Auch konnte man nachts im Bus schlafen –
das war noch ein Vorteil. Zusammen waren es 60 Hippies, von
denen jeder 70 Dollar bis Delhi bezahlt hatte. Das machte für
Martin 60 x 70 = 4200 Amerikanische Dollar. Nicht schlecht,
da die Busse sowieso nach Indien mussten.
Auch sah ich das erste Mal einen Spanier, der bis Delhi
wollte. Er erzählte, dass es Franco nicht mehr gäbe und sie nun
auch reisen könnten. Immerhin hatten wir das Jahr 1975 und
nicht 1945. Ich wusste gar nicht, dass die Spanier, so wie die
DDR-Bürger, keine Pässe bekamen, nur Spezialisten.
Ich kannte einige „Spezialbürger“ der DDR. Aber
Spanier?
Mit Martin hatte ich ausgemacht, dass mein Honorar 300
Dollar sein sollte, plus Essen unterwegs und 100 Dollar für die
Rückreise über Land. Vorausgesetzt, ich würde den Bus am
Stück nach Delhi bringen – mit kleineren Beulen, rechnete
Martin. Es würde schon schief gehen. Ich hätte dann in Delhi
die 400 Dollar von Martin und die 1300 von meinem
Mercedes-Verkauf, also 1700 Dollar. Damit könnte ich etwas
Vernünftiges anfangen. Jetzt war die Welt doch wieder in
Ordnung. Ich muss diesen Scheiß-Bus nur heile nach Indien
bringen.
Die ersten Kilometer vom Parkplatz vor der Hagia Sofia
bis zur Fähre war schon ein Abenteuer.
Nach dem ersten vergessenen Zwischenkuppeln und dem
Getriebe-Zahnrad-Geheule wurde mir ganz komisch und ich
dachte schon, dass es das Aus gewesen sei.
Doch bald hatte ich raus, wie das lief:
Hupen und fahren, hupen und fahren, so wie die Türken
das auch machten. Alle hielten nun einen respektablen
Abstand zu meinem Bus, und jeder wusste, dass da jemand
einen Bus durch Istanbul zu lenken versuchte, der keine
Ahnung hatte, wo er hin wollte, oder wie er zu fahren hatte.
Ich schaffte es auf die Fähre ohne das Getriebe zu
ruinieren und ohne andere Autos anzufahren. Der Trick war
ganz einfach: Ich klebte mich an Martins Stoßstange und ließ
keinen Meter Platz, sodass niemand mehr dazwischen konnte.
Und hinter mir fuhr der dritte Bus. So konnte ich nicht
verloren gehen.
Wie Martin sagte, bis Ankara hätte ich die Sache mit der
Schalterei heraus. Es krachte auch nicht mehr. Das Gefühl für
die Breite und Länge des Busses kam ganz langsam, aber es
kam. Zuerst war ich immer, wenn mir ein Fahrzeug entgegen
kam, zu weit nach rechts gefahren, weil ich Angst vor einem
Frontalzusammenstoß hatte. Doch bald schon blieb ich in der
Mitte der Fahrbahn und die Entgegenkommenden mussten bis
fast in den Straßengraben auf ihrer Seite fahren.
Schnell merkte ich, dass ich ja das größere Objekt hatte
und den anderen damit feine Angst einjagen konnte – bis auf
die Laster. Da war ich mir nicht ganz sicher, ob die auch in
den Graben fahren würden, oder lieber einen
Frontalzusammenstoß riskierten. Deswegen bremste ich erst
einmal ab und fuhr etwas langsamer an diesen Kamikaze
vorbei. Die Nachtfahrten wurden zu einer regelrechten
Mutprobe.
Das Abblendlicht war für viele eine völlig unnütze Sache,
denn die meisten Autos hatten sowieso total verstellte
Scheinwerfer. Somit war, egal wie sie einen blendeten, ob mit
Abblenden oder ohne.
Da ich an diesem Bus noch die von einem deutschen
Kraftfahrzeugelektriker eingestellten Scheinwerfer hatte,
blendete ich natürlich jeden, wenn ich nicht abblendete. Somit
tat ich es und war immer im Nachteil, wenn ich dann in diese
Dunkelheit hineinfuhr, nachdem der andere vorbei war.
Jedes Mal, wenn ich mein volles Licht anhatte, machte
der Entgegenkommende sein Licht auf Parklicht
beziehungsweise Standlicht und ich konnte fantastisch an ihm
vorbeisehen und feststellen, ob vor mir ein Hindernis war. Das
Gleiche machte ich dann auch, denn damals war die
Lichtanlage an den Zündschlüssel gekoppelt und man drehte
mit dem Zündschlüssel die Lichter auf Parken oder Fahrlicht
und das Fernlicht war mit dem Fuß zu betätigen. Also ließ ich
das Fernlicht an und drehte nur den Zündschlüssel nach links
oder rechts.
Es klappte wunderbar. Einmal fuhr ich für einige
Sekunden im Standlicht, dann wieder der mir
Entgegenkommende, denn so sah man an dem anderen
Fahrzeug vorbei und konnte erkennen, ob eventuell ein
Hindernis auf der Straße war – man fuhr nicht in ein dunkles
Loch. Hatte man sich einmal an das System gewöhnt, war es
die sicherste Art nachts zu fahren. Abends, nach unserer Fahrt,
saßen wir beisammen, tranken, aßen und palaverten.
So bekam Martin schon sehr bald mit, dass ich mich auf
der Strecke auskannte. Er kam dann mit Mala zu mir in den
Bus und wir fuhren als Erste zusammen.

Photo by Harvey.

Natürlich war das
Amir Kabir – Hotel der richtige Übernachtungsplatz für uns
und einige der Passagiere, die nicht im Bus schlafen wollten.
Da Martin hier einen dreitägigen Stopp einlegte, war die
Chance gegeben, sich um sein Visum für Afghanistan zu
kümmern.
Erst in Kabul hatten wir wieder einen längeren Stopp von
drei Tagen. Auch hier empfahl ich eine Unterkunft, das
Mustafa Hotel, als Anlaufstelle. Natürlich wurden auch hier
wieder noch fehlende Visa für Pakistan und Indien gemacht.
Doch ich hatte anderes vor.
Ich suchte die gewisse Werkstatt, wo mein Mercedes
repariert worden war, und ich von den Franzosen den
verseuchten 190er gekauft hatte.
Doch diese Werkstatt suchte ich vergebens.
Auch die Franzosen gab es nicht mehr.
Doch die Ferhadis mussten doch wissen, was passiert war
und könnten mir Näheres sagen. Also begab ich mich in das
Café München und traf tatsächlich meinen alten Freund
Dahoud, der die präparierten Schachbretter machte. Doch auch
er hatte keine Ahnung, wo die Franzosen abgeblieben waren,
so sagte er wenigstens. Seiner Meinung nach waren diese
Leute ganz schlechte Menschen gewesen. Hier in Kabul seien
sie im Gefängnis gewesen, aber irgendwelche Leute mit viel
Geld hätten sie rausgekauft und sie ins Ausland gebracht.
Gleichzeitig fragte mich Dahoud, ob ich nicht Interesse
hätte, ein Geschäft mit ihm zu machen. Ganz höflich, aber
bestimmt, lehnte ich es ab mit ihm ein Geschäft zu machen.
Mit hm nicht und auch mit keinem anderen Afghanen.
Vorläufig hatte ich die Nase voll mit irgendjemandem auch
nur über ein Geschäft zu sprechen, geschweige denn eins zu
machen. Dahoud erzählte ich meine Geschichte mit dem 190er
Mercedes, den ich von den Franzosen gekauft hatte. Er war
nicht überrascht, da er wusste, was die Franzosen machten,
denn das Haschisch hatte er ihnen verkauft und auch für sie
einbauen lassen.
Die Weiterfahrt über den Khaiberpass nach Peschawar
und über Lahore zur pakistanisch- indischen Grenze verlief
ohne bemerkenswerte Zwischenfälle.
Auf der indischen Seite sah ich schon von weitem meinen
kleinen Sardatschi mit seinem Turban der Sikh, mit dem ich
das Visum-Problem hatte. Nach einer kurzen Begrüßung sollte
ich sofort mit in sein Büro kommen.

