Die Lehrzeit

KAPITEL 4

Der Konditor

Die Lehrzeit in Marburg/Lahn

Die Elisabeth Kirche

Ich hatte Angst, niemals am Ziel anzukommen. Selbst der O-Bus in Marburg machte mir Angst und immer wieder musste ich mich durchfragen. Doch endlich gegen 16 Uhr, nach achtstündiger Reise, bin ich in der Konditorei angekommen! Mir wurde ein Zimmer unter dem Dach zugewiesen und ich bekam meine Arbeitsuniform sowie Verpflegung für die ganze Woche. Margarine im Becher, vier gekochte Eier, eine Dose Hering in Tomatensoße, eine Schachtel Dreiecks-Käse – streichfähig, eine kleine Salami, ein Päckchen gekochten Schinken und ein Laib Brot, dazu Blechteller, Messer, Tasse und Löffel. Das war also die Wochenration fürs Abendessen. Heißes Wasser für die Teezubereitung und den Tee gab es jeweils abends nach Arbeitsschluss.

Ich merkte sofort, dass ich nicht im Paradies gelandet war.

Am nächsten Tag musste ich mich um 7 Uhr in der Backstube melden. „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“, dieser schlaue Spruch würde mich nun die nächsten drei Jahre begleiten, da war ich mir sicher.

Für meine vierzehneinhalb Jahre durfte ich auch gleich allerhand Aufgaben erledigen. Da auch eine Bäckerei an die Konditorei angeschlossen und kein Bäckerlehrling vorhanden war, wurden mir auch diese Arbeiten anvertraut.

Das sah dann so aus: Schon um 6 Uhr musste ich in der Bäckerei sein, um die Brötchen, abgepackt in Tüten, in einem Weidenkorb auf dem Rücken per Fahrrad in Marburg-Süd auszuteilen. Gegen 8 Uhr war ich zurück und in der Konditorei tätig. Um 10 Uhr bekam ich einen Tragekorb mit Henkel, gefüllt mit Backwaren vom Vortag.

Dieses Mal führte der Weg nach gegenüber in das große Amtsgebäude. Dort verkaufte ich die Vortags-Backwaren für weniger Geld als im Laden an die Büroangestellten.

Dies dauerte eine Stunde und bis mittags durfte ich dann wieder in der Backstube arbeiten. Meine Kolleginnen und Kollegen waren sehr nett zu mir, denn ich war ja noch so jung und so weit von zu Hause weg.

Das Team bestand aus drei Konditoren, drei Bäckergesellen,drei Café-Bedienungen, zwei Verkäuferinnen und einem weiblichen Verkaufslehrling in meinem Alter. Zum Mittagessen saßen wir, soweit es ging, alle zusammen und waren mit Meister und Meisterin eine große Familie.

Hin und wieder musste jemand seinen Teller stehen lassen, um in der Backstube oder im Laden etwas zu erledigen.

Es gab fast täglich irgendein Essen, das in einem großen, schwarzen, eisernen Bräter Platz hatte und im Backofen gegart wurde. Plunderteilchen, Zimtschnecken, Hefeteilchen und alles, was die Büroangestellten im Amt nicht haben wollten wanderten in den Bräter. Manche dieser Gebäckteilchen waren nun schon drei Tage alt. Es kamen Amerikaner, dänische Plunder, Baseler Leckerli, französische Petit-Fours, oberhessische Eierwecken und sogar Weißbrot hinein.

Ich durfte einige Eier mit Milch verquirlen und über all diese zerbröckelten Süßigkeiten gießen. Auch durfte ich die Vanillesoße kochen und auf den Tisch stellen.

Der Meister spendierte ab und zu ein Glas von selbst gepflückten und eingemachten Früchten.

Am Anfang fand ich unser Essen sehr gut, doch nach einem Monat wollte und konnte ich keinen „Armen Ritter“ oder „Kirschenmichel“, wie auch immer diese Speisen hießen, nicht mehr sehen – geschweige denn essen.

War etwas von diesem leckeren Essen übrig geblieben, so kam es in den Kühlschrank und am nächsten Tag gab es dann „Kalten Hund“- so taufte unser Lehrmeister dann diese Speise.

Einmal pro Woche brachte unser Nachbar, ein Metzger, seine Formen mit Leberkäse zum Backen mit. Da war immer eine Form für uns dabei, was für ein Fest!

Frische Brötchen, dazu eine dicke Scheibe heißer Leberkäse! Mit den frischen Brötchen musste man aber aufpassen, es war uns verboten welche zu nehmen, nur die vom Tag davor waren für uns erlaubt. Einmal hatte mich der Meister erwischt, wie ich ein gerade aus dem Ofen gekommendes Plunderhörnchen in meine Schürze gesteckt hatte, um es auf der Toilette zu essen.

Es gab einen großen Krach und von da an war ich ein Dieb, zumindest in Meisters Augen. Auch achtete der Meister immer darauf, dass die Gebäckstücke so auf dem Blech oder Gitter in Reihe und Glied lagen, dass man sofort sehen konnte, wie viele es waren. Immer waren 4 mal 5 oder 9 mal 6 oder 7 mal 8 Stück auf dem Blech.

Mit einem Blick konnte er dann sehen, ob da eine Lücke war und ein Stück fehlte.

Im Herbst wurde jeder, der nicht unbedingt im Laden gebraucht wurde, in den großen Garten am Südbahnhof zum Früchtepflücken geschickt. Ich war bei jeder Aktion dabei, die nach Feierabend passierte, weil ich ja im Haus wohnte und niemand auf mich wartete.

Nach dem Pflaumenpflücken kam dann das Kochen von Pflaumenmus und auch das war meine Aufgabe. Mein Meister hatte sich einen schönen Spruch einfallen lassen, den er dann anwandte: „Du musst das nicht machen, aber wenn du etwas lernen willst, kann ich dir nur empfehlen da zu bleiben und die Sachen zu machen.“ Natürlich wollte ich lernen und meine Gesellenprüfung schaffen, also blieb ich und hielt meine Schnauze.

Da ich das Privileg hatte im Haus zu wohnen, durfte ich auch sonntags mit meinem Meister zusammen die Sahnetorten, die frischen Obsttorten, die Schnittchen, die Sahnekäsetorten und vieles mehr herstellen. Selbstverständlich war das freiwillig. Zu meinen Aufgaben gehörte auch, dass ich sonntags abends um 22 Uhr den großen Backofen anheizen durfte, besser gesagt, musste. Musste!

