Die „Wilhelm Gustloff“

Wilhelm GustloffEine Erinnerung an vor 70 Jahren, als die „WILHELM GUSTLOFF“ durch einen Russischen Torpedo sank, und mit ihr, über 9000 Menschen auf der Flucht….R.I.P.

Ein Auszug aus meinem Buch…….

….es war ein harter Kampf mit Mutter.

Vater war weniger besorgt doch Mutter meinte, dass Wasser keine Balken hätte. Und überhaupt – was da auf dem Wasser alles passieren kann. Sie wisse das vom Krieg her – da sind so viele ertrunken, als das mit der „Gustloff“ passierte. Ihr Vater war als Maschinist auf der „Wilhelm Gustloff“. Mit noch ungefähr 9000 Menschen, die an Bord waren, ertrank er. Jetzt war mir klar, warum sie mich nicht zur See fahren lassen wollte. Nie hatte sie etwas von ihrem Vater erzählt. Irgendwann, irgendwo hatte ich einen Bericht über diese Tragödie gelesen. Man weiß nicht genau, wie viel Seelen an Bord waren, als die russischen Torpedos das Schiff zum Sinken brachten. Es war in der Ostsee vor der polnischen Küste. Bis heute möchte man diese ganze Sache um die „Gustloff“ am liebsten nicht erwähnen.
Was sind schon ein paar Tausend deutsche Flüchtlinge und eine Schiffsbesatzung, das waren sowieso alles Nazis. Da macht es doch viel mehr her, wenn man von einer „Titanic“ sprechen kann. Das waren „arme Millionäre“, die tragisch ums Leben kamen. In den Seekarten war der Untergangsort der „Gustloff“ als Hindernis 73 bekannt, doch wen stört das heute noch? Es waren doch nur 9000 Flüchtlinge aus dem Osten, die ihr Leben ließen. Bestimmt waren sie sogar die Erbauer der KZ‘s. So war das damals im Krieg. Aber jetzt war kein Krieg mehr, zumindest nicht in unserer näheren geografischen Umgebung. Krieg gab und gibt es immer und zu jeder Zeit auf dem Globus, nur hört man manchmal nichts davon.
Ich wehrte mich gegen diese Art von Gesprächen und verteidigte die neue Welt der Seefahrt. Sterben konnte ich überall, dafür musste ich nicht aus dem Haus gehen. Es sterben viele Menschen sogar in ihrem Bett.
Ich hatte einmal eine Statistik gesehen, in der die gefährlichsten Tiere der Welt und die tödlichsten Angriffe weltweit pro Jahr aufgelistet waren. So erklärte ich Mutter, dass eine Million Menschen an Malaria, übertragen durch die Stechmücke sterben. Weitere vierzigtausend sterben durch Schlangenbisse, tausend durch Krokodile und weltweit knapp zweihundert durch Lawinen. Zweihundert werden von Nilpferden getötet, fünfzig durch Tiger – alles an Land lebende Tiere. Aber nur etwa fünfzehn oder zwanzig sterben durch Bisse von Haifischen – im Wasser lebende Tiere. Also schon deshalb war das Leben auf dem Wasser viel sicherer. Jetzt musste sogar Mutter etwas schmunzeln und meinte, dass ich mich sehr gut vorbereitet hätte. Um Nachdruck zu erzeugen, setzte ich noch einen darauf und erinnerte sie daran, dass ich bald einundzwanzig werden würde und dann ohne ihre Zustimmung machen könnte, was ich wollte. Worauf Mutter meinte, ich würde doch jetzt schon machen was ich wolle. Ob am Ende meine Heulerei oder die Drohung, dass ich weg gehen und nie mehr zurückkehren würde den Ausschlag gab, kann ich nicht sagen – aber Mutter ergab sich und ich hatte ihren Segen. Meine Kündigung verlief einfacher als ich dachte. Der Backstubenleiter meinte nur, dass man Reisende nicht aufhalten sollte. Das brächte für keinen einen Vorteil.

Der Abschied von meinen Freunden machte mich etwas traurig, ich versprach aber allen, von überall Postkarten zu schicken. Dabei wusste ich genau, wie schreibfaul ich war. Ich bemerkte auch, dass einige meiner Sportkameraden etwas eifersüchtig waren. Eine Woche konnte ich noch bei meinen Eltern bleiben, dann packten Mutter und ich mein blaues Köfferchen, das nun schon seit fünf Jahren mein Begleiter war.

Veröffentlicht von jstollin

Steht alles in meinem Buch: http://www.amazon.de/Mein-Traum-frei-sein-Geschichten/dp/1482708205

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Vör en Deef kann man de Dör tomaken, avers vor en Lögner nich.

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