Hier einer meiner Pässe….

Während die Pässe und
die Bus-Zoll-Formalitäten gemacht wurden, musste ich viel
Tee trinken. Martin und Mala waren auch mit eingeladen
worden. So hatte mein Freund, der unbestechliche
Grenzbeamte, der Mala in seiner Sprache wohl die Geschichte
erzählt und ab und zu auf mich gedeutet. Zum Schluss fragte
er noch an mich gewandt, ob er Geld genommen hätte und ich
sagte ganz laut und deutlich, sodass es auch jeder mitbekam,
dass er der unbestechlichste Beamte sei, den ich auf meinen
ganzen Reisen kennengelernt hätte! Das hatte gesessen! Der
Kerl wuchs um einige Zentimeter und Mala erzählte wohl,
dass sie einen Verwandten in der Regierung hätte. In einer
Rekordzeit waren unsere Pässe und auch die Buspapiere fertig
und wir konnten weiter fahren.
In Neu-Delhi wurden die Busse in den Zollhof gefahren
und unsere Mission war zu Ende. Martin erzählte mir in den
nächsten Tagen, wo auch immer wir uns trafen, dass das Bus Geschäft eine schwierige Operation sei. Da mussten
Genehmigungen, Importgenehmigung, Dokumente vom
Ministerium für Finanzen, Tourismusministerium,
Verkehrsministerium, Ministerium für Arbeit und Handel
besorgt werden.
Auch eine Bankverbindung mit einer gewissen
Geldgarantie, Hinterlegungen und vieles mehr musste in die
Wege geleitet werden. Ist doch klar, jeder wollte an Martins
neuem Unternehmen etwas verdienen.
Hoffentlich waren die Busse mehr Wert, als die ganze
Schmiergeldsache kosten würde. Ich wollte so schnell wie
möglich aus Indien raus, denn ich hatte ein Schweinehund gab mir Recht und bekräftigte mich in meinem
Vorhaben mit guten Ratschlägen. Er war damit einverstanden,
dass ich ganz schnell zurück nach Deutschland fliegen und mir
einen gebrauchten Bus kaufen sollte, um Hippies nach Indien
zu fahren!

Das war wieder ein BLICK INS BUCH…hier kannst du es Bestellen:

Amazon.de: Jürgen Stollin: Bücher, Hörbücher, Bibliografie, Diskussionen

Der Khaiberpass und die Paschtunen

Der Khaiberpass und die Paschtunen


Mein Freund, der Zolloffizier an der indisch-pakistanischen Grenze, wunderte sich nicht schlecht, als er uns
schon wieder sah, dieses Mal mit Auto und auch noch in die
verkehrte Richtung.
Normal kommen die Leute von Europa mit einem
Fahrzeug. Und nicht wie wir von der asiatischen Seite und
ohne, dass wir vorher bei ihm eingereist wären. Doch ein
Blick in die Papiere genügte und er wusste, warum und woher
das Auto kam.
Die Tasse Tee mussten wir mit ihm trinken. Wir waren
schließlich alte Freunde, so sagte er.

Von Dr Mansoor Bokhary – Photo by Dr Mansoor Bokhary, CC SA 1.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=645779