Wenn die Bäcker morgens um 3 Uhr kamen, hatte der Ofen die richtige Temperatur. Vergessen wir auch nicht, dass der Ofen mit Kohle-Briketts geheizt wurde. Und alle zwei Monate kam ein riesiger Laster mit diesen Briketts, die ich in den Keller schaffen „durfte“. Alles war von meinem Meister gut organisiert. Denn pünktlich um 6 Uhr morgens stand ja schon wieder meine Brötchentour mit frischen, heißen Brötchen oder Semmeln, wie andere sagen, auf der Agenda.

Von meinem Zimmer aus, das unter dem Dach lag, konnte ich durch die kleine Fensterluke das Marburger Schloss sehen. An meinem freien Tag, es konnte irgendein Wochentag oder sehr selten sogar ein Sonntag sein, wanderte ich oft zu dem Schloss. Und auf dem Rückweg gönnte ich mir in der Milchbar am Rudolfplatz einen Milchshake, so auch an diesem Tag.

Vom Schloss aus hatte man einen einmaligen Blick auf Marburg, die Elisabethkirche und bis hin zum Bahnhof. Marburg war nicht nur Universitätsstadt, sondern auch eine Garnisonsstadt. So prägten junge Leute, Studenten, Soldaten oder Handwerker wie ich, das Stadtbild. Sie waren überall zu sehen, so auch in der Milchbar, deshalb zog es mich immer wieder dorthin. Mit meinem kleinen Lehrlingslohn von gerade einmal 12 DM im Monat musste ich sehr vorsichtig umgehen. Doch für einen Milchshake, manchmal sogar mit etwas Alkohol verfeinert, konnte ich 1,20 DM ausgeben.

Da ich nicht rauchte, nicht trank und auch sonst kein Laster hatte, mich auch nicht um ein Zimmer oder Essen zu sorgen brauchte, kam ich gut zurecht.

Eine Gruppe junger Mädchen, Holländerinnen, waren auf einer kleinen Deutschlandreise. Ich kam mit einem Mädel ins Gespräch und war erstaunt, wie gut sie Deutsch sprach. Auch Englisch würde sie sprechen, sagte sie mir. Wir verstanden uns sofort. Nicht nur sprachlich, nein – da war noch etwas – es war eine Sprache, die nur Herzen verstehen. Plötzlich hatte ich einen Kloß im Hals und fing an zu stottern. Sie lachte und fragte, ob sie mich nervös machen würde. Ich bejahte und sie meinte dann, dass ich der netteste Junge sei, den sie kennen würde und sie hätte nichts dagegen, dass wir Freunde würden. Wir verabredeten uns am nächsten Tag gegen 15 Uhr vor dem Schloss, direkt unter dem Eingang des Torbogens. Ich vergaß, dass ich doch eigentlich arbeiten müsste.

Ich war verliebt und wollte Elane, so hieß die Holländerin, unbedingt wiedersehen. Ich musste sie noch einmal sehen und ihr sagen, dass wir uns schreiben und wiedersehen müssten, egal ob in Holland oder hier in Deutschland.

Am nächsten Tag erfand ich ab Mittag die heftigsten, schlimmsten Zahnschmerzen, die jemals ein Mensch haben konnte. Mein Gejammer wurde von meinem Meister erhört und ich war pünktlich um 15 Uhr unter dem Torbogen und wartete auf Elane.

Da ich das Schloss schon kannte, war ich ein guter Führer. Auch kannte ich die dunklen Ecken, in die ich sie dann führte und wir küssten uns.

Ich war fürchterlich aufgeregt! Ich weiß nicht genau, ob es wegen Elane oder wegen des erschwindelten Nachmittags war.

Ich war fünfzehn und Elane sagte, sie sei schon sechzehn. Ich glaubte ihr, denn sie brachte mir das Küssen bei.

Doch der Nachmittag verging und sie musste zurück zu ihrer Gruppe und ich in meine Backstube. Wir hatten unsere Adressen ausgetauscht und gelobten uns zu schreiben.

In Wormerveer bei Amsterdam war Elane zu Hause und ich versprach ihr, sie zu besuchen.

Das Datum ließ ich offen. Wir schrieben uns Postkarten und Briefe. Einmal schickte ich ihr ein Päckchen mit einem Mecki, einem Maskottchen, welches gerade „IN“ war und sie liebte diesen kleinen Igel.

Mich kostete es fast ein Monatsgehalt, aber was tut man nicht alles, wenn man verliebt ist.

Doch ich war ein schreibfauler Scheißkerl und beantwortete ihre Post nicht. Und somit kamen immer seltener Briefe aus Holland, bis eines Tages überhaupt keine Nachricht mehr kam.

Ich war nicht einmal traurig darüber und merkte das erste Mal im Leben: Aus den Augen ist aus dem Sinn!

Ich hatte mich dann mit der Verkaufs-Auszubildenden eingelassen und gab mein Wissen an Kuss-Technik an sie weiter. Manchmal übertrieb ich es, denn wenn sie etwas aus dem Lager holen sollte, schlich ich mich rein und wir rangelten uns auf den Mehlsäcken, küssten und befummelten uns.

Sex hatten wir nicht, aber ihr schwarzer Rock war vom Mehlstaub weiß und es gab Ärger.

Um Scherereien zu vermeiden, nahm ich mir vor, in Zukunft nichts mit Kolleginnen anzufangen.

Und? War deine Einführung ins Berufsleben auch so gelaufen?….doch es kam noch Heftiger…lies die Nächste Episode….

Der Autor von „Mein Traum frei zu sein“…………..

KAPITEL 3

Endlich in der Himat
Aus Russischer Kriegsgefangenschaft zurück

Hier kommt wieder eine Episode aus dem Buch „Mein Traum frei zu sein“ Ich freue mich dass auch du wieder hier bist, und das nächste Kapitel lesen möchtest.

Ich lernte meinen Vater kennen.

Wir lebten schon über fünf Jahre in diesem kleinen Bauerndorf, da passierte etwas ganz Besonderes, sehr Aufregendes.                                                                                                 Mein zwölfter Geburtstag war gerade vorbei, es muss also im November 1953 gewesen sein. Schon seit Wochen wusste Mutter vom Roten Kreuz, dass Vater aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassen,und auf dem Weg von Sibirien nach Deutschland war. Das hieß, dass er zu jeder Zeit hier bei uns hätte eintreffen können.

