Der Tod lauert in der persischen Wüste

Die Irrfahrt durch Persien

Der Tod lauert in der persischen Wüste
Ein Kanister mit 20 Litern Wasser, einer mit 10
Litern Benzin und eine 5-Literl-Ölkanne, das war unser
kostbarstes Reisegepäck.
Alles andere waren Klamotten, die so verstaubt waren,
dass man sie vor dem Anziehen erst mal kräftig ausklopfen
musste. Dann war da noch eine Wolldecke.
Wenn man sie nicht brauchte, saßen die Damen darauf,
ein 5-l-Trinkwasser-Kanister zwischen den beiden Frauen,
rechts und links Essen gepackt und hinter der Sitzbank dann
noch die Windeln und Sachen für meine zweijährige Tochter.
Man hat die Vorstellung, dass so ungefähr Zigeuner
herumreisen.
Doch gegenüber uns waren Zigeuner gut organisierte,
reinliche Leute.
Gut, sie waren ein Reisevolk, aber so einen Saustall, wie
wir in unserem Mercedes hatten, konnte man in keinem
Zigeunerauto finden.
Auch wie wir aussahen, nach sechs Wochen quasi im
Auto lebend, unrasiert und fern der Heimat.
Ich schaute mir auf meiner Landkarte den Weg nach
Karachi an.
Man musste doch nur diesem feinen Strich auf der
Landkarte folgen, dann kam man nach Karachi. So dachte ich.
Von Abadan über Bushier, Shiraz, Bander-Abbas, Jaak,
Ghoghweiter nach Bahaor – und der nächste Ort Guador war
schon in Pakistan. Von da nach Karachi. In Jah und Chah –
Bohor war ich schon. Das sind ganz kleine Häfen, wo es
Eisenerz gibt. Auf der „Arsterturm“ hatten wir auf Reede
gelegen und mit Lastkähnen kam das rostig aussehende Erz an
Bord. Mennige, eine Eisengrundierfarbe, machte man davon.
Die Leute trugen das Zeug in Bastkörben auf ihren Köpfen.
Sie balancierten über Planken und schmissen es in unsere
Ladeluken. Einmal hatten wir auch eine ganze Ladung
Trockenfisch und Knoblauch von Bushier nach Kalkutta
geladen. Kein Mensch kann sich diese Sauerei vorstellen. Der
Trockenfisch kam in die Ladeluke und durch das Vibrieren des
Schiffes wurde das Zeug irgendwie zusammengerüttelt und
gequetscht, sodass noch Flüssigkeit aus dem Fisch kam. Es
entstand sozusagen eine Lake. Der Gestank war entsetzlich.
Haben Sie schon mal einen toten Fisch gerochen?
Hier waren es ca. 500 Tonnen, die eine stinkende Brühe
verursachten, und dann kam noch der Knoblauch hinzu.
Nicht genug damit, es kamen auch noch die Maden auf
den Plan. Auf dem ganzen Schiff waren Maden. Der
Bootsmann ließ einen Wall vor die Mannschaftskabinen
mauern.
Alle zwei Stunden wurde das Deck mit Seewasser
abgespritzt. Ich erinnerte mich noch sehr gut, bis Kalkutta
waren die Maden alle fort und der Trockenfisch mit Brühe
wurde ausgeladen. Vielleicht hatte Mutter Theresa die Ladung
bestellt. Egal, es waren nur ein paar Gedanken an vergangene,
schöne Zeiten.


Hier war jetzt die Gegenwart und wir waren unterwegs
nach Karachi. Bis Shiras und bis nach Bander war die Straße
im guten Zustand und der Verkehr war auch in Ordnung.
Wir fuhren Tag und Nacht, bis wir nach Bander Abbas
auf kleinere Straßen kamen.
Jask war das letzte Örtchen mit festen Straßen.
Das heißt, der Grader fuhr regelmäßig und ebnete die so
gebaute Fahrstraße immer wieder frei von Rillen.
Es ging sehr oft Hunderte Kilometer über WaschbrettPisten. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass unser 230er