In Peschawar holten wir unser afghanisches Visum und
nun konnten wir zu dem berühmten Khaiberpass fahren. Ich
hatte mir den Pass viel gefährlicher vorgestellt.
Die Strecke von Syrien in die Türkei und dann im Iran an
der irakischen Grenze entlang war schlimmer.
Direkt oben auf dem Gipfel des Passes war ein
Marktplatz oder eher ein kleines Dorf, in dem wir uns etwas
frisches Obst kaufen wollten. Hier war Niemandsland,
dennoch gehörte es zu Pakistan, doch die Paschtunen hatten
ihre eigene Regierung, da hatte Islamabad keinen Einfluss. Die
Bretterregale, ähnlich wie sie Obst- und Gemüsehändler auf
Marktständen haben, waren nicht für diese Farmartikel
gemacht.
Es gab hier eine andere Art von Erzeugnissen, die zum
Verkauf angeboten wurden. Ich war enttäuscht, dass es kein
Obst gab. Aber alles, was man nicht kaufen sollte, gab es hier.
Das Kilo grünen, pakistanischen Hasch gab es für zwanzig
Dollar aufwärts.
Es gab noch nicht verarbeitete Opium-Base, Hanf-Pollen
und noch anderes Verbotenes. Die Paschtunen im
Niemandsland zwischen Pakistan und Afghanistan, oben am
Khaiberpass, wollten mir unbedingt etwas verkaufen. Egal ob
ich Pistolen, Gewehre, Granaten oder auch nur Sprengstoff
haben wollte.
Ich bedankte mich sehr höflich und stieg wieder in
meinen Benz.
Die Leute hier sahen in ihren Halbuniformen mit
umgehängter Kalaschnikow und Patronengurt nicht nur wild
und beängstigend aus, sie waren auch garantiert bereit, ihren
umgehängten Feuerschmuck zu gebrauchen. Nun ging es den
berühmt berüchtigten Khaiberpass abwärts, an den von
Engländern gebauten und nun verlassenen
Militärbefestigungen vorbei und nach Torkham, zum
afghanischen Grenzübergang. Ich musste jetzt wieder auf der
rechten Seite der Straße fahren. Durch Jalalabad, an einem
Flussufer entlang zur Kabul Gorge, das war eine sehr steile, in
den Fels gearbeitete, schmale Straße nach Kabul. Ich dachte
schon, dass dieses „in den Himmel fahren“ nie aufhören
würde. Von Ceylon und durch den ganzen indischen Kontinent
bis hierher war das Wetter sehr mild gewesen. Wir hatten alle
nur Flip-Flops, Shorts und T-Shirts an.
Hier oben in Kabul angekommen wurde es bitterkalt. Ich
war total erschöpft und hundemüde. Wir suchten uns ein
billiges Hotel und waren froh, dass dieses Hotel namens
„Mustafa“ auch italienische Küche anbot. Die Spaghetti
Bolognese waren fantastisch, doch die Tomatensuppe war ein
aus Tomaten, Ketchup, Gewürzen und Wasser aufgekochte,
eine etwas gewöhnungsbedürftige Sondersuppe. Der Raum, in
dem zwei Betten standen, war sehr karg eingerichtet, doch es
war mir egal.
Ich sah nur den in der Mitte des Raumes stehenden
Eisenofen, mit einem langen Ofenrohr, das durchs Fenster
nach draußen ging. Das Feuerholz musste ich mit ein paar
extra Afghani bezahlen. Aber diese Wärme, die der Bollerofen
abgab, war das Geld wert. Ich war mit Spaghetti vollgefressen
und hatte eine Flasche afghanischen Rotwein getrunken. Nun
nahm ich meine kleine Frau mit unter die Decke und schlief
bis zum Morgen durch.
Das Feuer im Eisenofen war wegen versäumter
Nachfütterung ausgegangen, und als ich wach wurde, war ich
froh, dass ich nicht erfroren war. Chitra wollte überhaupt nicht
aufstehen. Schuld sei die Kälte, meinte sie. Die Fenster hätten
Eisblumen, und bis diese nicht weg seien, stünde sie nicht auf.
Ich begab mich in das mollig warme Restaurant und
wollte warten, bis die Sonne die Luft etwas erwärmen würde.
Der Kellner sagte mir, dass es in den letzten Tagen bis zu -20°
C gewesen wäre und man nun auf den Schnee warten würde.
Dann wäre es nicht mehr so kalt.
Nach meinem Frühstück konnte ich erst die ganze Lange
so langsam begreifen. Auch kam mir jetzt der Gedanke, dass
meinem Auto eventuell diese extreme Kälte nicht bekommen
sei. In den letzten Monaten, ja, Jahren war es ohne Frostschutz
gefahren! Vor dem Hotel stand mein 230er Mercedes, und als
ich ihn anlassen wollte, kam er nicht so richtig in die Gänge.
Er wollte nicht anspringen, dann lief er, doch nicht lange und
ich hörte das leise Plätschern von Wasser – auch das noch!
Was ich befürchtet hatte, war eingetroffen. Der
Motorblock hatte einen Riss.
Mein Schicksal, Karma, Glück?
Bestimmung war doch meine Interpretation für das, was
andere Glück nannten. Soll ich es UNglück nennen? Es gibt
kein UNglück, sowie es auch keine UNkosten gibt. Es gibt nur
Kosten. Und solche Kosten würden nun auf mich zukommen.
Es war also unsere Bestimmung, dass wir hier in Kabul in dem
größten Lehmhütten-Dorf der Welt festsaßen.
Wenn du ein Problem hast, gibt es viele nette Leute, die
dir mit Rat und weniger Tat zur Seite stehen, oder im Wege.
So auch hier. Die beste Idee kam vom Hotel-Manager. Es gäbe
da ein Café, es gehöre der Frau des Ex-Bürgermeisters von
Kabul und deren Sohn. Ursprünglich kämen sie aus
Deutschland und sie hätten ein enormes Wissen darüber, wer,
was, wo und überhaupt. Wenn man etwas wissen wolle, wende
man sich an diese Familie.
Das Café war schnell gefunden und die nette Frau
servierte mir einen hervorragenden Apfelstrudel mit heißer
Vanille-Soße. Es war der beste Strudel östlich von Wien, ich
bin mir da ganz sicher. Sie schickte mich zur Chicken Street.
Dort sei ein Lokal, sagte sie, der Besitzer hätte einen Bruder
und dieser Bruder hieß Dahoud und hätte eine Werkstatt.
Dahoud konnte mir wirklich helfen.
Es dauerte nicht lange und vier Afghanen schoben und
zwei zogen mit mir am Lenkrad den Benz durch halb Kabul.
Zu einer Werkstatt mit der Aufschrift „deutsches mekanike un
werkstad auto“ Viel Vertrauen hatte ich bei dem Anblick der
Werkstatt nicht. Was konnte ich tun? Man versprach mir, dass
ich mein Auto in 6 Tagen im Toppzustand wieder abholen
könnte.
Die Stadt Kabul entpuppte sich als doch sehr interessant.
Man muss eine Stadt wie diese einfach so nehmen, wie sie ist.
Man sollte sie oder die Bewohner nicht verändern wollen –
man könnte es auch gar nicht.
Andere Länder – andere Sitten so heißt es doch. Und hier
sind nun einmal andere Sitten. Man soll oder besser muss es
respektieren. Die Einfachheit der Menschen, die Sauberkeit,
die für unseren europäischen Standard zu wünschen übrig
lässt. Die einfachen Lehmhütten, die bis hoch in die
Berghänge gebaut sind, die Tatsache, dass nur Männer auf der
Straße sind, die offenen Metzgerläden, die offenen Kebab- und
Hähnchen-Grillbuden – dies alles war gewöhnungsbedürftig!
Da war aber auch die andere Seite der Afghanen, für mich
gab es kein stolzeres Volk, was ich bis da gesehen hatte und
auch wohl das Genügsamste.
Ein Volk, das mit so wenig auskommt, das so
anspruchslos ist, trotzdem so frohen Herzens lebt und doch so
ernst gläubig und religiös ist. Die Engländer wollten sich das
Land ja auch schon einmal zu ihrer Krone stecken oder
Dschingis Khan. Selbst Alexander der Große scheiterte. Die
Afghanen kann man nicht unterjochen, sie brauchen nicht viel,
aber ihre Unabhängigkeit und die Freiheit werden sie nicht
hergeben, denn das ist das Einzige, das sie haben.
Keiner kann die Afghanen verändern oder gar zum
Umdenken zwingen, obwohl sie nicht einmal einen Nagel
selber herstellen können.


Mich wunderte nur, wie sie zu einem so guten Wein
kommen. Entweder lernten sie von den Italienern oder den
Franzosen, ich werde mich mal schlau machen. Von den
Deutschen hatte der König eine Eisenbahn bekommen und
einige Meter Schienen. Die Lok steht noch vor dem
ehemaligen Palast. Ein schönes Denkmal.
Wir mussten unbedingt auf den Basar, denn wir hatten
keine warmen Sachen zum Anziehen. Für 400 Afghani, ca. 20
DM, kleideten Chitra, Lal – unser momentaner Geldgeber –
und ich uns komplett ein. Von den Schuhen bis zur
winterfesten Kopfbedeckung kauften wir, alles um nicht zu
erfrieren. Wir staunten nicht schlecht, denn fast alle Klamotten
waren aus Deutschland. Es waren sogar deutsche
Polizeiuniformen dabei. Man konnte die gepressten
Kleiderballen sehen und auch noch das Zeichen vom Roten
Kreuz darauf. Ich dachte immer, dass die gesammelten
Altsachen umsonst und nur für arme Leute seien. Ich hatte
ganz vergessen, dass ja alle Afghanen, mit wenigen
Ausnahmen, arm waren. Eine Kleinigkeit sollten sie schon
bezahlen, sonst würden es manche missbrauchen.
Dahoud war ein sehr netter und freundlicher Afghane.
Er organisierte einen Jeep und wir fuhren zu den drei
mineralhaltigen Seen. Dann fuhren wir nach Mazar-i-Sharif
und auch nach Bamiyan, zur wohl größten, von
Menschenhand aus dem Fels gearbeiteten, stehenden
Buddhastatue. Schade, dass die Statue kein Gesicht mehr
hatte. Dahoud erklärte uns, dass im Islam Gott kein Gesicht
hat. Also hatten irgendwelche Religions-Fanatiker der Statue,
wie sie meinten Gott darstellend, das Gesicht entfernt.
Ich glaube, der Sphinx in Ägypten ist das Gleiche
passiert. Aber auch ohne Gesicht war diese Statue ein
gewaltiges Monument. Es ist wirklich ein Drama, dass die
Taliban im Jahr 2001 diese einzigartigen Kunstwerke zerstört
haben.
Auch erzählte mir Dahoud, dass es hier im Lande den
besten Lapislazuli geben würde. Er machte Schachbretter aus
Lapis und weißem Marmor. Die Figuren waren aus Elfenbein
die einen schwarz gefärbt und die anderen naturbelassen.