Mutter war sehr nervös und konnte den Moment kaum erwarten. Dann war der Tag da, ich stand meinem Vater bewusst, zum ersten Mal gegenüber und er nahm mich in seine Arme. Da war er nun, in einem Watte gefütterten, abgesteppten, zerschlissenen, russischen Wintermantel, einer grau-grünen Hose, in Schuhen mit Gamaschen und auf dem Kopf trug er eine russische Pelzmütze. Von nun an hatten mein Bruder und ich einen Vater und Mutter wieder einen Mann.                                          Sehr schnell fand Vater in einer Eisengießerei im größeren Nachbarort eine Arbeit. Ab jetzt gab es jeden Sonntag Schnitzel oder panierte Koteletts auf den Tisch. Vater verbot Mutter, ihm auch nur einmal eine Suppe vorzusetzen. Seiner Meinung nach hatte er in der sibirischen Gefangenschaft genug Wasser mit Gras bekommen. Daneben war, nach Vaters Erzählungen, in der so genannten Suppe nichts weiter drin. Vater sprach sehr wenig über den Krieg und seine Gefangenschaft. Doch auch die wenigen Geschichten, die er hin und wieder preisgab, waren schockierend genug. So viele Jahre in einem russischen Silberbergwerk in Sibirien als ehemaliger deutscher Feldwebel zu Zwangsarbeit verurteilt zu sein, das war Hölle pur. Stalingrad hatte er überlebt, auch die Gefangenschaft, nun wollte er nur nicht mehr an diese Zeit erinnert werden. Damit Vaters Arbeitsweg nicht so lang war, zogen wir in den Nachbarort. Mein Bruder machte seine Lehre in derselben Fabrik, in der Vater arbeitete. Ich musste auch noch einmal die Schule wechseln.

Aber die Zeit kam, wo auch ich eine Lehre beginnen sollte. Mein letzter Schultag war im April 1956. Mit meinen 14 ½ Jahren und nach den 8 Jahren Volksschule – so hieß das früher – war ich nun reif für das Arbeitsleben, wie es die Erwachsenen nannten. Meine Eltern wollten mich auch in der Gießerei, in der Vater und mein Bruder arbeiteten, als Schlosserlehrling anmelden. Doch ich hatte andere Vorstellungen von meiner beruflichen Laufbahn. Ich wollte zur See fahren – ein Seemann wollte ich werden. Die Welt wollte ich sehen, nach Hawaii wollte ich, den Mädchen hatte ich doch versprochen, dass ich die eine oder die andere mit nach Hawaii nehmen würde. Ich war mir noch nicht sicher welche, aber das hatte ja auch Zeit. In die Fabrik zu Vater und Bruder – unmöglich!

Schon als kleiner Junge, und damit meine ich wirklich klein, war es mein Wunsch, als Schiffskoch die Welt kennenzulernen. Und nun sollte ich in diese Fabrik? Absolut undenkbar! Da gab es nur noch dieses winzige Problem: Wie wird man Schiffskoch? Meine Eltern waren von meiner Idee nicht angetan und wollten überhaupt nichts von der Seefahrt wissen.                                                                                 Eine Kochlehre dagegen sei eine weise Entscheidung, denn auch in schlechten Zeiten hätte ich dann immer etwas zu essen. Es gab viele Diskussionen und Tränen wegen dieses Themas, doch mein Entschluss stand fest: Ich werde Schiffskoch! Beim Arbeitsamt, es gab noch keine Jobcenter, hatten Mutter und ich einen Termin bei einem Berufsberater, so nannte sich der Herr.                                                                              Ich erinnere mich noch heute an den Herrn Berufsberater: Ein viel zu klein geratener Beamter an einem viel zu großen Schreibtisch. Dieser Mann fragte also, was wir wissen wollten. Und ich erklärte ihm direkt, dass er mir nur zu sagen brauchte, wie man Schiffskoch werden kann. Erstaunt antwortete er, dass dies nicht sein Gebiet sei. Aber zumindest wusste er, dass mir eine Seemanns Heuerstelle weiter helfen könne. Er selbst jedoch könnte mir eine Stelle als Kochlehrling verschaffen, wenn ich wollte.                                                              Natürlich wollte ich, man musste doch zuerst eine Lehre machen, um dann auf einem Schiff auszumustern. Als ausgelernter Koch wäre der Weg dahin frei. Also unterzog mich der Herr Berufsberater noch einem Eignungstest, so nannte er seine blöden Fragen. Unter anderem gab es diese: Wenn ein Gast an einem Freitag ein Fleischgericht bestellen würde, was hätte ich zu tun? Ich antwortete ihm, dass ich alles tun würde, den Wunsch des Gastes so gut ich es könnte zu erfüllen. Beim Berater machte sich Entrüstung breit, meine Antwort wäre total falsch. Ich müsste dem Gast eine Eierspeise oder ein Fischgericht empfehlen, da ein Christ an einem Freitag kein Fleisch essen dürfe. So verlange es die Religion! Mir wurde klar, dass ich noch viel zu lernen hätte, bevor ich die große, weite Welt verstehen würde. Und es wurde ein neuer Termin gemacht. Zwei Wochen später teilte man uns mit, dass es keine Stelle als Kochlehrling gäbe. Aber eine Ausbildung als Konditor könnte man mir vermitteln. Und so geschah es.

Alle waren der Meinung, dass Konditor und Koch am Ende auch nicht so weit auseinander lägen und ich bei der Seefahrt die gleichen Chancen hätte. Und so begann ich eine dreijährige Konditor-lehre in Marburg an der Lahn. Zu Hause wurde mit Vater noch einmal alles besprochen. Und an einem Sonntag, Vater hatte arbeitsfreie, fuhren er, Mutter und ich in unserem 500er Fiat die 80 km nach Marburg, um meine neue Lehrstelle zu besichtigen und den Lehrvertrag zu unterschreiben. Der Sonntag war auch deshalb ein günstiger Tag, weil das Konditorei-Café natürlich geöffnet war – gerade dieser Wochentag war der beste der Woche für eine Konditorei. Viel später erst merkte ich, was es hieß, immer sonntags arbeiten zu müssen. Aber so weit dachte ich damals nicht. Ich freute mich einfach über den unterschriebenen Lehrvertrag.

Der 1. April 1956 wurde als mein erster Arbeitstag vereinbart und in Vaters 500er Fiat ging es wieder zurück nach Hause. Nach der Heimfahrt war ich wie immer froh, aus dem Auto aussteigen zu können. Ich mochte dieses Transportmittel überhaupt nicht. Immer kam ich mir vor, als säße ich in einer Blechdose mit Rädern. Meist musste ich hinten sitzen, direkt über dem kleinen heulenden Motor. Und jedes Mal, wenn Vater schaltete, fühlte es sich an, als bekäme ich irgendwelche Splitter in meinen Hintern, denn Vater schaltete mit Zwischengas. Ich war froh, dass ich die nächste Zeit nicht mehr mitfahren musste.