Mercedes, Baujahr 1964, auseinanderbrechen würde – ganz
einfach „krack“ und wir würden dann auf dem Schotter enden.
Aber er hielt.
Ich will nicht prahlen, aber ich hatte da ein Stück
deutsche Wertarbeit unter meinem Arsch. Er wurde von
deutschen Männern und Frauen zusammengebaut, abgesehen
von ein paar türkischen Gastarbeitern, die aber nur die
Handlanger-Jobs hatten.
„Hassan, gib mir mal den Hammer, Schrauber, etc.“ Ja,
so war das.
Dieter zeigte ich noch mal die Karte und erklärte ihm,
dass er sich nur auf der größeren Piste halten solle und nach
Chaka-Bahor fragen sollte, wenn er nicht weiter wüsste.
Ich verspürte eine verdammte Müdigkeit, da ich den
ganzen Tag gefahren war.
Wenn es dunkel würde und er nicht erkennen könnte, wo
wir hinfahren, sollte er stoppen und schlafen.
Ich wurde wach, weil wir hielten.
Es war stockdunkel, der Motor war aus und eine Stille,
die nur durch Dieters Fluchen übertönt wurde.
Was ist? Wo sind wir? Warum stehen wir?
Dieter saß hinter dem Steuer und rührte sich nicht.
Was ist los? Wie spät ist es? Ich schnauzte Dieter an.
Allmählich kam Leben in ihn und er erklärte mir, dass er
Scheiße gebaut hätte. Er wusste nicht, wo wir waren, und der
Tank war leer.
Ich wollte den Reservesprit reinschütten, aber das hatte
Dieter schon unterwegs getan.
Jetzt brüllte ich Dieter an. Wieso war er so lange
gefahren? Warum hatte er mich nicht geweckt? Dieter erklärte
mir, dass es eine einigermaßen gute Piste gewesen war, die er
fuhr. Doch dann wäre da plötzlich eine Mauer auf den Weg
gewesen und ein verlassenes Dorf mit verfallenen Häusern.
Es musste viele Jahre nicht geregnet haben, denn die
Fahrspur endete vor der Mauer aus Lehm. Dahinter ging sie
weiter. Dieter wollte das Hindernis umfahren und merkte
nicht, dass er auf eine neue Spur kam und dieser folgte, bis das
Benzin alle war.
Er hatte den Ehrgeiz bis zum nächsten Ort, also nach


Choha-Bohor, zu fahren.
Keine Menschenseele war unterwegs, die er eventuell
hätte fragen können. Er fuhr halt, bis auch diese Fahrspur zu
Ende war und dann auch der Sprit.
Es war kurz vor Mitternacht. Er war also acht Stunden
gefahren. Das Benzin konnte doch noch nicht alle sein.
Auch wenn ich es nicht glauben wollte, es war so.
In diesem Gelände hatte unser Benz ganz schön Durst.
So gut es ging, schliefen wir den Rest der Nacht, Dieter
und ich im Freien und die Frauen im Wagen. Auch Liegesitze
im Mercedes geben nur bedingt einen gewissen Komfort.
Noch vor Sonnenaufgang waren alle wach.
Den Sonnenaufgang in der persischen Zagroswüste muss
man nicht unbedingt erleben. Es gibt schönere Orte, um einen
Sonnenaufgang zu genießen. Aber ein Schauspiel war es doch.
Bekanntlich geht die Sonne im Osten auf, in unserem Fall
sollte das also Richtung Karatschi sein. Unsere Fahrtrichtung
war aber gegen Westen. Die Sonne ging hinter uns auf, nicht
vor uns. Was besagte, dass unser Auto in die falsche Richtung
zeigte. Auch Dieter war das jetzt klar.
Die Sonne stieg immer höher und es wurde auch immer
heißer. Dazu waren wir in einer Ebene ohne Bäume oder große
Sträucher.
Nicht einmal die kleinste, dornigste Akazie war zu sehen.
Kein Vogel, keine Wüstenmaus, kein Skorpion, nichts.
Vielleicht kamen ja etwas später die Geier!
Ich machte mir Sorgen, große Sorgen.
Die Weiber geiferten, die Kleine heulte, Dieter fluchte
und ich saß da im Sand und überlegte, was wohl jetzt am
Wichtigsten wäre. Kein Mensch würde uns suchen, weil uns ja
keiner vermissen würde.
Erst mal die Decke raus und ein Zelt gegen die Sonne
machen, Wasser und Essen sicher unterbringen und gegen
Insekten und Sonne schützen. Kein Wasser mit Waschen oder
Ähnlichem vergeuden. Mit zwanzig Liter Wasser konnte man
zwei bis drei Tage auskommen. Dosenessen sowie Naan-Brot
und Obst hatten wir auch noch.
Aber dann? Man kann einen Benz nicht durch diese
Geröllwüste bis zur nächsten Tankstelle schieben. Und laufen?
Wohin denn? In welche Richtung, Osten, Westen, Norden?
Süden war zwecklos, denn da war schon der Golf von Oman
oder das Arabische Meer. Der Persische Golf war schon hinter
uns.
Es war inzwischen Mittag und sehr heiß.
Der Abend kam, es wurde dunkel und uns wurde immer
flauer. Ich hatte Angst, nicht vor der Dunkelheit oder vor
irgendwelchem Getier, auch nicht vor Räubern, denn die
wären uns willkommen gewesen. Was hätten die schon von
uns holen können? Wir hätten aber von ihnen Benzin
mitnehmen können. Wie viel bräuchten wir, 5, 10 oder 20
Liter? Wir aßen, tranken und wanderten in der sternklaren
Nacht in der Wüste herum. An Schlaf dachte wohl niemand
und kalt wurde es auch. So sammelten wir Gebüsch, Äste,
getrocknete Dornenbüschel von irgendeinem Gestrüpp und
alles, was irgendwie brennen würde. Man sollte nicht glauben,
was man alles an Wurzelzeug und Kleingebüsch findet, sogar
dickere alte Äste waren dabei, manche schon versteinert.
Höchstwahrscheinlich war auch hier einmal Wald.
Das Feuer wärmte uns.
Ich zeigte in die nördliche Richtung und fragte die
anderen, ob sie auch Licht dort ganz weit weg sehen würden.
Ich löschte das Feuer, um besser sehen zu können.
Doch keiner sah ein Licht. Ich aber war mir
hundertprozentig sicher, ich hatte ein Licht gesehen, ungefähr
so, wie ein Leuchtfeuer, was ganz weit weg zu sehen ist. Aber
nur für einen kurzen Moment war da ein kurzes Aufblinken.
Hatte ich schon Halluzinationen?
Ich wusste, dass man in der Nacht keine Fata Morgana
sehen konnte. Aber vielleicht war ich auch nur müde.
Wir schliefen alle bis zum Sonnenaufgang.
Ich hatte meinen Plan gefasst.
Dieter musste mit dem Reservekanister, drei Litern
Wasser in der Thermosflasche für ihn selbst und mit
Gottvertrauen in die nördliche Richtung laufen.