Ob ich Interesse hätte? Die Größe der Bretter wäre normal und der weiße Marmor und die blauen Lapis-Einlagen wären ein
Kunstwerk.
Dahoud verriet mir auch gleich ein Geheimnis, warum ich
kaufen sollte.
In dem Rahmen vom Brett wäre ein Kilo des guten,
schwarzen, handgepressten, afghanischen Hasch. Durch den
ausgehöhlten Marmor, der mit Shit aufgefüllt war, würde das
spezifische Gewicht wieder stimmen. Er würde viel von seinen
Kunstwerken in die ganze Welt verschicken. Sehr interessant,
aber ich hatte erstens kein Geld, zweitens wollte ich das Zeug
nicht über so viele Grenzen mit mir herumschleppen oder auch
herumfahren, selbst wenn unser Auto wieder in Ordnung
käme. Jetzt wusste ich, warum so viel Freundschaft
herüberkam.
Nein, danke! Ich hatte noch irgendwie Schuldgefühle von
Beirut her, dass ich etwas nicht Korrektes gemacht hatte.
Chitra und Lal konnte es gar nicht schnell genug gehen,
um aus Kabul zu verschwinden. Für sie, die ja nur tropisches
Wetter gewöhnt waren, bedeuteten diese Minusgrade die
Hölle. Sie gingen kaum aus dem Hotel. Ich machte mich auf
zur Werkstatt, aber ohne Dahoud.
Dort traf ich einige Franzosen, die auch einen Mercedes
hatten und mir sagten, dass auch sie eine Inspektion machen
ließen, weil sie darauf Wert legen würden, dass ihr Auto
immer in gutem Zustand sei. Schön für die Leute. Aber wo
war mein Auto? Man beruhigte mich, es wäre nur auf einer
kleinen Probefahrt. Ich sollte morgen früh wieder kommen
und mein Auto abholen. Am nächsten Morgen sah ich meinen
Benz in einem Weiß glänzen, wie ich es eine lange Zeit nicht
gesehen hatte. Er sah aus wie neu. Bravo, gute Jungs. Der Riss
im Motorblock war intelligent repariert.
Einen Motorblock schweißen?
Man konnte hier in Afghanistan Guss schweißen?
Ich war verblüfft.
Der Mechaniker erklärte es mir so: Zuerst wird in den
Riss ein Loch gebohrt, dann wird in das Loch ein Gewinde
gedreht.
Dann wird eine passende Schraube eingedreht und das
nächste Loch gebohrt, aber so, dass die Hälfte von der ersten
Schraube mit angebohrt wird, dann das Gewinde, dann die
Schraube, dann Loch, Gewinde, Schraube, etc. bis eine Naht
entsteht, die abgeschliffen wird. Dann wird noch mal alles
verschweißt und fein abgeschliffen. Nun sieht das Kunstwerk
aus wie eine Narbe am Körper.
Soweit so gut, aber ob das alles so viele Kilometer
aushalten wird? Für hier, für kurze Strecken vielleicht, aber
ich traute der Sache nicht. Wieder berief ich einen Kriegsrat
mit Chitra und Lal ein. Wir hatten einfach nicht mehr genug
Geld. Lal meinte, er könne sich Geld schicken lassen. Doch
ich wollte nicht noch mehr abhängig von ihm sein. Die
Franzosen meinten, dass ich doch das Auto verkaufen könnte.
Und dann? Fliegen war nicht möglich, da die Tickets bestimmt
mehr kosten würden, als das Auto einbringen würde. Nein, das
ging nicht! Dann kam der Vorschlag von den Franzosen, dass
sie mein Auto gegen ihres eintauschen würden. Sie wollten
mir noch Bargeld für die Heimreise geben. Die Idee war nicht
schlecht, denn wir konnten so mit einem heilen Auto nach
Hause fahren.
Bis Österreich war der Sprit nicht teuer. Der 190er der
Franzosen war ein Diesel und somit billig im Verbrauch.
Wir wurden uns einig und erledigten die Umschreibung
bei den Botschaften. Es war etwas kompliziert, aber zum
Schluss ging alles in Ordnung.
Wir besorgten unsere Visa für den Iran.
Ich musste noch einen neuen Pass bei der Botschaft
beantragen, da durch das ewige Eintragen des Autos viele
Seiten verbraucht wurden.
Die Gebühr für einen neuen Pass war gerade einmal 20
DM, das konnte ich noch verschmerzen.
Wir waren bereit und fuhren mit dem neu erworbenen
Diesel in Richtung Kandahar. Er war nicht so bequem und
auch nicht so schnell wie mein geliebter 230er. Die Straßen
waren von all den Straßen, die wir außerhalb von Europa
gefahren sind, die besten. Man sagte mir, dass die Amis von
Jalalabad bis Kandahar gebaut hätten, den Rest bis zur
iranischen Grenze die Russen. Oder umgedreht? Die Amis
bauten mit Asphalt, die Russen mit Beton. Unterwegs war für
jeden Bezirk Straßenzoll zu bezahlen. Das funktionierte so:
Einmal zahlen, einmal die Quittung abgeben, dann wieder
zahlen.
Für jede Provinzdurchfahrt musste bezahlt werden.
Es gab nicht immer Schlagbäume, die man gut sehen
konnte. Es waren auch schon mal Ketten über die Straße
gespannt. Sah man sie nicht früh genug, hatte man eventuell
ein Coupé oder mindestens eine kaputte Scheibe und einen
riesigen Schock. Ein Zöllner meinte, dass die Bäume zu teuer
wären, deswegen die billigere Version mit den Ketten. Ja, die
Afghanen waren arme Leute, aber sie hatten schöne Teppiche,
sogar in den kleinsten Teehäusern entlang der Straße, die man
hier Highway nannte.
In Afghanistan gab es leckere Weintrauben, Wein,
Rosinen, Pistazien, Reis und spinatähnliches Gemüse. Das war
es auch schon. Oder man musste ein Lamm schlachten.
Die Beduinen trugen jetzt im Winter Schuhe, die aus
Autoreifen gefertigt waren. Normal müssten sie jetzt
Winterprofil haben, aber ich glaube, das war so ziemlich
irrelevant für den Träger. Super waren die Schafspelzmäntel,
die sie anhatten, nämlich im Sommer mit Wolle nach außen
und im Winter mit Wolle nach innen. Das beste natürliche
Klimagerät, was man sich nur vorstellen konnte.
Im Sommer kühl, im Winter warm. Diese „Pustinger“
waren ein Muss für jeden „Kutschi“, wie auch der Hund, den
jeder Beduine bei sich hatte, egal wo er auch hinging. Die
Kutschi – Hunde waren eine Rasse, die keine Ohren hatten, nur
Stumpen, Ansätze von Ohren und auch keinen Schwanz. Man
sagte mir, diese Hunde würden schon so geboren, damit die
Wölfe keine Angriffsfläche hätten. Ich sah diese Leute bei
minus 20 Grad barfuß über den gefrorenen Schnee laufen.
In jedem Teehaus, das wir anfuhren, war eine Wärme, die
nicht nur vom Holz geheizten Eisenofen kam.
Nein, die Wärme kam von diesen Leuten. Es kam so oft
vor, dass wir unseren Tee nicht bezahlen mussten – ja sogar
nicht durften.
Der Tee kostete nicht viel, aber wenn man nichts hat, ist
auch wenig viel.
Das Essen bestand fast immer aus Reis, Spinat mit
Rosinen und zwei Würfeln Hammelfleisch. Dazu gab es
leckeres Fladenbrot, das Naan.
Oft habe ich mich gefragt: Würde ein Afghane bei uns
auf der Autobahn-Raststätte auch zu einem Tee eingeladen
werden? Ich kam zu der Erkenntnis, dass man ihn höchstens
als nach Knoblauch stinkenden Wilden aus dem Restaurant
verbannen würde!
Warum sind wir Europäer eigentlich so? Ich habe auf
meinen Reisen immer wieder festgestellt: Je ärmer ein Volk
ist, desto unbelasteter sind die Menschen. Selbst die Kinder
hatten hier ein ganz anderes Lachen als bei uns, oder bildete
ich mir das nur ein? Wäre da nicht das sehr krasse Vorgehen
oder besser Vergehen mit ihren Frauen. Denken wir doch
einmal ungefähr dreihundert Jahre zurück – haben wir da nicht
auch Frauen verbrannt? Hexen?
Die Kirche, was hatte die denn alles auf dem Kasten?
Immerhin ist der muslimische Glauben eine Zeitspanne von
ca. 300 Jahren hinter dem christlichen zurück. Von diesem
Gesichtspunkt aus bin ich überzeugt, dass auch in den
Moslem-Staaten sich etwas ändern wird, auch ohne die
Vergewaltigung durch die westlichen Länder. Man stelle sich
vor, die Chinesen hätten gehört, dass manche westliche Frauen
ihre Neugeborenen in den Müll werfen und deswegen müssten
sie uns Kultur beibringen und uns bekriegen – wollen wir das?
Nein!!
Wir übernachteten in Kandahar, denn ich wollte nachts
nicht fahren. Ich dachte an die Gefahr quer über der Straße
hängender Ketten. Am nächsten Morgen sah ich von unserem
Fenster aus ein kleines Bächlein zwischen den Bäumen, die
rechts und links standen und einige Männer, die wohl ihre
Morgentoilette machten.
Das sah so aus: etwas weiter weg, also ganz oben am
Bach, hatte man wohl die Gemeinschaftstoilette. Die Herren
saßen in der Hocke, mit einem Bein links und dem anderen
rechts vom Rinnsal und wuschen sich, vom Geschäft her
kommend, mit einem Kännchen ihren Hintern. Das störte aber
die weiter unten Stehenden nicht, ihre Mundhygiene zu
vollziehen. Mit Stöckchen wurden da die Zähne geputzt. Und
noch etwas weiter unten wusch unser Hotelkoch den Salat und
die Tomaten für unser Frühstück.
Ich verzichtete auf das im Leben so wichtige Grünzeug.
Trotzdem war das Frühstück mit Joghurt, Honig, Butter, Eiern,
Schafskäse und warmem Fladenbrot lecker. Die Straße war
wieder schön. Ich ließ den 190er laufen. Es gab keinen Schnee
mehr und es war bedeutend wärmer als in Kabul.
Auf diesem Stück der Straße gab es kaum Brücken, dafür
aber einige Furten, das waren Wadi – Durchfahrten. Es ging
mal runter durch die Furt und wieder hoch. Im Moment waren
diese Wadis trocken. Erst bei Schneeschmelze oder starkem
Regen waren sie mit Wasser gefüllt.
Wir waren kurz vor Herat und ich sah vor mir eine Herde
Kühe auf meiner Seite. Auch nahm ich den Jungen wahr, der
sich bemühte, die Kühe von der Straße zu treiben. Vor uns war
eine Brücke, wohl die Einzige in der Gegend. Und der Junge
wollte die Kühe nicht über die Brücke lassen. Er wollte sie
durch das trockene Wadi, durch die Furt, auf die andere Seite
treiben. Ich fuhr etwas langsamer und auf die linke Seite, da
kein Gegenverkehr war. Die Tiere waren jetzt vor der Brücke
ins Wadi abgebogen. Ich zog wieder nach rechts und in diesem
Moment kam mein Kuhhirte wieder zurück auf die Straße, um
über die Brücke zu gehen. Es gibt keine Bürgersteige auf
solchen Brücken, für wen auch? Auf jeden Fall stand der
Junge jetzt mitten auf der Straße und ich bremste so hart es
ging. Doch das reichte nicht! Er blieb genau in meiner
Fahrtrichtung stehen – und ich einen Meter weiter.
Mit dem Ergebnis, dass meine Stoßstange das Schienbein
des Jungen traf. Er lag heulend vor Schmerzen vor dem Auto.
Ich hatte nicht früh genug stoppen können und auch gar nicht
damit gerechnet, dass er noch einmal auf die Straße
zurückkommen würde. Er schrie in Farsi, paschtunisch oder in
afghanisch. Ich konnte ihn nicht verstehen, doch dass er sehr
große Schmerzen hatte, das war mir sofort klar….