Zum Lehrbeginn reiste ich mit der Bahn nach Marburg. Mutter packte mir ein blaues Pappköfferchen mit meinen Sachen voll und erklärte das Köfferchen nun zu meinem Eigentum. Von nun an hatte ich also einen eigenen Reisekoffer – wer kann das mit knapp 15 Jahren schon von sich behaupten? Ich war sehr stolz auf mich und meinen blauen Pappgefährten. Auf mich allein gestellt – in einem Zug – meine erste Reise überhaupt – auf dem Weg in die Fremde – es war ein unbeschreibliches Gefühl. Keine Eltern in der Nähe, die einem immer vorschrieben, was man darf und was nicht.                                                                                                                                                    Ich hatte die Freiheit und konnte nun tun und lassen, was ich wollte so dachte ich! Doch schon auf meiner ersten Reise musste ich feststellen, dass das Auf-sich-allein-gestellt-Sein gar nicht so einfach war.                                                                              Um 8 Uhr fuhr ich von zu Hause los, musste dreimal umsteigen und immer wieder Fahrgäste oder Bahnpersonal fragen, mit welchem Zug ich weiter fahren oder welches Gleis ich nehmen musste……

  fiat-500

                                                 Vaters erstes Auto, ein Fiat 500.

Dies war sozusagen meine erste große Reise,zu dieser Zeit wusste ich nicht wie viel Reisen noch kommen würden…

Verpasse die nächste Folge von „Mein Traum frei zu sein“nicht….