Es gab nur drei Möglichkeiten.
Entweder wir würden alle hier sterben, oder Dieter auf
dem Weg uns Hilfe zu holen, oder ein Wunder würde
geschehen.
Dieter war von seiner Mission nicht begeistert, aber er
machte sich auf den Weg nach Norden, Richtung
Ungewissheit. Die Frauen und das Kind saßen im Schatten
unter der Decke. Ich wanderte durch die nähere Umgebung,
um eine eventuelle Fahrspur zu finden, das hätte mir eine
Richtung angezeigt. Aber keine Reifenspur und auch kein
Kamelpfad. Ich sammelte noch mehr Gestrüpp für die Nacht.
Ich hatte schon einen großen Haufen. Mein Radius und der
Holzhaufen wurden immer größer. Dann sah ich genau gegen
Osten ein Fahrzeug.

Foto von.http://Matsch und Piste.


Ich machte einige Male meine Augen auf und zu, um
mich zu vergewissern, dass es keine Wunschvorstellung, eine
Fata Morgana oder ein Tagtraum war.
Ganz schnell nahm ich Holz von dem großen Haufen,
sprenkelte ein bisschen Motoröl darüber und dann auch noch
Wasser. Ja, ich musste verhindern, dass alles in einer großen
Flamme aufgehen würde, ich brauchte Rauch! Tagsüber war
Feuer nicht zu sehen, nachts schon. Ich entzündete den kleinen
Haufen, es rauchte und stank wunderbar. Ich nahm die Decke,
die als Sonnenschutz diente, und deckte mein Rauchfeuer ab
und auf. Und wieder ab und auf. Und noch mehr Öl.
Es kam ganz automatisch, dass ich ein Intervall von 3 mal
kurz – 3 mal lang – 3 mal kurz gelüftet habe.
Ich wusste, dass da ein LKW durch die Wüste fuhr und
nicht ein Seemann, der mein S.O.S kurz-lang-kurz verstehen
würde.
Wir tanzten vor Freude, als wir bemerkten, dass der LKW
etwas größer wurde, dafür aber schmaler. Das hieß, er kam
gerade auf uns zu. Es dauerte fast eineinhalb Stunden, bis das
Ungetüm von MACK LKW bei uns angelangt war. Da wo er
herkam, war also die Straße. Dieter aber war genau in
entgegengesetzter Richtung in die Wüste verschwunden.
Der Iraner bestaunte uns wie Außerirdische.
Man stelle sich vor: mitten im Nirgendwo in einer
Halbwüste mit viel Geröll, wo selbst so ein großer LKW nicht
mehr als zwanzig bis dreißig Stundenkilometer fahren konnte,
stehen ein weißer 230er Mercedes, eine alte, dunkle Frau, eine
etwas jüngere, halbdunkle Frau, ein Kleinkind, fast weiß und
ein weißer Mann, dessen Auto kein Benzin hat.
Nach vielen persischen Worten, die mein Retter sprach
und meinen deutsch-englischen
Dankesworten verließ uns unser Engel wieder. Er gab uns
noch Naan, Datteln, Orangen und füllte unser Wasser auf.
Diesel, den er zur Genüge hatte, konnte er uns für unseren
Benziner nicht geben. Er versprach, wenn er unterwegs
jemanden mit Benzin treffen würde, ihn zu uns zu schicken.
Spätestens in der nächsten Ortschaft in 80 km würde er
Bescheid geben. Ich weiß nicht, ob er jemanden finden würde,
der so blöd wäre, um ein paar nichtgläubigen Ausländern, die
auch noch total verrückt waren, Wasser und Benzin in die
Wüste zu bringen.
Außerdem wusste man ja auch nicht genau, wo in der
Wüste diese Ausländer waren.
Nur der Fahrer wusste, wo wir waren. Vielleicht käme er
auf seiner Rückreise oder irgendwann, wenn er durch Zufall
wieder so eine Route bekäme, hier vorbei. Vielleicht konnte er
mit den Mercedes-Teilen oder unseren Uhren etwas anfangen.