Das war wieder ein Blick in mein Buch….Möchtest du mehr lesen?

#mein-traum-frei-zu-sein

Der Tod lauert in der persischen Wüste

Die Irrfahrt durch Persien

Der Tod lauert in der persischen Wüste
Ein Kanister mit 20 Litern Wasser, einer mit 10
Litern Benzin und eine 5-Literl-Ölkanne, das war unser
kostbarstes Reisegepäck.
Alles andere waren Klamotten, die so verstaubt waren,
dass man sie vor dem Anziehen erst mal kräftig ausklopfen
musste. Dann war da noch eine Wolldecke.
Wenn man sie nicht brauchte, saßen die Damen darauf,
ein 5-l-Trinkwasser-Kanister zwischen den beiden Frauen,
rechts und links Essen gepackt und hinter der Sitzbank dann
noch die Windeln und Sachen für meine zweijährige Tochter.
Man hat die Vorstellung, dass so ungefähr Zigeuner
herumreisen.
Doch gegenüber uns waren Zigeuner gut organisierte,
reinliche Leute.
Gut, sie waren ein Reisevolk, aber so einen Saustall, wie
wir in unserem Mercedes hatten, konnte man in keinem
Zigeunerauto finden.
Auch wie wir aussahen, nach sechs Wochen quasi im
Auto lebend, unrasiert und fern der Heimat.
Ich schaute mir auf meiner Landkarte den Weg nach
Karachi an.
Man musste doch nur diesem feinen Strich auf der
Landkarte folgen, dann kam man nach Karachi. So dachte ich.
Von Abadan über Bushier, Shiraz, Bander-Abbas, Jaak,
Ghoghweiter nach Bahaor – und der nächste Ort Guador war
schon in Pakistan. Von da nach Karachi. In Jah und Chah –
Bohor war ich schon. Das sind ganz kleine Häfen, wo es
Eisenerz gibt. Auf der „Arsterturm“ hatten wir auf Reede
gelegen und mit Lastkähnen kam das rostig aussehende Erz an
Bord. Mennige, eine Eisengrundierfarbe, machte man davon.
Die Leute trugen das Zeug in Bastkörben auf ihren Köpfen.
Sie balancierten über Planken und schmissen es in unsere
Ladeluken. Einmal hatten wir auch eine ganze Ladung
Trockenfisch und Knoblauch von Bushier nach Kalkutta
geladen. Kein Mensch kann sich diese Sauerei vorstellen. Der
Trockenfisch kam in die Ladeluke und durch das Vibrieren des
Schiffes wurde das Zeug irgendwie zusammengerüttelt und
gequetscht, sodass noch Flüssigkeit aus dem Fisch kam. Es
entstand sozusagen eine Lake. Der Gestank war entsetzlich.
Haben Sie schon mal einen toten Fisch gerochen?
Hier waren es ca. 500 Tonnen, die eine stinkende Brühe
verursachten, und dann kam noch der Knoblauch hinzu.
Nicht genug damit, es kamen auch noch die Maden auf
den Plan. Auf dem ganzen Schiff waren Maden. Der
Bootsmann ließ einen Wall vor die Mannschaftskabinen
mauern.
Alle zwei Stunden wurde das Deck mit Seewasser
abgespritzt. Ich erinnerte mich noch sehr gut, bis Kalkutta
waren die Maden alle fort und der Trockenfisch mit Brühe
wurde ausgeladen. Vielleicht hatte Mutter Theresa die Ladung
bestellt. Egal, es waren nur ein paar Gedanken an vergangene,
schöne Zeiten.