KAPITEL 2

Die Vertreibung aus der Heimat


Mit der Geburt fängt bekanntlich alles an. So war es auch
bei mir, in meiner Geburtsurkunde steht, dass ich am 30.10.
geboren bin. Ich weiß nicht mehr, bei welcher Gelegenheit mir
meine Mutter diese kleine Geschichte erzählte: Geboren bin
ich tatsächlich am 31.10. um 0:12 Uhr – also kurz nach
Mitternacht. Doch die wohl weit vorausblickende Hebamme
ließ die Papiere auf den 30.10. zwölf Minuten vor Mitternacht
ausstellen. Ihre Begründung war ganz einfach: In meinem
späteren Leben würde ich bestimmt mit Freunden meinen
Geburtstag feiern wollen. Der 31.Sei jedoch ein Gedenktag
ohne Musikveranstaltungen (so war es damals) und somit wäre
auch jegliches Feiern verboten. Damit ich jedoch meine
Geburtstage am 30. schön feiern und am nächsten Tag lange
ausschlafen könnte, gab es deswegen den kleinen Schwindelnatürlich nur zu meinem Vorteil. Meine Mutter hatte wohl
nichts dagegen und mich hatte man nicht gefragt. Aber ich bin
mir sicher, ich hätte zugestimmt. Ob das ein gutes Omen für
mich war, wird sich noch herausstellen.
Meine Ankunft auf dieser Welt war für meine Mutter, ich
hoffe es, ein freudiges Ereignis. Es war gewiss eine harte Zeit
für sie, denn mein Vater war Soldat im Krieg und kämpfte
immer noch im Glauben an den großen Sieg gegen Russland
und den Rest der Welt. Mit mir und meinem fünf Jahre älteren
Bruder waren drei hungrige Mäuler zu stopfen. Ein Krieg, wo
auf der Welt er auch stattfindet, bringt für niemanden ein
angenehmes Leben. Für eine Alleinstehende mit zwei Kindern
ist es ein Kampf um das tägliche Überleben. In der heutigen,
schnelllebigen Welt vergisst man das sehr schnell. Von den
Alten hat kaum einer unser „Kriegsleben“ vergessen. Heute
wundert man sich nur darüber, wie viele Kriege es immer noch
auf unserem Globus gibt.
Der Zweite Weltkrieg endete, und somit auch die
Berechtigung für meine Familie in unserer Heimat, dem
Riesengebirge, zu bleiben. Die Tschechen gaben Mutter sechs
Stunden Zeit zu packen, auch durfte sie großzügig 30 kg an
Hab und Gut mitnehmen, soweit sie mit einem Vierjährigem
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und einem neunjährigem Kind überhaupt noch Gepäck
mitnehmen konnte. Es war ein verlorener Krieg und ich
musste dem Rübezahl und der Schneekoppe ade sagen, ohne
beides jemals gesehen zu haben.
Ein Zug mit Viehwaggons stand schon bereit, dieses Mal
jedoch nicht fürs Vieh, sondern für uns. Ich schätze, mehr
waren wir zu dieser Zeit für die Tschechen auch nicht wert.
Als Vierjähriger hatte ich noch nicht begreifen können, was da
passierte, aber in meinem Gedächtnis ist mir noch Einiges in
Erinnerung.
So habe ich zum Beispiel Erinnerungen an die Zugfahrt
und auch an das Haus, in dem wir vorher wohnten. Vom Haus
aus musste ich über eine Brücke, die über ein kleines Rinnsal,
die „Aupa“, führte, um zu einem Bäcker zu kommen. Da
Deutsche nur mit Marken einkaufen konnten, schickte man
mich los, weil ich vom tschechischen Bäcker meine Buchteln
auch ohne Marken bekam. Wer kann einem kleinen, blonden
Jungen schon etwas verbieten oder ihn gar aus dem Laden
schmeißen? Zumal man weiß, dass er hungrig ist. Auch ein
Tscheche kann das nicht. Der Zug brachte uns nach Hessen, in
ein „Flüchtlingslager“, in dem eine Registrierung stattfand.
Danach wurden wir in ein kleines Dorf gebracht, einquartiert
als Untermieter bei ganz netten Bauern, ob die das wollten
oder nicht.
Hier wuchs ich durch Mutters Fürsorge, die schützende
Hand meines Bruders und die Mithilfe des Bauern und der
Bäuerin zu einem kräftigen Jungen heran. Die Bäuerin, in ihrer
typisch hessischen Tracht, mit dem bunt besticktem Kopftuch,
das sie immer trug, dem schwarzen Rock, der Bluse und den
Wollstrümpfen, machte mir richtig Angst. Sie sah dann aus,
wie ich mir eine Hexe vorstellte.
Der Bauer dagegen war mit seinem von der Arbeit
gekrümmten Rücken noch ganz flink und erinnerte mich an
einen Riesen, wenn er so vor mir stand und auf mich herab
sah. Doch es waren ganz liebe Menschen und ich bekam fast
alles, was ich wollte, wenn sie es hatten.
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Wenn im Herbst die Sau geschlachtet wurde – oder
manchmal waren es schon mal zwei – war es für mich immer
ein Fest. Dann gab es eine kleine Blutwurst und Leberwurstextra für mich. Diese durfte ich auch alleine essen. Natürlich
gab ich meinem Bruder auch etwas davon ab. Der Bauer sagte
mir, dass dies dafür sei, weil ich immer die kleinen Kartoffeln
aufsammeln würde, nachdem die Erntehelfer fertig waren. Ich
durfte die selbst gesammelten Kartöffelchen immer behalten
und gab sie dann an Mutter weiter. Egal, es waren meine
Würste! Die Teile vom Schwein wurden im großen Kessel, in
dem sonst an Samstagen unser Badewasser vorbereitet wurde,
gebrüht und gekocht. Das Gleiche wurde auch mit den
Würsten gemacht.
Das alles ergab eine wunderbare Metzelsuppe, die Mutter
bekam und für uns Buben dann die ganze Woche reichte. Je
mehr Würste platzten, desto besser wurde die Suppe. Nach der
traurigen Vertreibung aus unserer Heimat fühlte ich mich hier
bei den Bauern sehr wohl und vergaß die Reise im
Viehtransporter sehr schnell.
Hier war einfach der Himmel auf Erden, besonders an
dem Tag, an dem die Bäuerin Brot buk – da war immer so ein
extrakleines, frisches Brot für mich dabei.
Abends roch es bei den Bauern immer so gut nach
Bratkartoffeln, Speck und gebratenen Eiern. Welcher stets
hungrige Junge kann da widerstehen? Rein zufällig ging ich
dann gerade an der immer offenen Küchentür vorbeiselbstverständlich nur so schnell, dass ich auch sicher sein
konnte, von der Bäuerin gesehen worden zu sein. Sie fragte
mich dann immer, ob ich denn hungrig sei- natürlich war ich
es! Und so bekam ich abends meine Bratkartoffeln mit Speck
und Ei.
Dann kam die Zeit, als ich eingeschult wurde. In meiner
Schulzeit passierte nichts Aufregendes- ich schwamm immer
in der Mitte mit. Da wir in einem kleinen Dorf waren, hat man
die ersten vier Jahrgänge zusammengelegt und trotzdem waren
wir nur 18 Mädchen und 6 Jungs. Auf die Frage, was ich
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einmal werden möchte, war meine Antwort immer ganz klipp
und klar: Schiffskoch.
Fast allen Mädchen versprach ich, dass ich sie nach
Hawaii mitnehmen würde und natürlich überall dahin, wo
auch das Schiff hinfahren würde.
Ganz schnell war ich der Liebling aller Mädels, denn sie
wollten alle nach Hawaii! Dafür brauchte ich fast nie die
Hausaufgaben zu machen, denn das erledigten meine
Freundinnen. Das ging gut, bis eines Tages der Lehrer dahinter
kam und ich mich daraufhin über einen Stuhl beugen musste
und Stockhiebe auf meinen Allerwertesten bekam.
Doch da ich immer aus ökologischen Gründen
Lederhosen trug und Mutter meinte, die gingen nie kaputt,
merkte ich keinen Schmerz. Nur das Gelächter der Klasse
hörte ich. Manchmal drehte der Lehrer einem die Haare an der
Schläfe zusammen, das tat höllisch weh. Hin und wieder gab
es auch Schläge mit einem Stöckchen auf die Finger.
Ich hatte mir einmal die Finger in der Klapptüre zu den
Jungen-Toiletten geklemmt.
Diese Toiletten waren so konstruiert, dass man an die
Wand pinkeln musste und der Urin verschwand dann in einer
Ablaufrinne. Dort war diese Pendeltüre, so dass man nicht
direkt zum Urinal sehen konnte. In eben dieser Pendeltüre
quetschte ich mir die Finger.
Zu Hause behauptete ich anschließend, dass dies vom
Stöckchen des Lehrers kam. Nach einer kurzen Ansage meiner
Mutter in der Schule gab es von diesem Tag an für niemanden
mehr die Finger-Strafe.
Eines Tages bekam jeder Schüler ein kleines Päckchen
mit der Aufschrift „Gift“. Ob uns da jemand umbringen
wollte? Keiner von uns machte auch nur Anstalten sein
Päckchen zu öffnen, denn wir wussten ja, was Gift ist.
Irgendwie hatte ich im Hinterstübchen das Gefühl, dass
irgendein Ungeheuer mich umbringen wollte. Ich hörte
sozusagen Sirenen-Geräusche und Alarmglocken. Doch unser
Lehrer klärte uns auf, dass das Wort Gift englisch sei und im
Deutschen mit „Geschenk“ übersetzt wird. Das war mein
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erstes englisches Wort. Ich war richtig stolz und gab bei
meinem Bruder an, dass ich Englisch sprechen könnte. In
meinem Päckchen waren wunderbare Naschereien drin, zum
Beispiel Schokolade, Bonbons, Kekse, Milchpulver, Kakao
und zwei Orangen.
Da ich diese bis zu dem Zeitpunkt nicht kannte, wollte ich
sie mit der Schale, wie einen Apfel, essen. Der Lehrer erklärte
mir, dass man die Schale entfernen muss. Das Päckchen für
mich kam aus Holland von einer Dame, der ich einen
Dankesbrief schrieb. Doch ich habe nie etwas von der
besagten Dame gehört. Wahrscheinlich hatte ich mit meinem
Dank zu lange gewartet.
Zur Schule gab mir meine Mutter mit Marmelade
geschmierte Pausenbrote mit. Die Bauernkinder hatten ihre
Brote mit Butter und Schinken oder mit hausgemachter Wurst.
Irgendwann hatte ich einem gut genährten, ich will nicht
sagen fettem, Bauernbuben mein Marmeladenbrot so
schmackhaft gemacht, dass er es unbedingt tauschen wollte.
Natürlich spielte ich ihm etwas vor und nur nach meinem
allergrößten Zögern tauschten wir dann unsere Pausenbrote.
Auch heute noch bin ich davon überzeugt, dass dies die besten
Schinkenbrote aller Zeiten waren!
Durch irgendwelche Vorurteile bekam ich keinen
richtigen Anschluss an meine Mitschüler. Deren Eltern gaben
die Auffassung weiter, dass die aus dem Osten, also die
Flüchtlinge und Heimatvertriebenen, genauso ein „Gesindel“
und „unnützes Volk“ seien wie die Zigeuner – Sie alle sollten
besser wieder in den Osten zurückgehen.