Die gebleichten Knochen konnte er bestimmt nicht verkaufen.
Scheiße, wie kann man nur so denken? Er hat mir angeboten,
uns mitzunehmen. Er hätte eine lange Kette für das Auto und
mich und im LKW wäre genug Platz für die Frauen. Ich
dankte ihm, da ich dachte, dass ja Dieter wiederkommen
würde, mit oder ohne Benzin, und wenn er uns hier nicht mehr
vorfinden würde … der Gedanke gefiel mir nicht. Außerdem,
der Mercedes an einer Kette hinter diesem Monster, das über
Stock und Stein fuhr, das hätte den Mercedes zu einem Haufen
Schrott gemacht.
Die Kette wäre gerissen und die Frauen und mein Kind
wären auf nimmer Wiedersehen in der Wüste oder einem
arabischen Basar verschwunden. Sollte Dieter bis zum
nächsten Morgen nicht zurück sein, würden wir uns zu Fuß auf
den Weg machen, und zwar dorthin, wo der LKW herkam und
auch wieder hinfuhr. Ich beobachtete diese Stelle und sah nun
schon den zweiten LKW in der Ferne. Also, dort war die
Straße.
Wenn der LKW eineinhalb Stunden brauchte, wären das
nach meiner Schätzung maximal vierzig Kilometer, eher
weniger. Die konnte man in zwei Tagen schaffen, auch mit
Kind und Oma. Wasser und Essen hatten wir für mehr als zwei
Tage.
Jetzt nur noch auf Dieter warten, spätestens bis morgen!
Es dämmerte schon, in diesen Breitengraden wird es
schnell dunkel. Von Tag auf Nacht geht es ruck zuck. Ich
bereitete wieder einen großen Haufen Brennmaterial vor.
Gleich bevor es dunkel würde, wollte ich ihn anzuzünden,
damit eventuell Dieter oder sonst jemand den Feuerschein
sehen konnte – und uns auch. Es war aber nicht mehr nötig das
Feuer anzumachen.
Aus der Ferne, von da, wo heute Morgen Dieter in der
Wüste verschwunden war, kam ein Gefährt. Ein Jeep – ein
Landrover, darin ein Engländer und Dieter mit viereckigen
Kanistern, die voller Benzin waren!
Freude, Dank, Erleichterung und nochmals Dank an alles,
was auf der Erde und auch über der Erde sein soll. Gück? Ich
glaube schon lange nicht mehr an Glück, seit das mit der
Lakonia gewesen war. Es gibt kein Glück, sondern nur
Bestimmung.
Freude ist Glück und Glück ist Freude, alles andere ist
Bestimmung.
Ich bin glücklich – oder ich freue mich, das ist doch egal.
Doch Bestimmung ist, ob oder wie lange ich noch auf
dieser Erde mein Unwesen treiben darf.
Unser Auto wurde betankt und mit Hilfe eines
Überbrückungskabels auch gestartet. Dieter war clever und
hatte daran gedacht, ein solches Kabel mitzubringen. Wir
hatten unsere Batterie am Benz nicht abgeklemmt, somit war
durch die Türbeleuchtung und auch das Radio oder den
Kassettenrekorder kein Saft mehr in der Batterie. Wir räumten
unseren unfreiwillig entstandenen Campingplatz und fuhren
hinter dem Landrover her. Es war schon dunkel und wir
erreichten ein Camp.
Dort wurde nach Wasser gebohrt, sagte man uns. Ich war
sicher, es wurde nach Öl gesucht.
Egal, es gab ein fantastisches Essen, eine Dusche und ein
richtiges Feldbett. Für alle, ein Bett! Es war wie im Paradies.
Dieter hatte schon alles erzählt und so blieb es mir erspart. Ich
erkundigte mich nach Interessanterem. Wo wir waren, wusste
ich nun. Die Engländer gaben mir eine Karte von diesem Teil
von Persien.
Einen Grenzübergang nach Pakistan gab es aber nur
weiter im Norden.