Hier war jetzt die Gegenwart und wir waren unterwegs
nach Karachi. Bis Shiras und bis nach Bander war die Straße
im guten Zustand und der Verkehr war auch in Ordnung.
Wir fuhren Tag und Nacht, bis wir nach Bander Abbas
auf kleinere Straßen kamen.
Jask war das letzte Örtchen mit festen Straßen.
Das heißt, der Grader fuhr regelmäßig und ebnete die so
gebaute Fahrstraße immer wieder frei von Rillen.
Es ging sehr oft Hunderte Kilometer über WaschbrettPisten. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass unser 230er


Mercedes, Baujahr 1964, auseinanderbrechen würde – ganz
einfach „krack“ und wir würden dann auf dem Schotter enden.
Aber er hielt.
Ich will nicht prahlen, aber ich hatte da ein Stück
deutsche Wertarbeit unter meinem Arsch. Er wurde von
deutschen Männern und Frauen zusammengebaut, abgesehen
von ein paar türkischen Gastarbeitern, die aber nur die
Handlanger-Jobs hatten.
„Hassan, gib mir mal den Hammer, Schrauber, etc.“ Ja,
so war das.
Dieter zeigte ich noch mal die Karte und erklärte ihm,
dass er sich nur auf der größeren Piste halten solle und nach
Chaka-Bahor fragen sollte, wenn er nicht weiter wüsste.
Ich verspürte eine verdammte Müdigkeit, da ich den
ganzen Tag gefahren war.
Wenn es dunkel würde und er nicht erkennen könnte, wo
wir hinfahren, sollte er stoppen und schlafen.
Ich wurde wach, weil wir hielten.
Es war stockdunkel, der Motor war aus und eine Stille,
die nur durch Dieters Fluchen übertönt wurde.
Was ist? Wo sind wir? Warum stehen wir?
Dieter saß hinter dem Steuer und rührte sich nicht.
Was ist los? Wie spät ist es? Ich schnauzte Dieter an.
Allmählich kam Leben in ihn und er erklärte mir, dass er
Scheiße gebaut hätte. Er wusste nicht, wo wir waren, und der
Tank war leer.
Ich wollte den Reservesprit reinschütten, aber das hatte
Dieter schon unterwegs getan.
Jetzt brüllte ich Dieter an. Wieso war er so lange
gefahren? Warum hatte er mich nicht geweckt? Dieter erklärte
mir, dass es eine einigermaßen gute Piste gewesen war, die er
fuhr. Doch dann wäre da plötzlich eine Mauer auf den Weg
gewesen und ein verlassenes Dorf mit verfallenen Häusern.
Es musste viele Jahre nicht geregnet haben, denn die
Fahrspur endete vor der Mauer aus Lehm. Dahinter ging sie
weiter. Dieter wollte das Hindernis umfahren und merkte
nicht, dass er auf eine neue Spur kam und dieser folgte, bis das
Benzin alle war.
Er hatte den Ehrgeiz bis zum nächsten Ort, also nach


Choha-Bohor, zu fahren.
Keine Menschenseele war unterwegs, die er eventuell
hätte fragen können. Er fuhr halt, bis auch diese Fahrspur zu
Ende war und dann auch der Sprit.
Es war kurz vor Mitternacht. Er war also acht Stunden
gefahren. Das Benzin konnte doch noch nicht alle sein.
Auch wenn ich es nicht glauben wollte, es war so.
In diesem Gelände hatte unser Benz ganz schön Durst.
So gut es ging, schliefen wir den Rest der Nacht, Dieter
und ich im Freien und die Frauen im Wagen. Auch Liegesitze
im Mercedes geben nur bedingt einen gewissen Komfort.
Noch vor Sonnenaufgang waren alle wach.
Den Sonnenaufgang in der persischen Zagroswüste muss
man nicht unbedingt erleben. Es gibt schönere Orte, um einen
Sonnenaufgang zu genießen. Aber ein Schauspiel war es doch.
Bekanntlich geht die Sonne im Osten auf, in unserem Fall
sollte das also Richtung Karatschi sein. Unsere Fahrtrichtung
war aber gegen Westen. Die Sonne ging hinter uns auf, nicht
vor uns. Was besagte, dass unser Auto in die falsche Richtung
zeigte. Auch Dieter war das jetzt klar.
Die Sonne stieg immer höher und es wurde auch immer
heißer. Dazu waren wir in einer Ebene ohne Bäume oder große
Sträucher.
Nicht einmal die kleinste, dornigste Akazie war zu sehen.
Kein Vogel, keine Wüstenmaus, kein Skorpion, nichts.
Vielleicht kamen ja etwas später die Geier!
Ich machte mir Sorgen, große Sorgen.
Die Weiber geiferten, die Kleine heulte, Dieter fluchte
und ich saß da im Sand und überlegte, was wohl jetzt am
Wichtigsten wäre. Kein Mensch würde uns suchen, weil uns ja
keiner vermissen würde.
Erst mal die Decke raus und ein Zelt gegen die Sonne
machen, Wasser und Essen sicher unterbringen und gegen
Insekten und Sonne schützen. Kein Wasser mit Waschen oder
Ähnlichem vergeuden. Mit zwanzig Liter Wasser konnte man
zwei bis drei Tage auskommen. Dosenessen sowie Naan-Brot
und Obst hatten wir auch noch.
Aber dann? Man kann einen Benz nicht durch diese
Geröllwüste bis zur nächsten Tankstelle schieben. Und laufen?
Wohin denn? In welche Richtung, Osten, Westen, Norden?
Süden war zwecklos, denn da war schon der Golf von Oman
oder das Arabische Meer. Der Persische Golf war schon hinter
uns.
Es war inzwischen Mittag und sehr heiß.
Der Abend kam, es wurde dunkel und uns wurde immer
flauer. Ich hatte Angst, nicht vor der Dunkelheit oder vor
irgendwelchem Getier, auch nicht vor Räubern, denn die
wären uns willkommen gewesen. Was hätten die schon von
uns holen können? Wir hätten aber von ihnen Benzin
mitnehmen können. Wie viel bräuchten wir, 5, 10 oder 20
Liter? Wir aßen, tranken und wanderten in der sternklaren
Nacht in der Wüste herum. An Schlaf dachte wohl niemand
und kalt wurde es auch. So sammelten wir Gebüsch, Äste,
getrocknete Dornenbüschel von irgendeinem Gestrüpp und
alles, was irgendwie brennen würde. Man sollte nicht glauben,
was man alles an Wurzelzeug und Kleingebüsch findet, sogar
dickere alte Äste waren dabei, manche schon versteinert.
Höchstwahrscheinlich war auch hier einmal Wald.
Das Feuer wärmte uns.
Ich zeigte in die nördliche Richtung und fragte die
anderen, ob sie auch Licht dort ganz weit weg sehen würden.
Ich löschte das Feuer, um besser sehen zu können.
Doch keiner sah ein Licht. Ich aber war mir
hundertprozentig sicher, ich hatte ein Licht gesehen, ungefähr
so, wie ein Leuchtfeuer, was ganz weit weg zu sehen ist. Aber
nur für einen kurzen Moment war da ein kurzes Aufblinken.
Hatte ich schon Halluzinationen?
Ich wusste, dass man in der Nacht keine Fata Morgana
sehen konnte. Aber vielleicht war ich auch nur müde.
Wir schliefen alle bis zum Sonnenaufgang.
Ich hatte meinen Plan gefasst.
Dieter musste mit dem Reservekanister, drei Litern
Wasser in der Thermosflasche für ihn selbst und mit
Gottvertrauen in die nördliche Richtung laufen.