KAPITEL 1

Mein Traum frei zu sein 

Für einige Sekunden dachte ich, es sei eine Täuschung, aber es war bittere Tatsache! Durch ein Bullauge konnte ich in eine Kabine sehen und bemerkte zwei Kinder, die verzweifelt versuchten, das Bullauge zu öffnen. Hinter ihnen standen die Flammen schon so hoch, dass sie durch die Tür nicht mehr konnten, doch wo wollten sie auch hin? Der ganze Teil des Schiffes brannte schon.                                                                                                                                    Das Bullauge wäre die letzte Rettung, dachten sie wohl, doch das war eine Falle, denn diese Art von Fenstern konnte man nicht öffnen. Man bräuchte schon einen harten Gegenstand, einen Hammer oder eine Axt, was sie aber nicht hatten. Die Kinder saßen in einer tödlichen Falle und würden lebendig verbrennen. Es waren nur Bruchteile einer Sekunde und ich war am Bullauge vorbei und im Wasser. So sehr ich mich bemühte am Tampen wieder hochzuklettern, es ging nicht, ich hatte die Kraft nicht mehr. Mein Schreien nach oben zu den noch an Bord gebliebenen Offizieren verhallte im Nichts. Ein jeder war mit sich selbst zu beschäftigt, viele riefen irgendwelche Namen oder laute Fragen klangen durch die Luft. Im Wasser bemerkte ich, dass ich keine Schwimmweste hatte.                                                                                                                          Das erste Mal in dieser Nacht hatte ich Angst. Nicht dass ich nicht schwimmen konnte, die Angst war eine andere, denn schwimmen konnte ich gut. Die Kinder vor meinen Augen machten mir Angst! Ich wusste, dass ich diese Bilder ein Leben lang nicht verdrängen oder auslöschen könnte. Ich hatte das schlechteste Gewissen, das man auf dieser Welt nur haben konnte! Doch wusste ich auch, dass ich nicht helfen konnte. Die ganze Nacht hatte ich irgendwelchen Erwachsenen geholfen in die Boote zu steigen, hatte ihnen Schwimmwesten angelegt. All diese Menschen wären allein dazu in der Lage gewesen.                                                                             Doch diese Kinder – hat die niemand gesehen? Vermisste denn niemand seine Kinder? Waren die Eltern etwa tot? Warum? Warum diese Kinder? Ich hatte auf diese Fragen keine Antworten. 14 Später beruhigte ich mein Gewissen damit, dass ich nach dem Unglück niemals gehört habe, dass zwei Kinder vermisst oder bei diesem Unglück umgekommen seien. Doch die Albträume kommen noch bis heute. Ich berührte einen Gegenstand. Es dauerte eine Weile, bis ich merkte, dass es ein Mensch war. Ich merkte auch, dass es ein toter Mensch war. Doch er konnte mein Leben retten, denn dieser Mensch hatte eine Schwimmweste an. Ein Toter braucht keine Schwimmweste, also zog ich sie ihm aus und mir an. Mein toter Lebensretter verabschiedete sich ohne Weste sehr schnell. Nun musste ich sehen, dass ich zu einem Rettungsboot kam, denn ewig konnte ich auch nicht im Wasser bleiben. Doch so sehr ich mich auch bemühte, ich sah überhaupt nichts außer der brennenden „Lakonia“ oder was noch von dem stolzen, weißen Ozeanliner übrig war. 