Hier ging kein Grenzverkehr.
Quetta hieß der nächste pakistanische Ort, in dem wir
nach dem Grenzübertritt sein würden. Unser Engländer fuhr
vor uns, bis wir auf dem Schotterweg nach Bam waren.Es gibt
auch nette Engländer, vor allem in der Wüste.Wir befanden
uns jetzt auf der Straße Banderabbas – Bassra, Zahedan. Wenn
ich nicht so ignorant gewesen wäre und den richtigen Mann in
der Schiffsagentur gefragt hätte, wäre mir viel erspart
geblieben. Dann hätten wir gleich von Banderabbas den
richtigen Weg genommen. Hätten hin, hätten her, ich war froh
und glücklich, dass unsere Bestimmung so war, wie sie halt
war.
Wir lebten und ich war nicht zum Mörder meiner Familie
und einem Freund geworden. Glück?
Nein, Bestimmung.
Bis Bam kam nichts, nicht einmal ein Teeladen oder was
zu essen. In Bam übernachteten wir. Wir sahen auch die
Ruinen der alten Oasenstadt. Die Perser erzählten uns über den
antiken Turmbau zu Bam, aber war das nicht Babel? Nun egal,
inmitten in Bam gab es da eine doppelspurige Straße mit Grün
in der Mitte. Der Turmbau lag am Ende, wo es schon etwas
bergauf ging. Ein großer Berg mit vielen Höhlen, die – so sagte
man mir – bewohnt waren. Das soll vor langer Zeit ein Turm
gewesen sein. Nur in vielen Sprachen redete man in Bam
nicht. Die Leute sprachen Farsi und wir Englisch, was
eigentlich niemand verstand. Schon sehr früh am nächsten
Morgen verließen wir Bam.
Viele Jahre später, im Dezember 2003, zerstörte ein
verheerendes Erdbeben die Stadt und ihre antiken Bauten zu
mehr als 90 Prozent. Beinahe die Hälfte der Bevölkerung kam
auf der Stelle ums Leben.
Wir mussten nach Norden, nach Zahedan. Dort wollten
wir über die Grenze nach Pakistan kommen, um weiter nach
Quetta zu gelangen.
Dann war es nur noch ein Katzensprung nach Süden, an
Sukkur und Belem vorbei bis Karatschi. Wir Deutschen
brauchten kein Visum, so wie die Ceylonesen auch keines
brauchten, was alles einfacher machte. Zwischen der
iranischen und der pakistanischen Zoll- und Passstelle war ein
großer Streifen Niemandsland. Wenn jemand die
Redewendung „Am Arsch der Welt“ verwendet, dann meint er
bestimmt dieses von Gott verlassene Stück Erde.
Quetta war auch nicht besser, aber es gab zumindest ein
Hotel, das sogar den Namen „Fahra“ trug. Im ganzen
persischen Reich wurde dieser Name nicht verwendet – weder
als Hotelname noch für etwas anderes. Es war der Name der
Kaiserin.
Doch wen störte das hier? Dafür gab es in Karatschi das
Hotel „International“, in das wir uns einquartierten. Man sollte
es nicht für möglich halten, doch hier wurden wir unser Auto
los.
Mein treuer 230er wurde als Decksladung auf einen
pakistanischen „Rostkahn“ geladen und nach Colombo
gebracht, so wurde es versprochen.
Hoffentlich ging der Kahn nicht unter, denn ich war
sicher, dass alles ohne Versicherung von statten ging – dafür
aber billig.
Ein Wunder war geschehen.

Das ist der 230er Mercedes welcher uns nach Ceylon und zurück brachte……..

Das war wieder ein Kapitel aus dem Abenteuer-Buch :

Mein Traum frei zu sein

Veröffentlicht von jstollin

Steht alles in meinem Buch: http://www.amazon.de/Mein-Traum-frei-sein-Geschichten/dp/1482708205

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