Es gab nur drei Möglichkeiten.
Entweder wir würden alle hier sterben, oder Dieter auf
dem Weg uns Hilfe zu holen, oder ein Wunder würde
geschehen.
Dieter war von seiner Mission nicht begeistert, aber er
machte sich auf den Weg nach Norden, Richtung
Ungewissheit. Die Frauen und das Kind saßen im Schatten
unter der Decke. Ich wanderte durch die nähere Umgebung,
um eine eventuelle Fahrspur zu finden, das hätte mir eine
Richtung angezeigt. Aber keine Reifenspur und auch kein
Kamelpfad. Ich sammelte noch mehr Gestrüpp für die Nacht.
Ich hatte schon einen großen Haufen. Mein Radius und der
Holzhaufen wurden immer größer. Dann sah ich genau gegen
Osten ein Fahrzeug.

Foto von.http://Matsch und Piste.


Ich machte einige Male meine Augen auf und zu, um
mich zu vergewissern, dass es keine Wunschvorstellung, eine
Fata Morgana oder ein Tagtraum war.
Ganz schnell nahm ich Holz von dem großen Haufen,
sprenkelte ein bisschen Motoröl darüber und dann auch noch
Wasser. Ja, ich musste verhindern, dass alles in einer großen
Flamme aufgehen würde, ich brauchte Rauch! Tagsüber war
Feuer nicht zu sehen, nachts schon. Ich entzündete den kleinen
Haufen, es rauchte und stank wunderbar. Ich nahm die Decke,
die als Sonnenschutz diente, und deckte mein Rauchfeuer ab
und auf. Und wieder ab und auf. Und noch mehr Öl.
Es kam ganz automatisch, dass ich ein Intervall von 3 mal
kurz – 3 mal lang – 3 mal kurz gelüftet habe.
Ich wusste, dass da ein LKW durch die Wüste fuhr und
nicht ein Seemann, der mein S.O.S kurz-lang-kurz verstehen
würde.
Wir tanzten vor Freude, als wir bemerkten, dass der LKW
etwas größer wurde, dafür aber schmaler. Das hieß, er kam
gerade auf uns zu. Es dauerte fast eineinhalb Stunden, bis das
Ungetüm von MACK LKW bei uns angelangt war. Da wo er
herkam, war also die Straße. Dieter aber war genau in
entgegengesetzter Richtung in die Wüste verschwunden.
Der Iraner bestaunte uns wie Außerirdische.
Man stelle sich vor: mitten im Nirgendwo in einer
Halbwüste mit viel Geröll, wo selbst so ein großer LKW nicht
mehr als zwanzig bis dreißig Stundenkilometer fahren konnte,
stehen ein weißer 230er Mercedes, eine alte, dunkle Frau, eine
etwas jüngere, halbdunkle Frau, ein Kleinkind, fast weiß und
ein weißer Mann, dessen Auto kein Benzin hat.
Nach vielen persischen Worten, die mein Retter sprach
und meinen deutsch-englischen
Dankesworten verließ uns unser Engel wieder. Er gab uns
noch Naan, Datteln, Orangen und füllte unser Wasser auf.
Diesel, den er zur Genüge hatte, konnte er uns für unseren
Benziner nicht geben. Er versprach, wenn er unterwegs
jemanden mit Benzin treffen würde, ihn zu uns zu schicken.
Spätestens in der nächsten Ortschaft in 80 km würde er
Bescheid geben. Ich weiß nicht, ob er jemanden finden würde,
der so blöd wäre, um ein paar nichtgläubigen Ausländern, die
auch noch total verrückt waren, Wasser und Benzin in die
Wüste zu bringen.
Außerdem wusste man ja auch nicht genau, wo in der
Wüste diese Ausländer waren.
Nur der Fahrer wusste, wo wir waren. Vielleicht käme er
auf seiner Rückreise oder irgendwann, wenn er durch Zufall
wieder so eine Route bekäme, hier vorbei. Vielleicht konnte er
mit den Mercedes-Teilen oder unseren Uhren etwas anfangen.
Die gebleichten Knochen konnte er bestimmt nicht verkaufen.
Scheiße, wie kann man nur so denken? Er hat mir angeboten,
uns mitzunehmen. Er hätte eine lange Kette für das Auto und
mich und im LKW wäre genug Platz für die Frauen. Ich
dankte ihm, da ich dachte, dass ja Dieter wiederkommen
würde, mit oder ohne Benzin, und wenn er uns hier nicht mehr
vorfinden würde … der Gedanke gefiel mir nicht. Außerdem,
der Mercedes an einer Kette hinter diesem Monster, das über
Stock und Stein fuhr, das hätte den Mercedes zu einem Haufen
Schrott gemacht.
Die Kette wäre gerissen und die Frauen und mein Kind
wären auf nimmer Wiedersehen in der Wüste oder einem
arabischen Basar verschwunden. Sollte Dieter bis zum
nächsten Morgen nicht zurück sein, würden wir uns zu Fuß auf
den Weg machen, und zwar dorthin, wo der LKW herkam und
auch wieder hinfuhr. Ich beobachtete diese Stelle und sah nun
schon den zweiten LKW in der Ferne. Also, dort war die
Straße.
Wenn der LKW eineinhalb Stunden brauchte, wären das
nach meiner Schätzung maximal vierzig Kilometer, eher
weniger. Die konnte man in zwei Tagen schaffen, auch mit
Kind und Oma. Wasser und Essen hatten wir für mehr als zwei
Tage.
Jetzt nur noch auf Dieter warten, spätestens bis morgen!
Es dämmerte schon, in diesen Breitengraden wird es
schnell dunkel. Von Tag auf Nacht geht es ruck zuck. Ich
bereitete wieder einen großen Haufen Brennmaterial vor.
Gleich bevor es dunkel würde, wollte ich ihn anzuzünden,
damit eventuell Dieter oder sonst jemand den Feuerschein
sehen konnte – und uns auch. Es war aber nicht mehr nötig das
Feuer anzumachen.
Aus der Ferne, von da, wo heute Morgen Dieter in der
Wüste verschwunden war, kam ein Gefährt. Ein Jeep – ein
Landrover, darin ein Engländer und Dieter mit viereckigen
Kanistern, die voller Benzin waren!
Freude, Dank, Erleichterung und nochmals Dank an alles,
was auf der Erde und auch über der Erde sein soll. Gück? Ich
glaube schon lange nicht mehr an Glück, seit das mit der
Lakonia gewesen war. Es gibt kein Glück, sondern nur
Bestimmung.
Freude ist Glück und Glück ist Freude, alles andere ist
Bestimmung.