                                                                                                  Die „TSMS LAKONIA“           

                                                           Die brennende „TSMS LAKONIA“                                                                                                             Es musste doch Hilfe geben: Ein Rettungsboot muss mich doch sehen, jemand muss doch mein Rufen hören. Andere Schiffe sind doch auch schon in näherer Umgebung und suchen nach Überlebenden. Es war nicht hell und auch nicht mehr dunkel, trotzdem war meine Sicht nicht gut genug, um etwas zu erkennen.                                                                                                                 Lange könnte ich es in diesem kalten Wasser nicht aushalten, schnell würde ich unterkühlen. Den coolen Typen von heute Nacht, der ich vor ein paar Stunden noch war, den gab es nicht mehr. Ich hatte jetzt doch ganz normale Angst, Angst, dass man mich nicht sehen und finden könnte. Irgendetwas hatte ich gesehen, einen Gegenstand, den ich nicht identifizieren konnte – noch nicht. Meine Sinne täuschten mich schon und ich sah Dinge, wo keine waren. Ich musste mich zusammenreißen, nur nicht schlappmachen.                                                                           Schwimmen war zwecklos denn wo sollte ich hin, wenn ich nicht wusste, wo ich war? Einfach über Wasser bleiben! Zurück zur #Lakonia“ wäre auch keine Lösung, denn die könnte mit einem Knall im Meer verschwinden und mich mitnehmen. Plötzlich fiel mir dieser blöde Witz ein: Zwei Freunde schwimmen in einem See und wetten um einhundert Mark, 15 wer zuerst das gegenüber liegende Ufer erreichen würde. Der Sieger hätte das Geld gewonnen. Genau in der Hälfte des Sees sagt der eine Freund zum anderen, dass er nicht mehr weiterschwimmen könne und er umkehren würde… So ungefähr kam ich mir vor- sollte ich umkehren? Nur wusste ich nicht, wo bei mir die Hälfte war. Positiv denken, es wird schon in Ordnung gehen! Einfach daran glauben, dass alles gut ausgehen wird.                                                                                                                    Der Gegenstand von vorhin war neben mir, aber ich konnte nicht erkennen, was es war. Es war größer als ich, kein Fisch und auch kein Hai. An Haie hatte ich bis eben nicht gedacht, doch nun kamen Gedanken, dass es doch welche geben könnte. Ich musste an den Toten denken, dessen Schwimmweste ich jetzt anhatte. Würde sie mir mehr Glück bringen als ihm? Bis jetzt hatte ich doch Glück, wenn man das Erlebte so nennen darf. Ich strampelte weiter, damit mein Blut in Bewegung blieb. Was war das? Ich spürte etwas und nun sah ich es auch. War es ein Fass? Eine Art Tonne? Jetzt war etwas über mir. Es waren Holzbretter. Nach näherem Untersuchen stellte sich heraus, dass es eine Art Floß war. Wo kam plötzlich dieses Ding her, ausgerechnet zu mir. In schlechten Filmen kam so etwas vor, da waren plötzlich Sachen, die gar nicht da sein durften. Aber wie konnte ich auf dieses komische Teil aufsteigen? Ich spürte Eisenrohre, Wasserleitungsrohre, auf denen Holzbretter befestigt waren. Ich löste meinen Gürtel, legte die Schnalle um eines der Rohre und machte eine Schlaufe, so dass ein Steigbügel entstand. Nun konnte ich mit einem Fuß Halt finden und mich auf dieses seltsame Objekt schwingen. Tatsächlich war es ein Floß. Es war das Arbeitsfloß von unserem Schiff. Die Matrosen benutzten es, wenn am Schiff kleinere Außenreparaturen und Malerarbeiten nötig waren. Zum Beispiel, wenn die Hafenschlepper das Schiff an die Hafenpier drücken mussten, gab es von den alten Reifen, die am Bug der Schlepper befestigt waren, diese unschönen, schwarzen Reifenabdrücke. Diese wurden dann mit weißer Farbe von diesem Floß aus überpinselt. Es war eine simple Konstruktion: vier leere  Ölfässer, verbunden mit Wasserrohren, darauf Bretter befestigt und eine kleine Reling wieder aus Wasserrohren. Das war es auch schon. Doch für mich war es erst einmal Rettung – die Zweite heute. Erst war es die Schwimmweste des Toten und nun dieses Stück Insel. Meine Insel lag sehr hoch über dem Wasser, somit konnte ich etwas besser die Umgebung sehen. Außer der brennenden „Lakonia“ sah ich in weiter Ferne andere Schiffe. Ein Passagierschiff, einen Tanker und sogar ein Kriegsschiff konnte ich erkennen. Doch Einzelheiten konnte ich nicht sehen. Der Nachteil, einen Platz etwas über dem Meeresspiegel zu haben war, dass ich durch den Wind zu schnell abgetrieben wurde. Trotz allem war ich mit mir und meiner Situation zufrieden. Die „Lakonia“ brannte nun schon einige Stunden und hin und wieder hörte ich kleinere Explosionen. Der Tag war angebrochen und ich merkte, dass ich immer weiter abdriftete.                                                                                                              Gegen Mittag hatte mich noch niemand entdeckt und mein Mut wechselte zu einer kleinen Depression. Immer wieder musste ich mir vor Augen halten, dass ich am Leben und nicht wie so viele, dem nassen Tod erlegen war. Das Wetter war durchwachsen, aber nicht richtig kalt für diese Jahreszeit. Sonne, Wolken und eine leichte Brise waren für meine nackte Haut angenehm. Die nassen Klamotten hatte ich ausgezogen und sie trockneten nun an der oberen Rohrstange meines Rettungsgeräts. Hoffentlich hielt das Floß seine Stabilität, bis man mich fand. Ich war mir sehr sicher, dass dies noch vor Sonnenuntergang passieren würde. Wie heißt es doch: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Man muss einfach nur daran glauben! Die Kleidung trocknete schnell und ich konnte mich wieder anziehen. Ich hatte keine Angst, dass mich jemand nackt sehen würde – hier war absolut niemand, der mich sehen konnte – obwohl ich mir nichts mehr als das wünschte. Es wurde kälter, deswegen war ich froh wieder trockene Kleider am Leibe zu haben. Da ich keine Schuhe mehr hatte, ließ ich auch die nutzlosen Socken über Bord gehen. Meine Windjacke hatte ich noch an Bord einer 17 Passagierin gegeben. Immerhin hatte ich noch meine Jeans und mein T-Shirt. Es muss kurz vor dem Eintreffen der Dunkelheit gewesen sein, ich war wohl eingeschlafen und hatte das Gefühl für die Zeit verloren, da weckte mich das Geräusch von Flugzeugmotoren. Doch sehen konnte ich keines. Mir gingen viele Gedanken durch den Kopf, das Angstgefühl wurde zu einem Zustand. Durst und Hunger meldeten sich immer stärker, geschlafen hatte ich wohl ein paar Stunden, was mir gut tat. Ein blöder Spruch kam mir wieder in den Sinn: Durst ist schlimmer als Heimweh. Heimweh hatte ich zwar keines, aber den Wunsch gesehen zu werden und einen enormen Durst.                                                                                     Auf der „Lakonia“ war so viel Proviant, der wohl mit ihr auf den Grund des Atlantiks sinken würde. Hätte ich mir doch auch etwas eingesteckt, so wie die Leute in der Küche, bevor sie nach draußen zu den Booten rannten. Die meisten würden inzwischen auf einem Schiff sein und die Retter würden ihnen ein leckeres Essen und Getränke serviert haben. Sie tranken Grog oder Whisky, Tee mit Rum oder heiße Schokolade und ganz bestimmt einen starken Kaffee. Was gäbe ich um ein Glas Wasser und ein trockenes Brötchen. Auch wenn es vom Vortag normalerweise im Müllschlucker gelandet wäre – für mich in dieser Situation eine Delikatesse. Meine Gedanken schweiften wieder ab: Auf Teneriffa, in meiner Stamm-Bar, wo der erste Sous-Chef und ich bei den letzten Reisen ein kleines Geschäft angekurbelt hatten, würden der Barmann und der Patron vergeblich auf uns warten. Auf jeder Reise gab es die berühmten Welcome- und FarewellPartys. Auf diesen speziellen Abendessen war Kaviar Pflicht. Eine 2kg-Dose feinsten Beluga-Kaviars wurde pro Party vom Proviantmeister freigegeben. Ein aus Eis geschnitzter Vulkanberg, der den Teide auf Teneriffa darstellen sollte, war immer auf dem Buffet und in den Krater kamen dann diese 2 kg Kaviar. Niemand beschwerte sich – wusste doch keiner, 18 dass im Krater nur ein Kilo dieser feinen Körner war. Zweimal ein Kilo macht zwei und diese zwei Kilo wurden dann von mir an Land geschmuggelt. Dem Küchenchef oder dem Proviantmeister wäre nie in den Sinn gekommen, dass das Personal so klaute.                                                                                         An Land, in unserer Bar, gab es dann für diesen Kaviar Bares – Dollar oder Peseten. Und für Peseten gab es Senhoritas und reichlich CubaLibre. Auf Rum-Cola und die Senhoritas musste ich erst einmal verzichten. Im Moment hatte ich nur Hunger und Durst. Es war zwei Reisen her, da hatte ich wie immer die Aufgabe, die besagte 2kg – Dose an Land zu schmuggeln, was mir auch gelang. Doch hatten wir nicht gewusst, dass unsere Bar Betriebsferien hatte und geschlossen war. Den Kaviar zurückzubringen war sinnlos, das Risiko entdeckt zu werden war zu groß. Also versuchten wir unsere Ware bei der Konkurrenz unterzubringen, was ohne Erfolg war. Also blieb nur noch der eigene Verzehr übrig. Wer schon einmal so dumm war und Kaviar aus Suppentassen und mit Suppenlöffeln gegessen hat, der weiß, wovon ich spreche. Und der weiß auch, mit welchen Bauchschmerzen ich zu kämpfen hatte. In meinem Bauch brannte ein Feuer, das nicht einmal mit viel, sehr viel Cuba-Libre zu löschen war. Obwohl wir schon einige Damen zu unserer Kaviar Party eingeladen hatten, konnten wir unsere Schandtat nicht vollständig vernichten. Den Rest des „Fischeier-Dinners“ gaben wir den noch Anwesenden im Lokal und begaben uns an Bord. Ich glaubte, die winzigen Störeier hatten sich zu Enteneiern entwickelt, so fühlte es sich in meinem Magen an. Auch die zehn Liter Wasser, die ich noch in der Nacht trank, konnten den Brand nicht löschen. Bis Mittag brauchte ich, um den Kaviar ruhigzustellen.                               Ich schwor mir, dass ich nie wieder auch nur ein Gramm von diesem Zeug zu mir nehmen würde. Alles keine schönen Gedanken, wenn man Hunger hat, durstig und müde ist, und höllische Angst hat. Ich hämmerte mir immer wieder ein, dass ich doch noch am Leben sei. Doch in meinen Gedanken kamen immer mehr schwarze Löcher.                                                          Die Realität holte mich aus meinen halbwachen Träumen. In der einen Hälfte meiner Fantasie sah ich ein Schiff auf mich zukommen. Doch die andere Hälfte versagte und gaukelte mir vor, ich sei im Himmel. Allerdings wollte man mich dort nicht haben und warf mich hinaus. Ich fiel vom Himmel in einen riesengroßen Trichter, der mich immerzu im Kreise herumwirbelte und mich dann mit gurgelnden Soggeräuschen in ein brodelndes Meer entließ.                                              Es war meine Mutter, die mich aus diesem Hexenkessel herausholte und mir das Leben schenkte. Ein Film lief an mir vorüber, der genau zu meiner Geburt anfing. Ich fand es komisch, dass ich meine Ankunft auf dieser Welt so sehen konnte, wie es wirklich war ……….            Also,bis zur nächsten Episode…                                                               Euer Hippie Guru 

KAPITEL AUS DEM ABENTEUER-BUCH

Hier werden aus dem Abenteuer-Buch „MEIN TRAUM FREI ZU SEIN“ Spannende Episoden in deutscher Sprache erscheinen. Du kannst praktisch das ganze Buch von  635 Seiten umsonst lesen……und die dazugehörigen Bilder sehen…

PROLOG

 Das Umfeld, die Zeit sowie den Ort seiner Geburt kann sich niemand aussuchen. Es ist, wie es ist! 

Zweimal im Leben sind wir Menschen alle gleich: einmal bei der Geburt und später noch einmal: Wenn die lieben Hinterbliebenen in Tränen ausbrechen, weil sie einen geliebten Menschen verloren haben – oder vor Wut, weil es nichts zu erben gibt.    Dazwischen liegt das, was wir Leben nennen. Können wir selbst unser Leben beeinflussen? Wie können wir den richtigen Weg erkennen und dazu beitragen, ihn zu gehen?

 Es gibt bestimmte Situationen im Leben, da ist es sehr schwierig, den richtigen Weg zu begreifen. Wir dürfen nie aufhören danach zu suchen. Der eingeschlagene Weg ist unser Ziel. Je weiter wir im Leben vorankommen, desto näher kommen wir an unser vermeintliches Ziel oder wir gehen unter, was heißen würde, dass wir uns entfernt haben. Das Leben bietet viele verlockende Angebote und entweder haben wir selber die Kraft zu entscheiden oder wir haben sie nicht. 

Es werden keine „bösen“ Menschen geboren. „Böse“ oder „Gut“ wird der Mensch erst durch die Umwelt, also durch dich und mich. Zu bedenken ist auch, dass der Mensch das leichteste zu manipulierende Geschöpf auf Erden ist. Ich glaube, dass Tiere nur zwei Triebe haben, die Selbsterhaltung und Arterhaltung. Natürlich haben wir Menschen diese Triebe auch, doch das Gefährliche bei uns Menschen ist, dass weitere Triebe dazu kommen. Die gefährlichsten zwei sind der Egoismus und der Fanatismus. Der Autor war sicherlich kein „Engel“. Er hat viel nutzlosen und gefährlichen „Müll“ in seinem Leben fabriziert. Doch wird man erkennen, dass eine Schulbildung und ein Elternhaus viel dazu beitragen können, wie ein junger Mensch seine Zukunft meistert. Genau das möchte der Autor hervorheben. Es geht nicht immer darum, was man selber will, sondern dass es ein Miteinander gibt, was man schon im Kindesalter lernen sollte! Später im Leben heißt es dann,  tolerant zu sein. 

Wer diese Fähigkeit mit auf seinen Lebensweg nimmt, ist schon ein halber Sieger. Es ist eine Warnung an junge Menschen, die eine dementsprechend behütete Jugend hatten und die Meinung vertreten, dass nur Erfolg und Geld das Wichtigste im Leben sind. Gleichzeitig soll es ein Trost für diejenigen sein, die nicht so vorteilhaft von Fortuna bedacht worden sind. Auch wenn man der Meinung ist, alles sei zu spät – nicht verzweifeln, es gibt immer einen Ausweg! Der zuverlässigste Freund und Lebenspartner ist der Glaube. Damit ist keine Religion gemeint. Der Glaube an sich selbst ist es. Ohne Glauben ist man verloren.

 Auch sollte man das Leben genießen, aber ohne die Mitmenschen darunter leiden zu lassen. Es wäre traurig, wenn Sie mit siebzig Jahren erkennen müssten, dass Sie bisher am Leben vorbeigelebt haben. Und nun wünsche ich Ihnen viel Spaß bei jeder Zeile, die Sie lesen! Sollten Sie einmal „gefallen“ sein, so denken Sie an einen Spruch von einem weisen Chinesen:

 „Ruhm liegt nicht darin, niemals zu fallen, sondern darin, jedes Mal wieder aufzustehen, wenn wir gefallen sind.“ Kung Fu Tse (551-479 v. Chr.), wusste das schon.

 Alle © Rechte vorbehalten, insbesondere das Recht der Vervielfältigung jeglicher Art, des Nachdrucks, der Übertragung durch TV und Rundfunk sowie der Vorbehalt zur Nutzung durch elektronische Systeme in Wort und Bild.
 © Copyright by Juergen Stollin  „Mein Traum frei zu sein“
                     Eine Reise über sieben Jahrzehnte 
 Von Juergen Stollin. 

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                     Eine Reise über sieben Jahrzehnte 
 Von Juergen Stollin. 

Die vergessene Armenien Genozide.

Heute spricht keiner mehr davon! Auch dies hat ein Recht darauf,dass es NIE vergessen werden darf!…….https://april24.hyeid.org/en/home

Arabien verweigert Flüchtlingsaufnahme – Ein arabischer Skandal

kopten ohne grenzen

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100.000 Luxus-Zelte

Kein einziges für Flüchtlinge

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Bill Gates,Segen oder Fluch….

Bill.G.https://www.epochtimes.de/politik/welt/toedliche-menschenversuche-mit-hpv-impfungen-indische-aerzte-verklagen-bill-gates-a1291203.html?fbclid=IwAR1wCLBIK-C4E1uzCM3jYKpn_PeBfsPNpyuCbrbEevgIQL8vqGUbF66z0Pg

A N D E R S [nicht] A R T I G

DER BLOG ZUM THEMA 2020: Andersartig. Hexen. Glaube. Verfolgung

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