Die Reise zur Oase Siwa

   Hier kannst du  wieder einen Blick ins Buch werfen:    

                           Die Skorpion Familie

„Oh, Mann, schau, da ist ein Skorpion!“ Entfuhr es mir und ich zeigte Nabiel meine Entdeckung.

„Lass mal, der verschwindet wieder, der mag uns nicht. Schau, der hat so viel Platz in der Wüste, warum sollte er sich ausgerechnet bei uns wohlfühlen?“

Der Skorpion verschwand wirklich. Doch nach zwei Minuten kam er wieder.

Irgendwie hatte ich kein gutes Gefühl bei dem Vieh.

Ich bin nicht der Typ, welcher bei jeder Kakerlake oder anderem Kleintier brüllt, und das arme Vieh tötet. Doch hier war ein Notfall, sozusagen ER oder ICH!

Ich entschied mich für IHN.

„Nabiel den kriegen wir nicht los! Ich mache ihn jetzt kalt, ich töte ihn, bevor er das mit uns macht.“

Meine Stimme musste in Nabiels Ohren wie ein Schrei geklungen haben.

„Nix wirst Du tot machen! Auch diesen Skorpion nicht!“ erklärte er mir.

„Du nimmst jetzt Deinen Spaten vom Jeep und wirst diesen Skorpion damit in die Wüste zurück tragen!“

Vorsichtig näherte ich mich dem Tier und lud es auf den Spaten und schleuderte es mit einem kräftigen Ruck zurück in die dunkle Nacht! „Nabiel, hier bleibe ich nicht! Wir sollten doch besser nach Ismailia, und dort Übernachten.“

„Mann, das ist nur einer und der ist jetzt fort.“Erwiderte Nabiel und legte sich ganz demonstrativ in seinen Schlafsack.

„Nein, da sind bestimmt noch mehrere“ versuchte ich meine Angst zu verteidigen.

Mir war immer noch nicht geheuer. Ich traute der Sache nicht.

Eine Zeit saß ich am Feuer und genehmigte mir noch einige Schlucke Wein.

Diese Stille war einfach herrlich.  Das kleine Feuer, welches einen so angenehmen Schein verbreitete verführte mich zu sentimentalen Gedanken, doch die Realität kam sofort zurück.

Denn in diesem Schein, des fast herunter-gebrannten Feuers, sah ich noch einen Skorpion!

„Naaabiieel! Ein Skorpion! Er will in Deinen Schlafsack“ schrie ich in die Nacht.

Er wollte natürlich nicht in den Schlafsack. Er ging geradewegs zu dem Feuer und machte kurz davor halt, wohl um sich zu orientieren.

Nabiel kam aus seinem Schlafsack gekrochen und setzte sich neben mich.

Nun beobachteten wir beide was wohl der Skorpion machen würde. Er wollte wieder zurück in die Wüste, doch dann überlegte er es sich und versuchte unter den Wasserkanister zu kriechen.

„Hey Du weißt, was zu tun ist, nimm den Spaten“.

Auch dieser, mir kam die Idee es könnte der gleiche von vorhin sein, endete mit einem kräftigen Schwung in der dunklen Nacht!  Gefahr gebannt!

Nabiel erklärte mir, dass dies ein Pärchen gewesen sei, und somit die Gefahr für uns beseitigt wäre.

Ich kam mir doch etwas verloren vor, wie viel Skorpione sollte ich in dieser Nacht noch in die Wüste zurückschicken?

Warum kamen die dummen Viecher überhaupt zu uns? Nabiel sagte doch die hätten so viel Platz in der Wüste.

Ich könne nun auch in meinen Schlafsack kriechen und ruhig sein.

Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen kam der nächste Skorpion in Richtung Feuer gelaufen.

„Nabiel, und was ist dies? Fragte ich“.

Als Antwort bekam ich, dass dieser nur ein Kind der anderen zwei sei.

„Mir egal, und wenn ich eine ganze Skorpion Familie ausrotten muss, mir reicht es!“Schon kam der Spaten in Aktion! Aber nicht um den Skorpion darauf zu packen, nein dieses Mal wollte ich ihn mit dem Spaten erschlagen!

„Jürgen, tue das nicht, wenn Du einen tötest, kommen zig zur Beerdigung! Die Viecher sind wie eine große Familie!“

Also drehte ich den Spaten um, und hob das Tier auf die Schaufel und brachte es wieder einige Meter weg, um es in die Wüste zurück zu befördern.

„Erledigt!“ sagte ich nur und holte die dritte Flasche Rotwein hervor.

Nabiel war in seinem Schlafsack eingeschlafen, bevor die Flasche alle war.

Mein Gott hat der ein Vertrauen zur Natur.

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Auch solche „Wege“ führen zum Ziel.

Ich schaffte es nicht, in meinen Schlafsack zu kriechen, um auf dem Boden zu schlafen. Zuerst versuchte ich es im Jeep.

Doch die Hitze und die Moskitos verhinderten ein Einschlafen. Nun war das Feuer aus und die Nacht war nur vom Mond erhellt.

Es war so schön, dass ich mir noch eine Flasche Wein gönnte.

Nun saß ich ganz alleine und ganz still und beobachtete die Wüste vor mir. Ich genoss den Wein und sah auch keine Skorpione mehr. Das machte mir Mut. Und nun merkte ich auch, dass ich vor Angst die Skorpione fast getötet hätte.

Doch mir war auch klar, wenn man schon in das Reich der Tiere eindringt, ist es nicht nötig, sie zu töten.

Es gibt immer Wege mit der Natur zu leben. Der Wein brachte die Müdigkeit und ich vergaß alle Skorpione auf der Welt, und kroch in meinen Schlafsack und war schnell eingeschlafen. Beide überlebten wir diese Nacht. Doch dann bei Tageslicht sahen wir, wo wir unser Lager aufgeschlagen hatten. Die Spuren von Skorpionen, Schlangen und anderem Getier waren ganz deutlich als Abdrücke im feinen Sand zu sehen!

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  Der Abzweig nach Israel oder nach Kairo

Die kleine Oase war die Tränke für diese Tiere. Es war zwar kein Wasser-Tümpel, doch feucht genug für diese Tiere um sich in der, im Verhältnis, kühlen Nacht, ihren Wasservorrat zu holen. Und wir lagerten genau in ihrer Bahn, um dorthin zu kommen. Das Feuer hat dann noch die Neugierde der Skorpione geweckt. Auf ein Frühstück verzichteten wir. Ich war zu „Groggy“ um Feuer zu machen.

Ismailia war nun unser nächstes Ziel.

 

Veröffentlicht von jstollin

Steht alles in meinem Buch: http://www.amazon.de/Mein-Traum-frei-sein-Geschichten/dp/1482708205

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