Ich bin glücklich – oder ich freue mich, das ist doch egal.
Doch Bestimmung ist, ob oder wie lange ich noch auf
dieser Erde mein Unwesen treiben darf.
Unser Auto wurde betankt und mit Hilfe eines
Überbrückungskabels auch gestartet. Dieter war clever und
hatte daran gedacht, ein solches Kabel mitzubringen. Wir
hatten unsere Batterie am Benz nicht abgeklemmt, somit war
durch die Türbeleuchtung und auch das Radio oder den
Kassettenrekorder kein Saft mehr in der Batterie. Wir räumten
unseren unfreiwillig entstandenen Campingplatz und fuhren
hinter dem Landrover her. Es war schon dunkel und wir
erreichten ein Camp.
Dort wurde nach Wasser gebohrt, sagte man uns. Ich war
sicher, es wurde nach Öl gesucht.
Egal, es gab ein fantastisches Essen, eine Dusche und ein
richtiges Feldbett. Für alle, ein Bett! Es war wie im Paradies.
Dieter hatte schon alles erzählt und so blieb es mir erspart. Ich
erkundigte mich nach Interessanterem. Wo wir waren, wusste
ich nun. Die Engländer gaben mir eine Karte von diesem Teil
von Persien.
Einen Grenzübergang nach Pakistan gab es aber nur
weiter im Norden.
Hier ging kein Grenzverkehr.
Quetta hieß der nächste pakistanische Ort, in dem wir
nach dem Grenzübertritt sein würden. Unser Engländer fuhr
vor uns, bis wir auf dem Schotterweg nach Bam waren.Es gibt
auch nette Engländer, vor allem in der Wüste.Wir befanden
uns jetzt auf der Straße Banderabbas – Bassra, Zahedan. Wenn
ich nicht so ignorant gewesen wäre und den richtigen Mann in
der Schiffsagentur gefragt hätte, wäre mir viel erspart
geblieben. Dann hätten wir gleich von Banderabbas den
richtigen Weg genommen. Hätten hin, hätten her, ich war froh
und glücklich, dass unsere Bestimmung so war, wie sie halt
war.
Wir lebten und ich war nicht zum Mörder meiner Familie
und einem Freund geworden. Glück?
Nein, Bestimmung.
Bis Bam kam nichts, nicht einmal ein Teeladen oder was
zu essen. In Bam übernachteten wir. Wir sahen auch die
Ruinen der alten Oasenstadt. Die Perser erzählten uns über den
antiken Turmbau zu Bam, aber war das nicht Babel? Nun egal,
inmitten in Bam gab es da eine doppelspurige Straße mit Grün
in der Mitte. Der Turmbau lag am Ende, wo es schon etwas
bergauf ging. Ein großer Berg mit vielen Höhlen, die – so sagte
man mir – bewohnt waren. Das soll vor langer Zeit ein Turm
gewesen sein. Nur in vielen Sprachen redete man in Bam
nicht. Die Leute sprachen Farsi und wir Englisch, was
eigentlich niemand verstand. Schon sehr früh am nächsten
Morgen verließen wir Bam.
Viele Jahre später, im Dezember 2003, zerstörte ein
verheerendes Erdbeben die Stadt und ihre antiken Bauten zu
mehr als 90 Prozent. Beinahe die Hälfte der Bevölkerung kam
auf der Stelle ums Leben.
Wir mussten nach Norden, nach Zahedan. Dort wollten
wir über die Grenze nach Pakistan kommen, um weiter nach
Quetta zu gelangen.
Dann war es nur noch ein Katzensprung nach Süden, an
Sukkur und Belem vorbei bis Karatschi. Wir Deutschen
brauchten kein Visum, so wie die Ceylonesen auch keines
brauchten, was alles einfacher machte. Zwischen der
iranischen und der pakistanischen Zoll- und Passstelle war ein
großer Streifen Niemandsland. Wenn jemand die
Redewendung „Am Arsch der Welt“ verwendet, dann meint er
bestimmt dieses von Gott verlassene Stück Erde.
Quetta war auch nicht besser, aber es gab zumindest ein
Hotel, das sogar den Namen „Fahra“ trug. Im ganzen
persischen Reich wurde dieser Name nicht verwendet – weder
als Hotelname noch für etwas anderes. Es war der Name der
Kaiserin.
Doch wen störte das hier? Dafür gab es in Karatschi das
Hotel „International“, in das wir uns einquartierten. Man sollte
es nicht für möglich halten, doch hier wurden wir unser Auto
los.
Mein treuer 230er wurde als Decksladung auf einen
pakistanischen „Rostkahn“ geladen und nach Colombo
gebracht, so wurde es versprochen.
Hoffentlich ging der Kahn nicht unter, denn ich war
sicher, dass alles ohne Versicherung von statten ging – dafür
aber billig.
Ein Wunder war geschehen.

Das ist der 230er Mercedes welcher uns nach Ceylon und zurück brachte……..

Das war wieder ein Kapitel aus dem Abenteuer-Buch :

Mein Traum frei zu sein

Willkommen Oktober

 Der Oktober

 

Der Oktober ist ein starker Monat,es ist mein liebster Monat im Jahr…im Oktober gibt es für mich die wichtigsten Termine….

Hier einige Termine welche für dich auch Interessant sein könnten:

https://www.bz-berlin.de/ratgeber/ueberblick-diese-aenderungen-bringt-der-oktober-mit-sich

Vör en Deef kann man de Dör tomaken, avers vor en Lögner nich.

A N D E R S [nicht] A R T I G

DER BLOG ZUM THEMA 2020-21: Andersartig. Hexen. Glaube. Verfolgung

Medienjournal Gardy Gutmann

Aktuelle News Was man verschweigt

MEINE WELT-DEINE WELT-UNSERE WELT

Zu meiner Zeit waren wir Hippies. Heute sind es Laptop Nomaden.

volksbetrug.net

Die Wahrheit erkennen

Internet-Buchverlag

Wir sind umgezogen: www.internet-buchverlag.de

Ethnosphäre

Interkulturelle Kompetenzen + Ethnologie + Kommunikation

Erlesene Bücher

"Jedes Buch eröffnet eine eigene kleine Welt!" - Ein Bücherblog

WordPress.com Apps

Apps for any screen

InSideBerlin.

FITNESS. LIFESTYLE. TRAVEL. & FOOD CULTURE. MAG.

Prinz Rupis Weblog

Der direkte Weg in den Prinzenpalast

Gourmandise

Das Auge isst mit

Indexexpurgatorius's Blog

Just another WordPress.com weblog

seppolog

Irrelevanzen aus Münster.

%d Bloggern gefällt das: